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»Bitte nur nicht explodieren«

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Foto: Pfeiffer

Nach dem Granatenfund am Thumsee: Als Michael Brandes das hochexplosive Teil in seiner rechten Hand erkannte, war die Panik groß: »Ich dachte ja, das sei eine Bierflasche.«


Vom Boden des Thumsees, in etwa zwei Metern Tiefe, hatte er aber eine funktionsfähige Handgranate der US-Armee geborgen. Der Schock war groß. Eigentlich wollte Michael Brandes nur einen entspannten Tag am Thumsee haben. Gemeinsam mit seiner Freundin, mit der der 28-Jährige ein paar Tage Urlaub in Bad Reichenhall verbringt, wollte er den Rest des schönen Nachmittags im See baden. Seine Taucherbrille hatte er eingepackt. »Der Thumsee hat so schönes, klares Wasser«, sagt er. Brandes stammt aus Wiefelstede und ist bei der Marine der Bundeswehr.

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»Ich bin zur Südseite des Sees und dort ins Wasser gegangen.« Sein Plan: Das Ufer mit der Taucherbrille erkunden. Einige Meter vom Rand entfernt, dort, wo viele Leute zum Baden gehen, ging er mit seiner Taucherbrille unter Wasser. Äste lagen auf dem Boden. Einige Muschelschalen schimmerten ihm in etwa zwei Metern Tiefe vom Grund entgegen. »Da war noch etwas, aber das erkannte ich im ersten Moment nicht wegen des Sandes«, sagt Brandes. Er ging noch tiefer, griff nach dem Gegenstand.

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Michael Brandes hat beim Tauchen eine scharfe Handgranate entdeckt. Foto: Pfeiffer

Badegast Michael Brandes hat beim Tauchen am Thumsee eine scharfe Handgranate entdeckt. (Foto: Pfeiffer)

»Ich merkte, dass es schwer war.« Vielleicht ein Teil einer Flasche, dachte er sich. Bedeckt von Algen und Sand nahm er das Objekt mit an die Wasseroberfläche, um einen Blick darauf zu werfen. Und war geschockt. Anhand des Bügels erkannte er, dass es eine Handgranate war, bräunlich-schwarze Farbe, die vielen Jahre im Wasser hatten der Oberfläche des explosiven Guts deutlich zugesetzt. »Bitte nicht explodieren, bitte nur nicht explodieren«, waren seine Gedanken.

Ihm dämmerte, dass es keine gute Idee war, das Ding anzufassen. »Ich weiß ja, dass solche Teile gefährlich sind und man sie unter keinen Umständen anfassen soll«, sagt er. Mit der Granate in der Hand, einer MK2, der sogenannten Pineapple (Ananas), stand er also am Ufer des Sees und wusste im ersten Moment nicht, was er tun sollte. »Ich habe die Handgranate dann vorsichtig auf einem Baumstumpf abgelegt.« Nur ein paar Meter entfernt war eine Radfahrerin, die er ansprach und sich nach ihrem Handy erkundigte. »Mir war klar, dass ich einen Notruf absetzen musste.« Gedacht, getan.

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Bei der hochexplosiven Granate handelt es sich um eine MK2 Pineapple der US-Armee. Foto: Pfeiffer

Bei der hochexplosiven Granate handelt es sich um eine MK2 Pineapple der US-Armee. (Foto: Pfeiffer)

Brandes verständigte die Polizei, wartete so lange am Ufer, bis die Beamten eintrafen. »Die waren erst mal skeptisch, ob das überhaupt eine Handgranate ist«, sagt Michael Brandes mit einem Lächeln. Vorsichtshalber wurde der Fundort abgesperrt, zunächst nur ein kleiner Bereich. Schnell war aber klar: Die Sicherung an der Handgranate fehlt, das Teil ist gefährlich und muss kontrolliert gesprengt werden.

Die Polizei sperrte den Bereich nun großräumig ab, rund 40 Gäste eines nahe gelegenen Restaurants mussten evakuiert werden, weil die Gefahr einer Explosion nicht ausgeschlossen werden konnte. Zudem wurden die Freiwilligen Feuerwehren Bad Reichenhall und Karlstein hinzugerufen, die mit rund 30 Einsatzkräften unterstützten und die Evakuierung leiteten. Die Granate wurde am Abend gegen 20.45 Uhr gesprengt.

Michael Brandes war zu diesem Zeitpunkt schon wieder in seiner Pension angekommen. »Ich bin froh, dass nicht mehr passiert ist«, sagt er. Den Rest seines Urlaubs möchte er ohne abenteuerliche Zwischenfälle verbringen. »In zwei Tagen geht es weiter nach Österreich.« Bergwandern, entspannen, vom Tauchen in Gebirgsseen hat er erst einmal genug. Kilian Pfeiffer