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Bei BRK und ÖRK hofft man, dass sich die Zahl der Blutspender im Landkreis bald wieder auf den bisherigen Stand einpendeln wird. (Foto: Unsplash)

Blutspende: Die Angst vor der Nadel und ganz viel Unsicherheit

Berchtesgadener Land – Anfang November hatte das Bayerische Rote Kreuz Berchtesgadener Land auf seinen Social-Media-Kanälen Instagram und Facebook mitgeteilt, dass die Zahl der Blutspender bundesweit zurückgehe. Betroffen davon ist auch das Berchtesgadener Land (wir berichteten). Als Ursache dafür sieht das hiesige BRK zum einen die Verunsicherung unter den Bürgern wegen der strengen Auflagen während der Pandemie. Zum anderen eine gewisse Skepsis gegenüber den Abnahme-Teams aus Salzburg, die nun – wie seit vielen Jahren in Berchtesgaden – für den gesamten Landkreis die Blutspende organisieren. Der »Berchtesgadener Anzeiger« wollte es genauer wissen, fragte BRK- und ÖRK-Verantwortliche sowie die Bürger selbst.


»Wir arbeiten im inneren Landkreis bereits seit bald 69 Jahren eng und vertrauensvoll mit unseren Kameraden vom Salzburger Roten Kreuz zusammen, wobei jeder Landkreisbürger im Notfall wieder direkt davon profitiert, wenn er in einer Salzburger Klinik oder hier im Berchtesgadener Land schnell und unkompliziert eine Blutkonserve benötigt. Das Blut verschwindet also nicht einseitig irgendwo in Österreich, sondern wird solidarisch nach dem Maß der Not gezielt grenzüberschreitend eingesetzt«, erklärt Eduard Schmid vom ehrenamtlichen Blutspende-Organisationsteam des BRK im Beitrag auf Instagram. Durch den Wechsel zum Salzburger Blutspendedienst im gesamten Landkreis konnten heuer alle geplanten Termine im Berchtesgadener Land trotz Fachkräftemangels ohne kurzfristige Ausfälle und ohne lange Anfahrtswege effizient und personalschonend stattfinden. Seit Februar dieses Jahres werden die Blutspendetermine in Anger, Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Freilassing, Laufen (in Zukunft mit Oberndorf), Piding und Teisendorf vom ÖRK angeboten.

Babyboomer fallen nach und nach weg

Die entsprechende BRK-Veröffentlichung auf Instagram kommentierte auch Thomas Proksch, der bisher schon 100 Mal Blut gespendet hat. Er war entsetzt, in Teisendorf auf so wenige Spender wie nie zu treffen. Laut Anton Holzer, Mitglied der Geschäftsleitung des Österreichischen Roten Kreuzes, hat das allerdings einen ganz einfachen Grund: »Aus Datenschutzgründen durften uns die Kollegen aus München, die die Abnahme zuvor betreut hatten, keine Spenderdaten übermitteln. Folglich hatten wir keinen bestehenden Spenderstamm, den wir anschreiben konnten. Den müssen wir jetzt nach und nach aufbauen. In zwei bis drei Jahren wird sich das dann eingespielt haben.«

Ein weiterer Grund für den Rückgang der Blutspenden sei laut Holzer der demografische Wandel. »Die Babyboomer werden immer älter, dürfen teilweise nicht mehr spenden, während es viel weniger junge Menschen gibt, die spenden. Das bereitet uns große Sorgen. Wir versuchen verstärkt junge Leute zum Blutspenden zu bewegen, zum Beispiel über Instagram.« Am besten funktioniert laut Holzer aber immer noch die persönliche Ansprache, vor allem im ländlichen Raum. Freunde und Eltern nehmen direkt Verwandte und Kinder mit und zeigen so, dass es etwas Alltägliches ist.

Laut dem Deutschen Roten Kreuz benötigen 80 Prozent der Bürger einmal im Leben eine Blutspende. Am häufigsten bei Krebserkrankungen, gefolgt von Herzkrankheiten. Eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass 47 Prozent der Menschen in Deutschland schon mindestens einmal Blut gespendet haben. In Berchtesgaden ist die Zahl der Blutspender relativ konstant, seit zwei Jahren sinkt sie leicht.

Der »Berchtesgadener Anzeiger« wollte wissen, wer von den Bürgerinnen und Bürgern im Berchtesgadener Land Blut spendet und wer nicht. Gefragt wurde auch nach den Gründen. An der Umfrage über Instagram nahmen 71 Menschen teil. Auf die Frage »Gehst du Blutspenden?« antworteten 40 Menschen (56 Prozent) mit Ja und 31 (44 Prozent) mit Nein.

