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Bischofswieser Ortsdurchfahrt wird entschleunigt

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Vor der Einfahrt zum künftigen Bischofswieser Ortszentrum wird sich in den nächsten Jahren wohl einiges tun. Hier ist die Anlegung einer Linksabbiegespur, einer Überquerungshilfe, einer Ampelanlage und einer Bushaltebucht geplant. (Fotos: Wechslinger)

Bischofswiesen – Die Gemeinde Bischofswiesen will den Verkehrsfluss auf der Ortsdurchfahrt mit baulichen Maßnahmen entschleunigen und gleichzeitig das neue Ortszentrum im Bereich von Kirche und Rathaus noch besser erschließen. Der Gemeinderat erteilte am Dienstag den Planungsauftrag für den Einbau eines bis zu acht Meter breiten Grünstreifens zwischen den Fahrbahnen im Bereich der Loiplbrücke, für die Anlegung einer Überquerungshilfe samt Ampelanlage auf Zufahrtshöhe zum Rathaus sowie für den Bau einer neuen Geh- und Radbrücke über die Ache zum neuen Bahnhaltepunkt.


Andreas Rupp vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Bad Reichenhall stellte die bislang nur skizzenhaft festgehaltenen Ideen vor. Wesentlicher Teil sind massive Fahrbahnverschwenkungen im Bereich der nördlichen Ortseinfahrt zwischen Loiplbrücke und Ortsbeginn. Dadurch will man die Geschwindigkeiten von Fahrzeugen in beide Richtungen deutlich verringern und damit das Einbiegen aus Richtung Loipl erleichtern. Erreicht werden die Fahrbahnverschwenkungen durch die Anlegung eines rund 50 Meter langen und bis zu acht Meter breiten Grünstreifens zwischen den beiden Fahrbahnen. »Den Grünstreifen kann die Gemeinde dann nach ihren Vorstellungen gestalten«, sagte Rupp. Die Kosten für das Projekt liegen nach ersten Schätzungen bei rund 257 000 Euro, jedoch rechnet man bei allen Kostenansätzen mit mindestens 50-prozentiger Förderung.

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Von der Bahnhofsbrücke soll zunächst bis zum Parkplatz »Brenner Bräu« ein kombinierter Geh- und Radweg angelegt werden, den man zu einem späteren Zeitpunkt in Richtung Süden weiterführen will. Gleichzeitig werden die bestehenden Bushaltebuchten weiter nach Norden in Richtung Ortszentrum/Kirche verlegt. Zur besseren Erreichbarkeit des Ortszentrums ist auf der Hauptstraße die Anlegung einer Linksabbiegespur geplant. Weil man dafür mehr Platz braucht, muss die ohnehin sanierungsbedürftige Stützmauer oberhalb der Ache um rund einen Meter nach außen versetzt werden. Ebenfalls Teil dieses Bauabschnitts ist die Erneuerung von maroden Schmutz- und Regenwasserkanälen. Die Gesamtkosten werden für diesen Teil auf rund 1,7 Millionen Euro geschätzt, allerdings gibt es auch hier erhebliche Zuschüsse, die teure Sanierung der Stützmauer wird zum Großteil das Staatliche Bauamt übernehmen.

Ampelanlage wird verlegt

Ein Schwerpunkt des Projekts ist die bessere Anbindung des Gemeindezentrums an den künftigen Bahnhaltepunkt auf der anderen Achenseite. Deshalb soll auf Höhe der Zufahrt eine Überquerungshilfe für Fußgänger angelegt werden. Gleichzeitig wird die Ampelanlage vom »Brenner Bräu« hierher verlegt, wodurch das Einbiegen aus Richtung Ortszentrum erheblich erleichtert werden soll.

