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Collagen, Efeu und jede Menge bunte Farben

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Florian Grüßer aus Schönau am Königssee hat dem »Berchtesgadener Anzeiger« diesen Vorschlag geschickt.
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Hermann Hasenknopf aus Bischofswiesen kann sich eine Begrüßungswand mit klassischen Urlauberzielen vorstellen. (Fotos: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Hässlich sei sie, wenig einladend für Gäste und alles in allem müsse hier sowieso schnell etwas passieren: Die Betonwand unterhalb der Villa »Minerva« im Markt erregte in den letzten Monaten die Gemüter. Nachdem der »Berchtesgadener Anzeiger« aufgerufen hatte, Verschönerungsvorschläge zu schicken, trudelten etliche Ideen ein.


»Schandfleck am Ortseingang« nennt Elfriede Hartmann aus Bischofswiesen die Betonmauer. Bemalung, Transparente oder gar ein Willkommensschild? Kommen für Hartmann nicht infrage: »Für mich gibt's nur eines: Begrünen.« Mit wildem Wein etwa. »Mich wundert nur, dass bisher noch niemand damit angefangen hat. Mit ein paar Alibipflanzkübeln ist es nicht getan.«

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Elisabeth Brandner aus Schönau am Königssee wünscht sich Bewuchs mit einem Rankgewächs. Denn immerhin müssen Besucher des angrenzenden Luitpoldparks bereits mit einem »bedauerlichen grünen Aderlass« zurechtkommen. Dort wurden im Laufe der letzten Jahre viele Bäume gefällt. An der Betonwand stellt sich Brandner folgendes vor: »Wie wär's mit hoch wachsenden, dekorativen Weinreben, deren Laub sich im Herbst zudem auch noch wunderschön verfärben kann? Im Winter könnte man nach dem Blätterfall noch ein schönes Weihnachtslichternetz mit Werbung für unseren Berchtesgadener Advent anbringen.« Eine Bemalung? Nein, das würde sie zu sehr an Werbetafeln erinnern.

Bernhard Stanggassinger ließ sich auf dem Marienplatz in München inspirieren: Dort hat ein Straßen-Kunstmaler »beeindruckende« Collagen gefertigt. Angelehnt an diese sei auch die Betonmauer in Berchtesgaden zu verschönern.

Auch Liane Gruber aus Bischofswiesen hat Konkretes eingesandt: »Die Mauer in drei Abschnitte teilen, die beiden äußeren Teile mit einem Holzspalier, etwa fünf auf fünf Meter groß, versehen und Knötterich pflanzen. Diese Pflanze ist dekorativ, wächst sehr schnell und rankt sich gut hinauf. Vom Zaun oben kann man Schnüre oder Drähte zum Spalier ziehen, damit der Knötterich hinaufranken kann. Vorher die Seiten mit einem ansprechenden, ruhigen Grün streichen. Den Mittelteil mit einem ›Willkommen in Berchtesgaden‹ versehen, natürlich farblich dazu passend und gut zu erkennen.«

Ortsbild mit Watzmann

Gerhard Schuster ist begeistert, dass das Thema angegangen werden soll. Der »Schandfleck Klagemauer« müsse verschönert werden, sagt er. Die Stadt München warte mit zahlreichen Graffitikünstlern auf, die bereits dort herausragende Arbeiten abgeliefert hätten: »Ich denke dabei an ein Ortsbild mit Watzmann.«

Immergrüne Kletterpflanzen wünscht sich Luise Petry: »Es dauert zwar ein paar Jahre bis die Mauer grün ist, aber bis jetzt sind ja auch schon einige Jahre vergangen.«

Urlaubsgast Carina Göbel findet, dass die Wand nicht sehr einladend aussieht. Göbel stammt aus Stade, dort hat man etwa die grauen Stromkästen künstlerisch mit ortsbezogenen Motiven verziert. Auch so manche Mauer wurde aufgehübscht. »Vielleicht wäre das auch mal was für Berchtesgaden.« Beispiele, wie es aussehen könnte, hat Göbel zur Illustration ihrer Mail an den »Berchtesgadener Anzeiger« beigelegt.

Caroline Datzmann schlägt vor, eine Collage mit den Sehenswürdigkeiten von Berchtesgaden und Umgebung zu realisieren, »die ineinander verschmelzen«. Als Anschauungsexemplar hat sie eine Berlin-Collage ausgewählt, in der berühmte Berliner Orte in moderner Darstellungsweise künstlerisch gestaltet wurden.

Walter Ronge wird zwar wenig konkret, moniert: »Der Bau ist ein Graus, verschandelt ganz Berchtesgaden. Wer hat die Pläne geprüft und die Genehmigung ausgesprochen.« Diejenigen sollten nun nach einem Vorschlag zur Verschönerung suchen.

