weather-image
23°

»Chromjuwelen« auf zwei, vier und mehr Rädern

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Auf die Motorräder freuen sich die Besucher am Roßfeld stets ganz besonders. (Foto: Bittner)

Berchtesgaden – Das Roßfeld-Bergrennen feiert 60. Geburtstag. Bis 1973 und noch einmal 1977 fanden die Autorennen auf die am höchsten Punkt 1 570 Meter hoch gelegene Panoramastraße statt, seit 2013 organisiert Joachim Althammer aus Ainring logistisch aufwändige Revival-Bewerbe.


In diesem Jahr arbeitet der 58-Jährige intensiv an einem besonders spektakulären Teilnehmerfeld. Zahlreiche Höhepunkte des »Internationalen Edelweiß-Bergpreises Roßfeld-Berchtesgaden« von 28. bis 30. September stehen bereits fest: Neben den beiden Themenschwerpunkten »Die goldene Ära der DTM« sowie der Erinnerung an Lodovico Scarfiotti, dessen Todestag sich heuer zum 50. Mal jährt, dürfen sich die Oldtimer-Freunde auf eine Vielzahl von »Chromjuwelen« auf zwei, vier und mehr Rädern freuen. Neben 150 Autos rollen rund 20 Motorräder aus der Vorkriegszeit an, um den Bergpreis zu bereichern. 25 historische Busse aus ganz Europa befördern die Besucher wie immer zu den besten Plätzen.

Anzeige

Anlässlich des 50-jährigen Todestages von Ludovico Scarfiotti gibt es eine Präsentation originaler Autos des am 8. Juni 1968 in Berchtesgaden im Alter von 34 Jahren verunglückten Rennfahrers. Dazu reist erstmals seit dem Unfall die Familie sowie der Scarfiotti-Fan-Club zum Roßfeld an. Am Jahrestag des Unglücks gab es am Gedenkstein an der Strecke bereits eine Andacht.

Rallye-Legende wieder mit dabei

Als Bergpreis-Ehrengast erteilt Rallye-Legende Walter Röhrl einmal mehr als Botschafter der außergewöhnlichen Veranstaltung im Landkreis seine Ehre. Der Weltmeister von 1980 und 1982 wird am letzten September-Wochenende in einem extra für ihn gebauten 911er-Porsche Platz nehmen. Hingucker – sowohl bei der Fahrerparade in der Berchtesgadener Fußgängerzone als auch bei der Fahrt Richtung Gipfel – sind heuer die spektakulären DTM-Boliden. Nicht weniger als 15 Rennfahrzeuge aus der unvergessenen Anfangszeit der legendären Serie zwischen 1984 und 1996 können hautnah bestaunt werden. Neben den Marken Audi, Ford, Mercedes sowie den BMW-Lokalmatadoren aus dem Freilassinger Schnitzer-Team – erstmals verstärkt dabei – spielen Piloten von damals, wichtige Zeitzeugen sowie die Kommentatoren-Legende Rainer Braun als »Stimme der DTM« eine wichtige Rolle.

Schnitzer Motorsport bringt voraussichtlich zwei Original-DTM-BMWs an den Start, gesteuert von ehemaligen Piloten, die namentlich noch nicht feststehen. Das lokale Team aus der Grenzstadt verbindet eine lange und extrem erfolgreiche Geschichte mit dem Roßfeldrennen: Nicht nur Firmengründer Josef Schnitzer selbst war damals am Berg mit dabei. Lokalmatador Wolfgang May aus Bad Reichenhall holte sich 1971 und 1973 auf einem BMW 2002 jeweils den Klassensieg. Als erstes Rennfahrzeug mit Vierventil-Zylinderkopf war der Wagen aus technischer Sicht ein Meilenstein für die Familie Schnitzer. Zudem ist der ohrenbetäubende 2800 CS von Franz Ostermaier mit dabei – jenes Auto, mit dem Ernst Furtmayr 1970 seine Klasse dominierte.

Gemäß dem Motto »Qualität statt Quantität« lotsen Joachim Althammer und sein Team für die kommende Auflage des Edelweiß-Bergpreises weitere zahlreiche automobile Glanzstücke nach Berchtesgaden: Beispielsweise einen originalen Lola T70 MK IIIb von 1969. Der brachiale Can AM-Bolide feiert damit sein Comeback am Roßfeld. Ein hochkarätiger Teilnehmer aus der Vorkriegsära ist der wunderschöne Alfa Romeo 6C, Baujahr 1929.

Pikes Peak-Sieger am Roßfeld?

Zu einem speziellen Höhepunkt könnte der Besuch des aktuellen Pikes Peak-Siegerautos avancieren: Die 96. Ausgabe des legendären Rennens in den USA in diesem Jahr stand im Zeichen von Volkswagen. Zunächst sprachen die Wolfsburger lediglich davon, den Rekord für Elektrofahrzeuge knacken zu wollen, schließlich pulverisierte Romain Dumas, der erfahrene Pilot aus Frankreich, den bisherigen Rekord von Sébastien Loeb und Peugeot. Erstmals raste ein Rennwagen – ein leichter Karbon-Elektrorenner I.D. R Pikes Peak – in unter acht Minuten von 2 800 auf 4 301 Meter: Nicht nur ein Rekord für E-Autos, sondern insgesamt. »VW wird noch engagierter bei unserer Veranstaltung auftreten und womöglich seinen zweimotorigen Golf von 1987 präsentieren – über 650 PS stark«, freut sich Achim Althammer, der diesmal selbst motorisiert im Fahrerlager und an der Strecke unterwegs sein wird, um mehrere Positionen einnehmen zu können: Der Ainringer nimmt auf einem dunkelroten 1966er Lambretta-Roller mit Beiwagen Platz, den er kürzlich ersteigern und herrichten ließ. »Der Genuss wird also auch für mich noch mal ein Stück weit erhöht«, so der Motorsport-Fan durch und durch.

Einen besonderen Programmpunkt bilden stets die Motorrad-Fahrten. So viele Bikes wie bei den historischen Salzbergrennen von 1925 bis 1928 werden beim Edelweiß-Bergpreis 2018 zwar nicht am Start sein, allerdings kann sich das Zweirad-Starterfeld sehen lassen. Zahlreiche Teilnehmer, überwiegend auf originalen Rennmaschinen, haben bereits zugesagt. Darunter Piloten mit einer Royal-Enfield TT-Racer aus dem Jahr 1934/35 sowie einer BMW WR 750 Kompressor, die erstmals im September 1929 mit 216,75 km/h auf der fliegenden Meile gemessen wurde.

Für den Roßfeld-Bergpreis gibt es heuer erstmals ein Besucherlimit. Aus logistischen Gründen liegt die Obergrenze bei 12 000 Zuschauern für das gesamte Wochenende. Tickets gibt es unter www.ticketscharf.de. Hans-Joachim Bittner