Als letzten Punkt stellte Andreas Rupp den Neubau der bisherigen Fußgängerbrücke über die Ache vor, die künftig als Brücke für Fußgänger und Radfahrer dienen soll. Die Kosten von 240 000 bis 280 000 Euro fallen für die Gemeinde kaum ins Gewicht, weil sie nur ein Sechstel davon übernehmen muss. Die meisten Gemeinderäte favorisierten ein geschwungenes Brückenmodell aus einer Mischung von Holz und Metall. Eine überdachte Brücke hielt Bürgermeister Thomas Weber nicht für sinnvoll, da man aus Richtung Norden »dann gegen eine massive Bretterwand schaut«.

In der anschließenden Diskussion zeigten sich fast alle Gemeinderäte soldiarisch mit der Entwurfsplanung. Für Aufregung sorgte zunächst nur der Redebeitrag von Sepp Stanggassinger (UBB), der allerdings aufgrund einer nicht ganz korrekt formulierten Tagesordnung davon ausgegangen war, dass man bereits den Durchführungsbeschluss und nicht nur den Planungsbeschluss fasse. Deshalb hatte sich Stanggassinger als Gemeinderat zunächst übergangen gefühlt. Unabhängig davon bezeichnete er die 50 Meter lange Verkehrsinsel als »Schmarrn«. Der UBB-Gemeinderat plädierte stattdessen für den Bau eines Kreisverkehrs an der Loipl-Einbiegung, »auch wenn es noch 15 oder 20 Jahre dauert«. Bürgermeister Thomas Weber machte allerdings klar, dass das Staatliche Bauamt diesem Wunsch bereits eine deutliche Absage erteilt habe. Und der Rathauschef konnte den skeptischen Gemeinderat mit dem Hinweis beruhigen, dass man lediglich den Planungsauftrag erteilen werde.

Keinen Gefallen fand Stanggassinger dennoch an der riesigen Verkehrsfläche, die nach Anlegung einer Abbiegespur und einer Bushaltebucht künftig vor der Kirche entstehen werde. Thomas Weber erwiderte, dass man hier im ständigen Gespräch mit der Kirchenverwaltung sei und »sehr behutsam« vorgehen werde. Dann ließ der Bürgermeister über Stanggassingers Geschäftsordnungsantrag abstimmen, die betreffenden Tagesordnungspunkt zurückstellen, bis eine Ortsbegehung durch den Gemeinderat stattgefunden hat. Weil dem aber nur die beiden UBB-Gemeinderäte zustimmten, konnte die Diskussion weitergehen.

Mehr Sicherheit

In deren Verlauf musste sich Sepp Stanggassinger heftige Kritik vonseiten seiner Gemeinderatskollegen anhören. Für die vorgestellten Projekte fanden die Lokalpolitiker dagegen fast ausschließlich lobende Worte. Hans Metzenleitner (SPD) bezeichnete die Planungen als »Projekt von enormer Tragweite«, das Auswirkungen auf die kommenden Generationen habe und der Gemeinde größere Verkehrssicherheit bringe. Für Thomas Resch (Freie Wähler) werden die genannten Maßnahmen »zur Entschleunigung beitragen« und für Simon Schwaiger (CSU) ist es wichtig, dass der Ortsbeginn künftig besser erkennbar werde und sich dadurch die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge reduzieren werden. Oliver Schmid (CSU), dem die Planung insgesamt auch gut gefiel, erklärte, dass er die Anlegung der Verkehrsinsel im Norden nicht als Aufgabe der Gemeinde, sondern des Staatlichen Bauamtes sehe. Deshalb werde er hier nicht zustimmen. Für Michael Sturm (Grüne) ist diese Verkehrsinsel »die zweitbeste Lösung, nachdem sich ein Kreisverkehr nicht durchsetzen lässt«.

Bei den drei Einzelbeschlüssen war man sich weitgehend wieder einig. Gegen die Fahrbahnverschwenkung im Norden stimmte nur Oliver Schmid, die Maßnahmen im zentralen Gemeindeteil wurden einhellig abgesegnet und gegen den Beschluss, das Brückenmodell Nummer 1 (gebogen) planen zulassen, stimmten nur Oliver Schmidt und Michael Lichtmannegger. Ulli Kastner