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Brückenschlag von der Krippe zum Neujahrssekt

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Sabine Schmid und Eva Kastner (letztere hier an der südamerikanischen Harfe) bei ihrem Konzert zum Jahreswechsel in Berchtesgaden. (Foto: Mergenthal)

Berchtesgaden – Einen musikalischen Brückenschlag zwischen Weihnachten und Jahreswechsel wagten Eva Kastner an der Harfe und Sabine Schmid am Hackbrett bei einem Konzert im gut besetzten Kleinen Saal des AlpenCongress Berchtesgaden. In einem fröhlichen Mix der Stile zog das homogene Frauen-Duo aus Bad Reichenhall das Publikum mal besinnlich und mal temperamentvoll mit wohltuend weichen und unaufdringlichen Klängen in Bann.


Mit augenzwinkernd eingestreuten Informationen zu den Stücken und ihrem musikalischen Werdegang führte die Harfenistin durch den Abend. Der erste Teil war dem Jubel über die Geburt Christi, wie er in diversen Epochen, Stilen und Ländern zum Ausdruck kommt, gewidmet.

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Dem feinen Schwingen des Weihnachtsboarischen von Karl Edelmann schlossen sich zwei von Kastner ansprechend arrangierte Weihnachtslieder an. Bei »Stille Nacht« erklang das Thema zunächst in klaren, auf dem Hackbrett gezupften Akkorden, zu denen die Harfe eine filigran umspielende Begleitung wob. Dann tauschten die Musikerinnen die Rollen. Reizvoll war auch die dritte Variation, in der das Hackbrett die Melodie mit den Schlägeln spielte und die Harfe diese mit auf- und abschwellenden Läufen über den gesamten Tonumfang des Instruments begleitete. Mit einem Hackbrett-Pizzikato endete das Lied so leise, wie es begonnen hatte. Auf die Ursprünge des Lieds »O du fröhliche«, dessen Melodie von einem sizilianischen Schifferlied stammt, spielten die temperamentvollen »Trommelwirbel« auf den einzelnen Tönen am Hackbrett an.

Interessant rhythmisiert durch Sabine Schmid war auch das festliche »Tochter Zion« von Georg Friedrich Händel. An die kleinere, südamerikanische Harfe wechselte Kastner für den schwungvollen Spiritual »Go, tell it on the mountains« und das spanische Weihnachtslied »Feliz navidad«. Das Hackbrett erzeugte durch Anschlagen am hölzernen Steg jeweils Percussion-Effekte.

In einem »Rondo« des französischen Komponisten Nicolas-Charles Bochsa zeigte Eva Kastner ihre Brillanz als Solistin an der Konzertharfe. Dazwischen erklärten die Musikerinnen ihre Instrumente. So erfuhr das Publikum, dass Kastners Konzertharfe 45 Kilo wiegt. Die Zwischentöne entstehen durch sieben Fußpedale mit je drei möglichen Stellungen. Die Zuhörer erfuhren auch, dass man für ein Instrument dieser Qualitätsklasse über 30 000 Euro aufbringen muss. Sabine Schmid hat ein sogenanntes »Salzburger Hackbrett«, einen chromatischen Hackbrett-Typ, den Tobi Reiser mit einem Salzburger Hackbrettbauer entwickelt hat. Für ihre 44 Töne muss sie 122 Saiten stimmen. »Nachgerüstet« ist ihr Instrument durch eine Dämpfleiste, um störendes Nachklingen von bestimmten Tönen zu vermeiden und auch spezielle Effekte zu erzeugen, etwa beim Tango »El choclo« von Angel Vilolldo.

Gedanken des Salzburgers Walter Müller über die nicht in Läden erhältlichen »wahren Geschenke«, zu denen ein Lächeln und die Freundschaft zählen, und die humorvolle »Geschichte vom Lametta« rundeten den ersten Teil ab. Der zweite Teil war von der teils melancholischen, teils übermütigen Stimmung am Jahreswechsel geprägt. Mit dem »Kohlgrub-Boarischen« von Hansl Auer, dem sie frech das Blues- und Jazzgewand anzog, illustrierte Eva Kastner ihre Suche nach dem »Groove« auf der Harfe nach einer volksmusikalischen Kindheit in der »Thumseer Stubenmusik«. Sie fand diesen bei der US-amerikanischen Jazz-Harfenistin Deborah Henson-Conant, bei der sie auch mal eine Stunde nahm und von der sie virtuos und locker »Danger zone« interpretierte.

In Mozarts »Alla turca« stellte sich das Hackbrett kühn der großen technischen Herausforderung. Auch in der irischen Musik sind die Musikerinnen zu Hause, wie drei Weisen des irischen Barock-Harfenisten Turlough O'Carolan und das Stück »Devils dream« bewiesen. Besonders ansprechend gelangen ihnen der neckische Tango »La Cumparsita« und das ausdrucksstarke »Hallelujah« von Leonhard Cohen nach nachdenklichen Worten von Walter Müller über das alte Jahr. Mit einer Zugabe, dem Merengue rocho von Alfredo Rolando Ortiz, bedankten sie sich für den Applaus.

2018 sind sie in Berchtesgaden im Frühjahr mit ihrem Programm »Vielsaitiges« wieder im AlpenCongress zu hören. In der Christuskirche spielen sie im Herbst »Klänge für die Seele« und später ein Adventskonzert. Veronika Mergenthal