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Bunter Bumms am Neujahrshimmel

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Franz Müller und Helmut Angerer sind für das Farbenspiel über dem Königssee verantwortlich. Jedes Jahr lockt das Neujahrsfeuerwerk Tausende nach Schönau am Königssee. ( Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Nur wenige Male im Jahr hat Franz Müller die Gelegenheit, Tausende auf einmal zu begeistern. Er zaubert den Zuschauen dann ein Lächeln ins Gesicht, während er hochexplosive Bomben in den nächtlichen Himmel schickt und zur Explosion bringt. An Silvester läutet er gemeinsam mit seinem Kollegen Helmut Angerer das neue Jahr im Berchtesgadener Kurpark ein. Einen Tag später bringt er den Königssee zum Erstrahlen.


Einmal anzünden und schon zischen die raketengleichen Explosivkörper in den nächtlichen Himmel. »Ganz so einfach ist es nicht«, sagt Franz Müller. Er betreibt den gleichnamigen technischen Großhandel in Palling. Sein Geld verdient er mit vielen verschiedenen Dingen. Dazu gehören auch Großfeuerwerke, seit Jahren etwa beim Hotel »Edelweiß« in Berchtesgaden und an Neujahr bei der Seelände am Königssee. Auch die Berchtesgadener Weihnachtsschützen beliefert er mit Pulver für die Böller.

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Müller ist Maschinenbauingenieur, er war bei der Bundeswehr, ist nach eigener Aussage »mit Munition aufgewachsen«. Da lag es nahe, dass er auch beruflich mit explosiven Stoffen handelt. Und Großfeuerwerke zündet. Solche, die man im Handel natürlich nicht kaufen kann: »Es gibt verschiedene Kategorien«, sagt er. Kategorie eins und zwei seien das klassische Publikumsfeuerwerk, das jeder ab 18 Jahren zwischen 29. bis 31. Dezember im Handel erwerben könne. »Wir verwenden Produkte der Kategorie vier – Großfeuerwerke. Darunter fallen »großkalibrige Bomben«, wie sie in der Fachsprache heißen.

Seit mehreren Jahren arbeitet er gemeinsam mit dem Berchtesgadener Sprengingenieur Helmut Angerer zusammen. Die beiden sind verantwortlich für das größte Feuerwerk im Markt, das jedes Jahr ab 0.20 Uhr im Kurpark abgebrannt wird. »Wir warten, bis die Weihnachtsschützen ihre letzten Salven abgefeuert haben, dann legen wir los«, sagt Müller. Mindestens 50 Meter Sicherheitsabstand zum Publikum benötigen Müller und Angerer. Auch dieses Jahr wird das Spektakel mit Musik hinterlegt. Das bedeutet, dass die Bomben passend zur Musik explodieren.

Dieses Jahr haben sie sich für die »Wilhelm Tell Ouvertüre« von Rossini entschieden. Knappe fünf Minuten soll das Feuerwerk dauern und durchaus eindrucksvolle Momente liefern. »Zwei Tage Vorbereitung«, sagt Franz Müller, seien notwendig. Auch wenn das Großfeuerwerk keiner Erlaubnis bedarf, muss es 14 Tage vor dem Abbrennen bei der Regierung von Oberbayern angezeigt werden. Die Gemeinde müsse zudem ihr »Okay« geben. Weil im Markt alles nah beieinander liegt, muss Müller die Bomben-Steighöhe reduzieren. In unter 60 Metern müssen sie explodieren.

Einen Tag später, wenn Müller und Angerer das Neujahrsfeuerwerk am Königssee abbrennen, ist der Sicherheitsabstand zum Publikum viel größer: rund 200 Meter. Die meisten Sprengkörper werden von schwimmenden Einheiten vor der Insel Christlieger abgefeuert. Da könne man die Bomben durchaus 180 Meter in die Höhe schießen, ehe es kracht. 5-Zoll-Bomben kommen am Königssee zum Einsatz. Das sind Sprengkörper mit einem Durchmesser von rund zwölf Zentimetern. Effekte mit einem Durchmesser von rund 100 Metern zaubert Müller dann auf den nächtlichen Himmel. Und Tausende schauen ihm dabei zu, jubeln, klatschen, liegen sich in den Armen.

Natürlich ist so ein effektgeladener Abend nicht ganz billig, aber über Preise spricht Müller grundsätzlich nicht. »Das bleibt das Geheimnis des Auftraggebers«, sagt er. Kilian Pfeiffer