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Brandschutz nach 400 Jahren

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Das Schloss Adelsheim wurde 1614 gebaut und hat 400 Jahre ohne Brandschutz »überlebt«. Jetzt muss der Landkreis viel Geld in die Hand nehmen. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Im Jahr 1614 ließ Stiftsdekan Degenhard Neuchinger das »Schlösschen Adelsheim« bauen und verschwendete dabei sicher viel Geld, aber natürlich keinen Gedanken an Flucht- und Rettungswege. Jetzt, 400 Jahre später, macht der Brandschutz auch vor alten Gemäuern nicht halt. Der Landkreis als Eigentümer nimmt daher 360 000 Euro in die Hand, um zum einen ein gesetzlich vorgeschriebenes Brandschutzkonzept umzusetzen, zum anderen werden auch gleich der Verkaufsraum und der Dia-Raum umgebaut. Im vergangenen Jahr kamen 6 000 Besucher in das Schloss in der Nähe des Salzbergwerkes, in den letzten Jahren ließ sich der Landkreis das Schloss zwischen 120 000 und 160 000 Euro jährlich kosten. Heuer werden es wegen des Brandschutzes fast 500 000 Euro sein.


Der Landkreis als Eigentümer des Schlosses hat ein Ingenieurbüro damit beauftragt, ein Brandschutzkonzept zu erstellen. Dieses sieht nun vor, dass die einzelnen Stockwerke im Hauptgebäude im Brandfall abtrennbar sein müssen. Daher werden Rauchschutztüren und Festverglasungen sowie in das gesamte Gebäude eine Brandmeldeanlage eingebaut. Das Nebengebäude wird in die Bereiche Lager und Büro sowie in die eigentliche Ausstellung unterteilt. Die Kosten belaufen sich auf rund 360 000 Euro, im Haushalt für dieses Jahr hatte der Landkreis bereits 330 000 Euro dafür reserviert. Die Arbeiten beginnen im Januar 2015, dann ist das Museum auch bis Ostern geschlossen.

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Die Leiterin des Museums, Friederike Reinbold, stellte den Mitgliedern des Kreisausschusses ihren Jahresbericht vor. Dieser zeigt, dass sich die Besucherzahlen nach einem Höchstwert von 7 200 Personen im Jahr 2010 und einem Einbruch auf rund 3 500 nun wieder auf rund 6 000 Besucher erhöht haben. »Grund für den Rückgang in den letzten Jahren war, dass wir das Museum von 6. Januar an bis Ostern zugesperrt haben«, so Reinbold. In dieser Zeit seien einfach zu wenige Touristen in Berchtesgaden. Zudem sei lange versäumt worden, auch Schüler mitzuzählen, da diese keinen Eintritt bezahlen müssen. Allerdings sei die Zahl der Schulklassen wegen Schulreformen ohnehin zurückgegangen.

Für Landrat Georg Grabner steht fest, dass das Heimatmuseum Schloss Adelsheim eine große Konkurrenz in unmittelbarer Nachbarschaft hat, »also das Salzbergwerk und das Haus der Berge«. Zudem würden Urlauber auch in Berchtesgaden immer kürzer bleiben und sich dann weniger Zeit für ein Museum nehmen. Aber, so der Landrat, »das Heimatmuseum ist uns lieb und teuer«. Das Stichwort »teuer« rief die Museumsleiterin auf den Plan, sie fragte, ob man nicht doch die Eintrittspreise erhöhen könne. Derzeit kostet ein Eintritt für Erwachsene 2,50 Euro. »Deswegen kommen auch nicht mehr Besucher«, lachte Grabner, der den Hintergedanken der Museumsleiterin nicht entdeckt hatte. »Ja, eh nicht«, antwortete diese, »aber ich hätte halt ein bisschen mehr Einnahmen.« Michael Hudelist