weather-image
22°

Bürgerinitiative übergibt 1 200 Unterschriften

4.4
4.4
Bildtext einblenden
Fordern Aufklärung, wie es mit der Kindertagesstätte in Winkl weitergeht: Eltern und Unterstützer der Bürgerinitiative. Fotos: Anzeiger/Pfeiffer
Bildtext einblenden
Die jüngsten Verwaltungsmitarbeiter werden vorausgeschickt. »Kein Kommentar« heißt es weiterhin.
Bildtext einblenden
1 198 Unterschriften hat die Bürgerinitiative für die Kindertagesstätte Winkl gesammelt. Mit auf dem Bild: Eltern Alexandra Picker-Rußwurm (l.) und Wolfgang Pusch.

Bischofswiesen – In einer beispiellosen Aktion hat die Bürgerinitiative, die sich rund um die Kindertagesstätte in Winkl gegründet hat, innerhalb von drei Tagen 1 198 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt. Am Freitagvormittag wurden diese der Gemeindeverwaltung übergeben. Vorgeschickt wurde zunächst ein Auszubildender. Von Bürgermeister oder Geschäftsleiter keine Spur.


Vor dem Bischofswieser Rathaus wartet eine Traube von Menschen. Versammelt haben sie sich, weil sie in den letzten Tagen Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt haben und diese nun an die Gemeinde übergeben wollen.

Anzeige

»Wir haben erst am Dienstag begonnen zu sammeln«, sagt Wolfgang Pusch, einer der Initiatoren der Elterninitiative. In drei Tagen haben fast 1 200 Bischofswieser Bürger unterschrieben. »Das ist ein sensationeller Erfolg«, freut sich Pusch gemeinsam mit Alexandra Picker-Rußwurm, Mutter und Mitinitiatorin. Auch Schulleiter Hans Metzenleitner ist gekommen. Er war es, der das Thema in der jüngsten Gemeinderatssitzung überhaupt bekannt gemacht hatte. Er ist vom Unterschriftenergebnis überwältigt. »Das hätte ich nie gedacht«, sagt Metzenleitner.

Dutzende Seiten mit Unterschriften hat die Initiative gesammelt. »Jetzt müssen wir diese nur noch abgeben«, sagt Rita Poser vom Bund Naturschutz. Mit dem Packen Papier geht es also in das Bischofswieser Gemeindehaus. »Natürlich würden wir die Unterschriften am liebsten dem Bürgermeister in die Hand drücken«, sagt einer. »Da kannst Du lange drauf warten«, meint eine Mutter. Der Bürgermeister kommt nicht, auch kein Stellvertreter. Der Geschäftsleiter sei außer Haus, heißt es. Unruhe bei den Anwesenden. »Jetzt lassen sich alle nach der Reihe verleugnen.«

Gefordert wird, dass doch »wenigstens der Kämmerer rauskommen soll«. Die Verwaltung entscheidet sich dann aber für eine andere Variante: Ein Auszubildender wird vor die Tür geschickt, um die Unterschriften entgegenzunehmen. Unverständnis auf Seiten der Eltern. »Ein Auszubildender?«, fragt einer, etwas ungläubig. »Der arme Kerl wird vorgeschickt, weil sie sich selbst nicht trauen.«

Als »kabarettreif« bezeichnet Schulleiter Hans Metzenleitner die Situation. Ein »Armutszeugnis der Gemeinde«, sei das, sagt ein Elternteil. »Beschämend, wie Bischofswiesen mit seinen Mitarbeitern umgeht«, meint ein anderer. Kurz darauf kommt Julia Hinterbrandner nach draußen. Sie hat kürzlich ihre Ausbildung in der Gemeinde gemacht, nun wird sie vorgeschickt, um Hunderte Unterschriften entgegenzunehmen und den Empfang per Unterschrift zu bestätigen. »Das Verhalten der Gemeinde muss man wirklich nicht mehr kommentieren«, sagt Wolfgang Pusch. Die Eltern sind sauer, »das gibt es doch alles nicht.«

Den Eltern geht es darum, aufgeklärt zu werden. »Niemand weiß, was die Gemeinde genau vorhat«, sagt Pusch. Selbst die Mitarbeiter der Kindertagesstätte wurden nicht informiert, dass die Gemeinde Krippe, Kindergarten und Hort, bislang kommunale Einrichtungen, an einen kirchlichen Träger, das Diakoniewerk Hohenbrunn (Insula), abgeben will.

»Es geht uns auch um die Art und Weise, wie hier mit Einzelnen umgegangen wird«, sagt Pusch. Nach Informationen des »Berchtesgadener Anzeigers« will die Gemeinde erst die Öffentlichkeit informieren, wenn alle Verträge unter Dach und Fach sind. Für den 28. April ist eine Betriebsversammlung für die Mitarbeiter der Kindertagesstätte Winkl geplant. Dort sollen sie informiert werden, wie es weitergeht, was geplant ist. Ein paar Tage später verabschiedet sich Bischofswiesens Bürgermeister Toni Altkofer aus seinem Amt. Kilian Pfeiffer