Armin Nowak aus Berchtesgaden schlägt vor, das Brauchtum auf der Betonmauer lebendig werden zu lassen. Anbieten würde sich etwa eine klassische Szene des Almabtriebs, die von einem Kunstmaler umgesetzt werden sollte.

Wilder Wein oder Efeu

Eine kurzfristige Lösung kommt von Eva Berger aus Bischofswiesen: »Erst mal gehören die Autos vor der Mauer weg. Sie assoziieren Verkehr, Lärm, schlechte Luft. Dann wäre Fläche da für einen kleinen Platz, auf dem eine Infotafel mit Unterstand und Blumenbeet erstellt werden kann, wie zum Beispiel an der Nordeinfahrt von Bad Reichenhall. Die Wand sollte mit geeignetem Gewächs begrünt werden. Passend zu Berchtesgaden wäre es auch, wenn auf den Beton Teilbereiche mit Salzsteinen aufgebracht würden zur Auflockerung des Grüns.« Alternativ sei eine Willkommenstafel zu gestalten, die die Blicke auf sich lenkt.

Hubert Zierl aus Berchtesgaden ist der Ansicht, dass die Fassade des Franziskanerklosters samt Efeu als Vorbild dient: Rankende Pflanzen wie wilder Wein würden ein optisch anspruchsvolles Ergebnis liefern.

Willi Wagner aus Bischofswiesen richtet seinen Aufhübschungsvorschlag an die Geschäftsleute des Marktes: »Ähnlich wie ehemals die gesponsorten Vereinstransporter, deren Außenfläche mit Sponsorenlogos bepflastert waren, würde ich die komplette Mauer mit adäquaten Geschäftsschildern bestücken. Als Überschrift könnte der Markt Berchtesgaden ein ›Herzliches Willkommen‹, der Nationalpark seinen Adler und die Kurdirektion ihr Watzmann-Logo platzieren.« Ein besserer Ort für heimische Werbung sei kaum zu finden.

Marianne Nestle hat ihre Inspiration vom Hahnenkammrennen in Kitzbühel mit nach Hause gebracht. Dort fand sie ein riesiges Plakat mit bedeutenden Skifahrern von einst. Ein vergleichbares Ergebnis kann sie sich mit Berchtesgadener Persönlichkeiten vorstellen, etwa dem »Kederbacher«, dem ersten Watzmann-Ostwand-Begeher aus der Ramsau – oder Sportlern von heute.

Uta Geiger aus Berchtesgaden schreibt: »In manchen Städten sind große Außenwandflächen von Häusern sehr eindrucksvoll und professionell mit verschiedenen Motiven bemalt, unter anderem mit lebensecht wirkender Efeubegrünung. Ich finde, in dieser Ecke fehlt schmerzlich etwas Grün, und eine Bewachsung würde zu lang dauern. Es könnten auch gemalte Bäume sein.«

Luftdurchlässige Werbeplanen

Der, der das Wort »Klagemauer« für die Betonwand einführte, war Franz Wurm aus Ramsau. Sein Vorschlag ist kurzfristig umsetzbar und scheint in seinen Augen die optimale Lösung zu sein: »Die Mauer mit einer luftdurchlässigen Werbeplane, einem sogenannten Mesh-Netz, zuzuhängen. Dabei könnte man sehr schöne Bergmotive aus der Region abbilden. Auch eine Werbung für touristische Einrichtungen könnte ich mir vorstellen.« Franz Wurm sei dazu bereit, für eine »schönere Lösung« beizutragen.

Alois Selz stellt sich eine Art Begrüßungsposter vor, um die »farblose« Wand freundlicher zu gestalten – entweder direkt an der Wand oder in einem entsprechend dimensionierten Schaukasten davor.

Rosi Stocker aus Ramsau ist der Ansicht, die Betonwand mit wildem Wein zu begrünen, deren Ranken auch für glatte Wände geeignet ist. »Die Blätter sind mittelgroß, ungeteilt bis dreilappig, glänzend grün. Die Herbstfärbung ist orange-gelb bis leuchtend rot, im Winter bleibt der wilde Wein unbelaubt.«

Renate Zechmeister ist ähnlicher Meinung. Die »Schandmauer« müsse mit russischem Wein begrünt werden. Und Inge Zadrasil aus Berchtesgaden kann sich eine Silhouette des Watzmanns – mit edlen Mosaiksteinen, eventuell aus Untersberger Marmor – vorstellen. Links und rechts könnte das Motiv mit rankendem Efeu eingefasst werden.

Weitere Vorschläge nimmt der »Berchtesgadener Anzeiger« per E-Mal unter redaktion@berchtesgadener-anzeiger.de oder per Post an »Berchtesgadener Anzeiger«, Griesstätterstraße 1, 83471 Berchtesgaden entgegen. Kilian Pfeiffer

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