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Chauffeur ohne Führerschein

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Laufen/Ramsau - »Mit 1,93 Promille könnte ich nicht mehr stehen«, betonte Staatsanwältin Andrea Fuchshuber mit Blick auf den Angeklagten. »Ja, er doch a nimma«, erwiderte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer. Dennoch war der 40-jährige Ramsauer am frühen Morgen des 18. Juli in seinen Wagen gestiegen. Nach zwei Unfällen war die Fahrt nahe Schneizlreuth dann beendet. Knapp 4 000 Euro hat der Berufschaffeur an Strafe zu zahlen, 14 Monate muss er auf seinen Führerschein verzichten.


Die Holzleitplanke an der Bundesstraße 305 sei ein »morsches Glump« gewesen, betonte Verteidiger Schwarzer, der Schaden beliefe sich gerade mal auf 30 oder 40 Euro. Tatsächlich hatte das Staatliche Bauamt bestätigt, dass ein Austausch ohnehin geplant gewesen sei. Dennoch taxierte man den Wert auf 400 Euro. »Da brauch' ma nicht diskutieren, das zahlt die Versicherung«, so der Rechtsanwalt.

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Diskutieren aber wolle er über die Rechtsfolgen für seinen Mandanten. Der nämlich sei ein anständiger Kerl, kein Säufer, denn ein Säufer fahre mit 1,93 Promille noch ganz passabel. »Er braucht seinen Führerschein«, betonte Schwarzer, »sein Chef hat keine Freude mit einem Chauffeur ohne Schein.«

Der habe ihm bereits den Lohn gekürzt, weil er nicht mehr fahren könne, ergänzte der Angeklagte. Und für den kaputten Dienstwagen habe er 7 000 Euro berappen müssen. »Bei einem Spezl hab' ich zu viel getrunken«, räumte der Ramsauer sichtlich zerknirscht ein, »ich hab's einfach übersehen und wollte nur noch heim.«

Weit kam er nicht. In einer Linkskurve touchierte er am rechten Fahrbahnrand die Leitplanke, setzte seine Fahrt dennoch fort, bis er abermals von der Straße abkam und dort leicht verletzt stehen blieb. »Ab dem ersten Unfall weiß er gar nichts mehr«, erklärte Schwarzer, der sich wünschte, die 120 Tagessätze des Strafbefehls mögen auf 90 reduziert werden, gilt man doch bis zu dieser Höhe als nicht vorbestraft.

Staatsanwältin Fuchshuber wollte es bei 120 belassen und plädierte für eine Führerscheinsperre von 14 Monaten. Da habe sie schon richtig gerechnet, attestierte ihr der Verteidiger, ziehe man die inzwischen vergangenen fünf Monate von den ursprünglich verhängten 19 ab, so komme man tatsächlich auf 14 Monate.

»Ich plädiere dennoch auf zwölf Monate; und nach einem halben Jahr kann er dann einen Antrag auf Sperrzeitverkürzung stellen«, so Schwarzer, der dem Gericht einen Abstinenztest vorlegte, der einen mindestens dreimonatigen Alkoholverzicht des 40-Jährigen bestätigte.

Wegen Trunkenheit im Verkehr und unerlaubten Entfernens vom Unfallort verurteilte ihn Richter Dr. Christian Liegl zu 110 Tagessätzen von je 35 Euro, in Summe 3 850 Euro. Mit den 14 Monaten Führerscheinsperre schloss sich der Strafrichter des Amtsgerichts der Staatsanwältin an. »Sie können zu gegebener Zeit einen Sperrzeitverkürzungsantrag stellen«, empfahl ihm Liegl, »aus Sicht des Gerichts ist das bestimmt erfolgsversprechend.« Für das Landratsamt könne er freilich nicht sprechen.

Die eigentliche Hürde für den Chauffeur aber werde die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) sein, belehrte in der Richter, die nämlich werde ab 1,6 Promille automatisch fällig. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig. höf