Warum wir Blut spenden

Von den Befragten begründeten rund 25 ihre Meinung. Diejenigen, die regelmäßig Blut spenden, machen das, weil es wichtig ist und man mit wenig Aufwand etwas Gutes tun kann. Sophie Ertl aus Teisendorf sagte zum Beispiel, dass sie mit ihrer Blutgruppe 0 negativ alle retten könne. Stephanie Graßl aus Berchtesgaden erzählte: »Mein Bruder hatte vor ein paar Jahren einen schweren Unfall, seither geht meine Familie regelmäßig Blut spenden. Ich kenne so viele, die an Krebs erkrankt sind, auch junge Menschen. Jedem von uns kann plötzlich etwas zustoßen und man ist selber auf das Blut anderer angewiesen. Blutspenden ist so wichtig und das kann fast jeder machen. Zudem ist es gut für den eigenen Körper, weil das eigene Blut auf sämtliche Krankheiten getestet wird. Ausreden wie ›Ich kann kein Blut sehen‹ oder ›Ich mag keine Nadeln‹ kann ich nicht mehr hören! Das kann ich nämlich auch nicht. Ich kann mir nicht einmal mit der Nadel einen Schiefer rausholen, aber beim Blutspenden springe ich über meinen Schatten.«

Jonas Winter aus Schönau am Königssee geht sogar so weit, dass er sagt: »Anderen Menschen damit ein Weiterleben/Überleben zu ermöglichen, sollte verpflichtend werden! Ich finde das genauso nötig und sinnvoll wie einen Organspendeausweis zu besitzen.«

Florian aus Bad Reichenhall konnte schon ein Leben retten: »Falls ich in die Situation komme und selbst Blut brauche, wäre ich saufroh darum. Vor ein paar Jahren durfte ich Stammzellen spenden und rettete dadurch jemandem das Leben. Wir sind noch immer in Kontakt und heuer besuchte ich ihn das erste Mal. Eine tolle Erfahrung, jederzeit wieder.«

Viele der Befragten kennen das Blutspenden noch von ihren Eltern und haben das einfach übernommen, so wie Franziska Renoth und Eva Seiberl aus Berchtesgaden. Renoths Vater hat schon 85 Mal Blut gespendet und sie mit 18 das erste Mal mitgenommen. Bei Seiberl geht die ganze Familie wie selbstverständlich immer Blut spenden. Xaver Neumeier aus Bayerisch Gmain geht aus sozialen Gründen und auch, weil er es gut findet, dass sein Blut untersucht und mal »durchgespült« wird und sich erneuert. Es gibt allerdings auch viele, die nicht Blutspenden gehen. Unter den Befragten waren das 44 Prozent. Die meisten gaben als Grund an, dass sie nicht mitbekämen, wann und wo das Blutspenden stattfände und auch nicht, wie es ablaufe. Einige räumten ein, dass sie es gerne tun würden, wenn sie mehr Infos darüber bekämen. Franziska Graßl aus der Ramsau gibt zu, sie habe es bisher irgendwie immer vergessen oder verplant. Es wird ihrer Meinung nach zu wenig beworben, vor allem auf Social Media, wo man eher jüngere Leute erreichen würde.

Das bestätigen auch Nicola Koller aus Bischofswiesen und Lisa Ziemer aus Bayerisch Gmain. Sie würden gerne gehen, wenn sie mehr Infos darüber bekämen. Teuta Scheidsach hat richtige Angst vor Spritzen und Nadeln und war daher noch nie Blut spenden. Einige Befragte dürfen auch aus gesundheitlichen Gründen wie Eisenmangel oder Autoimmunerkrankungen nicht mehr spenden. Wiederum andere waren sich nicht sicher, ob sie spenden sollen, weil sie einen hohen THC-Gehalt in ihrem Blut vermuten oder gerne auch mal Marihuana rauchen. Sie seien sich unsicher, ob man da noch spenden dürfe. Auf Nachfrage bei Anton Holzer sei das kein Problem, sofern diejenigen nicht exzessiv Drogen konsumieren. Das müsse man bei einem Bluttest dann einfach abklären. Auch zeitliche Engpässe im Hinblick auf Kinderbetreuung waren ein Grund, wieso manche bisher keine Zeit fanden, um zu spenden.

Die Fakten im Überblick

Wer noch nie beim Blutspenden war, kann sich vorab auf der Website des Deutschen Roten Kreuzes einem kurzen Spende-Check unterziehen. In rund 31 Fragen wird anonym ermittelt, ob man als Spender geeignet ist. »Wer direkt zum Blutspenden kommen möchte, besucht uns an den Terminen einfach ohne Voranmeldung. Wichtig ist, dass man gesund ist, zuvor etwas gegessen und getrunken hat und einen Identitätsnachweis mitbringt, also Führerschein, Reisepass oder Ausweis«, sagt Anton Holzer vom ÖRK. Dass Blutspenden gut für den Körper sei, bestätigt auch er. Durch die Blutentnahme wird der Körper angeregt, neue Blutzellen zu bilden. Das Blut wird sozusagen aufgefrischt.

Aktuelle Blutspendetermine findet man auf der Website des Deutschen Roten Kreuzes, auf dem Instagram-Kanal des BRK Berchtesgadener Land oder auch dem Instagram-Kanal vom Österreichischen Roten Kreuz.

Eva Goldschald