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Bürgermeister Kurz und Investoren präsentieren abgespeckte Variante Auch Hotel Königssee-Betriebe wollen erweitern

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Dieses Modell vom Hotel-Projekt am Königssee gab es am Rande der Bürgerversammlung zu besichtigen. Der dunkle Querbau stellt die Hotelerweiterung der Hotel Königssee-Betriebe dar. Das quadratische Bauwerk in der Mitte ganz oben ist das neue Vier-Sterne-Hotel, rechts davon die drei sechsstöckigen Appartementgebäude. Der Blick geht hier vom Königssee in Richtung Norden. Anzeiger-Foto
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So sieht die aktuelle Planung des Hotel-Projekts am Königssee aus. Die dunklen Gebäude stellen die zu errichtenden Bauten dar: das Vier-Sterne-Hotel, die drei Appartementtürme und der Querbau bei den Hotel-Königssee-Betrieben. Grafik: Gemeinde Schönau am Königssee

Schönau am Königssee - Statt zwei Hotels will die N & F Königssee AG mit Sitz in St. Gallen/Schweiz am Königssee jetzt nur noch ein Hotel errichten. Weil dem Gemeinderat und der Bevölkerung bereits zwei vorgestellte Varianten für das Tourismusprojekt zwischen Altem Bahnhof und ehemaligem Asylbewerberheim nicht gefallen haben, präsentierten Bürgermeister Stefan Kurz und die Investoren am Donnerstag auf der Bürgerversammlung im Gasthof »Unterstein« eine deutlich abgespeckte Variante. Und Josef Größwang, Chef der Hotel Königssee-Betriebe, stellte erstmals der Öffentlichkeit seine eigenen Erweiterungspläne vor. Mit rund 250 Zuhörern war der Saal brechend voll.


Keinen Zweifel ließ Bürgermeister Stefan Kurz daran, dass er die Schaffung neuer Qualitätshotels in Schönau am Königssee für notwendig hält. Denn in den letzten 16 Jahren gingen nach seinen Worten im Verbandsgebiet 5 000 Betten verloren, was bei einer durchschnittlichen Jahresbelegung von 120 Tagen ein Übernachtungsminus von 600 000 darstelle. Dem müsse man entgegenwirken.

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Da kamen der Gemeinde die Investitionspläne der N & F Königssee AG mit Sitz in St. Gallen gerade recht. Zur Realisierung eines Hotelprojekts war im März 2010 im Gemeinderat der Grundsatzbeschluss für eine Bebauungsplanänderung schnell gefasst. Dann aber hakte es erst einmal. Zunächst erfolgte im Juni 2010 der Eintrag des Alten Bahnhofs in die Denkmalliste (Kurz: »Obwohl wir uns dagegen gewehrt haben«), dann gefielen dem Gemeinderat und der Städteplanerin Claudia Schreiber die vorgelegten Planungsentwürfe nicht. Der erste Entwurf mit zwei großen Hotels, einer Appartementanlage mit sechs Gebäuden und zwei Ladengeschäften entlang der Seestraße war zu wuchtig. Die gesamte Wiesenfläche rund um den Alten Bahnhof wäre verbaut worden. Diese Variante wurde genauso verworfen wie im Frühjahr letzten Jahres die nächste Planung. Die sah statt dem Hotel neben dem Alten Bahnhof einen Einkaufsmarkt und nur noch eine Ladenzeile entlang der Seestraße vor. »Das gefiel dem Gemeinderat auch nicht, zumal es an dieser Stelle keinen Bedarf für einen Einkaufsmarkt gibt«, sagte Bürgermeister Kurz.

Schließlich nahmen die Investoren mithilfe des neu beauftragten Münchner Planungsbüros Muck Petzet und der Städteplanerin Claudia Schreiber eine neue Planung in Angriff. Die sieht »nur« noch ein 300-Betten-Hotel im Vier-Sterne-Bereich vor, das etwa im Bereich zwischen jetzigem »Casino« und »Livehouse« stehen würde. Die Höhe variiert und liegt maximal bei vier Geschossen. Dahinter im Bereich des jetzigen Asylbewerberheims sind drei jeweils sechs Stockwerke hohe Gebäude als Appartementanlage geplant. Entlang der Seestraße soll es ein neues Ladengeschäft geben, außerdem würde die Gastronomie des alten Bahnhofsgebäudes etwas erweitert. »Mit dieser Planung wäre der Alte Bahnhof frei, er wäre von einer Art Parkanlage umgeben«, sagte Bürgermeister Kurz.

Auch Florian Jennewein, Geschäftsführer der Firma Nüesch Development AG in St. Gallen, die zusammen mit der Firma W.I.V. die N & F Königssee AG gegründet haben, bekam auf der Bürgerversammlung die Gelegenheit, das Projekt vorzustellen. Für ihn sei wichtig, sagte er, dass man das Projekt »in sinnvoller Frist umsetzen könne«. Eine große Herausforderung sei es außerdem, einen geeigneten Betreiber zu finden. Die Verhandlungen liefen bereits, mit einem sogar in fortgeschrittenem Stadium. Und Muck Petzet hielt die Kritik, die in den vergangenen Monaten aus dem Gemeinderat gekommen war, sogar für gut. Schließlich handle es sich dort um einen sensiblen Bereich. Petzet: »Wir werden alles daran setzen, dass sich die Architektur so gut wie möglich integriert«.

Erstmals stellte auch Hotelier Josef Größwang der Öffentlichkeit seine Pläne vor. »Wir müssen auf dem Gelände unbedingt etwas tun, denn es ist für einen Tourismusort nicht mehr anschaulich«, sagte Josef Größwang, der den Investoren den nördlichen Grundstücksteil der Hotel Königssee-Betriebe mit mehreren desolaten und deshalb abzureißenden Häusern verkaufen will. Aus dem Erlös plant Größwang die Erweiterung des Stammhauses. Dafür müssen drei angrenzende Gebäude abgerissen werden. An das zu sanierende Stammhaus wird nördlich ein Querbau mit Lobby und mindestens 60 Gästezimmern angebaut. Dass der Querbau nicht allen gefällt, zeigte sich im Verlauf der Diskussion. Allerdings war laut Bürgermeister ein Längsbau nicht möglich, weil ein Immobilienbesitzer in unmittelbarer Nachbarschaft nicht gesprächsbereit war. Der Gemeinderat gab jedenfalls am 11. Dezember grünes Licht für diese neue Planungsvariante. Nun soll mit der Regierung von Oberbayern geklärt werden, ob ein Raumordnungsverfahren notwendig ist.

Nachdem sich Bürgermeister Stefan Kurz bereits von Schifffahrtsdirektor Walter Stürzl einige kritische Fragen zum Projekt hatte gefallen lassen müssen, wurde Betriebsleiter Michael Brandner von der Seenschifffahrt noch deutlicher: »Mich wundert’s, dass es hier nicht mehr Gegenwind gibt, schließlich wird hier das Eingangsportal zum Königssee verbaut. Diese Blöcke mischen den dörflichen Charakter voll auf. Der Gast wird sich wundern«. Das sah Landrat Georg Grabner ganz anders. Er warb bei den Bürgerinnen und Bürgern für eine Unterstützung des Projekts: »Jeder Investor ist ein Glücksfall, deshalb können wir froh sein, dass sich auch am Königssee was tut«. UK