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Brandstiftung aus Eifersucht und Wut

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Bischofswiesen – Aus Eifersucht auf seine Lebensgefährtin und Wut über seine gesamte Lebenssituation legte ein psychisch kranker 35-jähriger Mann am Abend des ersten Weihnachtstags 2014 Feuer an mehreren Stellen in einem Mehrfamilienhaus in Bischofswiesen. Gestern sprach die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Richter Erich Fuchs den aus Salzburg stammenden Angeklagten einer schweren Brandstiftung schuldig, verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und ordnete seine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an. Der Angeklagte selbst hatte damals eine Rauchgasvergiftung erlitten. Der Sachschaden hatte 80 000 Euro betragen.


Drei Feuerwehren aus Bischofswiesen, Schönau und Berchtesgaden waren am 25. Dezember 2014 gegen 18.15 Uhr im Einsatz. Atemschutztrupps durchsuchten das Gebäude nach Personen und holten den 35-Jährigen mit der Drehleiter von einem Balkon des Hauses. Er kam mit Rauchgasvergiftung in eine Klinik. Gegen 19.45 Uhr waren die Löscharbeiten beendet. Das stark verrauchte und verrußte Gebäude musste längere Zeit belüftet werden.

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Laut Anklage von Staatsanwältin Monika Veiglhuber hatte der Angeklagte zunächst ein Kleidungsstück seiner Lebensgefährtin im Schlafzimmer der gemeinsamen Wohnung in dem Sechsfamilienhaus verbrannt. Mit einem alten Kalender schürte er den Brand. Im Kellerabteil des Paares zündete er Kartons mit persönlichen Gegenständen seiner Freundin an. Der Brand geriet außer Kontrolle, griff auf die Trennwand der Kellerverschläge über. Als der 35-Jährige sah, dass er ihn nicht mehr löschen konnte, griff er zum Telefon und verständigte die Feuerwehr.

Eine langjährige kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischem Anspruch, leichter Kränkbarkeit und Selbstunsicherheit sowie intellektuelle Einschränkungen attestierte der psychiatrische Sachverständige, Oberarzt Rainer Gerth vom Bezirksklinikum in Gabersee, dem Angeklagten. Zudem sei er frustriert gewesen wegen seiner Beziehung und seiner Probleme, einen Arbeitsplatz zu finden. Hinzugekommen seien Schulden. »Er war innerlich sehr angespannt. Eine aufgestaute Wut tauchte auf«, umriss der Sachverständige die Situation des Angeklagten unmittelbar vor der Tat.

Das ganze Gebäude hätte abbrennen können, betonte die Staatsanwältin. Wesentliche Teile des Hauses seien zerstört worden. Zu Lasten des 35-Jährigen gingen Vorstrafen wegen einer ähnlichen Tat und eine offene Bewährung in Österreich. Angemessen sei wegen vollendeter schwerer Brandstiftung eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und Unterbringung in der Psychiatrie. Für eine Aussetzung der Unterbringung zur Bewährung sei es noch zu früh. Verteidigerin Anita Schwarz aus Freilassing argumentierte, der 35-Jährige sei bereit, sich behandeln zu lassen. Neben der Unterbringung sei eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten ausreichend. Im »letzten Wort« beteuerte der Angeklagte, nach seiner Entlassung wolle er den angerichteten Schaden wieder ausgleichen – auch, wenn er noch nicht wisse, wie.

Im Urteil führte Richter Fuchs aus, der Angeklagte habe sich von der Freundin zurückgesetzt gefühlt, weil sie ihn an Weihnachten nicht besucht habe. Der Tatbestand der schweren Brandstiftung sei verwirklicht. Der 35-Jährige habe mit bedingtem Vorsatz gehandelt. Seine Einsichtsfähigkeit sei erhalten geblieben, jedoch seine Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert gewesen. Einen minderschweren Fall verneinte das Gericht – wegen des hohen Schadens, den der Angeklagte nicht mehr gutmachen könne. Geständnis und Reue, ebenso die Einsicht, behandelt werden zu müssen, seien »bemerkenswert« und sprächen für ihn. Unbehandelt bestehe eine hohe Wiederholungsgefahr, insbesondere in Konfliktsituationen. Dazu Fuchs: »Immer, wenn es zu Konflikten kommt, neigt er zu Aggressionen, verbal wie körperlich.« Der 35-Jährige sei für die Allgemeinheit gefährlich. Noch könne die Unterbringung nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Darüber werde zur rechten Zeit eine Strafvollstreckungskammer entscheiden, schloss der Vorsitzende Richter. Monika Kretzmer-Diepold