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Künftig drei Grüne im Marktgemeinderat Berchtesgaden – 35 neue Mandatsträger in den Lokalparlamenten

CSU gewinnt in Bischofswiesen und verliert in Marktschellenberg

Berchtesgadener Land – Überraschend deutlich haben die Wählerinnen und Wähler des südlichen Berchtesgadener Landes am Sonntag ihren Willen kund getan, wer die nächsten sechs Jahre in den fünf Gemeinden die Richtung bestimmen soll. Als größte Überraschungen könnten die Entscheidungen in Bischofswiesen und in Marktschellenberg gewertet werden. In Bischofswiesen setzte sich Bürgermeisterkandidat Thomas Weber von der CSU trotz dreier Gegenkandidaten gleich im ersten Wahlgang deutlich durch und seine Partei gewann zwei Mandate hinzu. In Marktschellenberg dagegen verlor die CSU zwei Gemeinderatsmandate an die Freien Wähler, die mit Franz Halmich weiterhin den Bürgermeister stellen. Insgesamt ziehen inklusive der neuen Bürgermeister 35 neue Mandatsträger in die Lokalparlamente ein.

Noch im Wahllokal feierten die Freien Wähler, die Ländlichen Wähler und die Grünen mit dem wiedergewählten Bürgermeister Franz Halmich (M.) ihren Wahlerfolg in Marktschellenberg. Die FWG stellt künftig die stärkste Gruppierung im Gemeinderat. Foto: privat

Nur wenige Verschiebungen gibt es im Marktgemeinderat Berchtesgaden, zumal die Gemeinde weiterhin fest in CSU-Hand bleibt. Der amtierende CSU-Bürgermeister Franz Rasp verwies mit 65,71 Prozent seinen Herausforderer Michael Koller von den Freien Wählern, der lediglich 34,29 Prozent bekam, deutlich in die Schranken. Auch was die Zusammensetzung des Marktgemeinderats selbst betrifft, wollten die Wählerinnen und Wähler in Berchtesgaden nur wenige Veränderungen. So ist bei CSU, Freien Wählern und BBG die Zahl der Mandate gleich geblieben. Die SPD allerdings verlor einen Sitz an die Grünen, die nun erstmals in Berchtesgaden mit drei Repräsentanten der Ökopartei vertreten sind. Ebenfalls ein Novum, das nach dem Wahlrecht zulässig ist: Mit Dr. Bartl Wimmer und Sabine Wimmer sitzt in den nächsten sechs Jahren ein Ehepaar im Gremium. Insgesamt gib es im Marktgemeinderat Berchtesgaden gleich sieben neue Gesichter.

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Bei vier Bürgermeisterkandidaten in Bischofswiesen hätte man leicht von einer Stichwahl ausgehen können. Doch die Wählerinnen und Wähler zeigten einen klaren Willen, indem sie CSU-Kandidat Thomas Weber mit 61,75 Prozent sehr deutlich auf den Chefsessel im Bischofswieser Rathaus beförderten. Auch sonst dürfte die Freude bei der Bischofswieser CSU am Wahlsonntag groß gewesen sein. Immerhin gewann die Partei zwei Sitze hinzu und ist künftig mit neun Vertretern im Lokalparlament vertreten. Je einen Sitz hinzugewonnen haben Grüne und UBB, die künftig jeweils zwei Mandate stellen. All diese Zuwächse gehen zulasten von SPD und Freien Wählern, die in Bischofswiesen jeweils zwei Mandate verloren. Die FDP schaffte nicht den Einzug in den Bischofswieser Gemeinderat. Als stärkster Kandidat der Liberalen erhielt Armin Nowak 300 Wählerstimmen. Neun neue Lokalpolitiker inklusive Bürgermeister werden künftig im Bischofswieser Gremium vertreten sein.

Trotz des deutlichen Wahlerfolgs von CSU-Bürgermeisterkandidat Hannes Rasp in Schönau am Königssee, der mit 58,85 Prozent relativ deutlich vor seinem Herausforderer Richard Lenz von den Freien Wählern (41,15) lag, kann in der Gemeinde kaum von Konstanz gesprochen werden. Schließlich tritt in der Tourismusgemeinde mit Stefan Kurz ein Urgestein der heimischen Politik ab. 30 Jahre lang hatte Kurz als Bürgermeister das politische Geschehen in der Gemeinde maßgeblich mitbestimmt. Obwohl der Rathauschef mit seinem dominanten Führungsstil durchaus polarisierte, galt er bei den Wahlen stets als unschlagbar. Auch diesmal folgten die Wählerinnen und Wähler Stefan Kurz' Wunsch und bestimmten den bisherigen Geschäftsleiter im Rathaus, Hannes Rasp, zum neuen Bürgermeister.

Nicht ganz zufrieden wird Stefan Kurz womöglich mit dem Wahlausgang hinsichtlich des Gemeinderats sein, wo die CSU einen Sitz auf künftig nur noch neun Mandate verlor. Dafür darf die SPD künftig zwei Gemeinderäte statt bislang einen in das Lokalparlament entsenden. Acht Neulinge samt neuem Bürgermeister werden künftig am großen Sitzungstisch in Schönau am Königssee ihren Platz einnehmen.

Eine wirklich heftige Klatsche gab es dagegen für die CSU in Marktschellenberg. Nicht nur, dass die Bürgerinnen und Bürger dem amtierenden Bürgermeister Franz Halmich (Freie Wählergemeinschaft/Ländliche Wählergemeinschaft) mit 65,06 Prozent deutlich das Vertrauen aussprachen – sie entrissen der CSU auch zwei Gemeinderatsmandate und gaben sie der Freien Wählergemeinschaft Marktschellenberg. Die ist künftig mit vier anstatt bisher zwei Mandaten im Gemeinderat vertreten, die CSU nur noch mit drei anstatt bisher fünf. Und CSU-Bürgermeisterkandidat Dr. Michael Köhler war mit 27,11 Prozent deutlich geschlagen. In Marktschellenberg wird es nur vier neue Gesichter im Gremium geben.

Unspektakulär verlief der Wahltag aus Sicht der Gemeinde Ramsau. Klar, dass der auch von Freien Wählern/Ramsauer Wahlblock unterstützte CSU-Bürgermeisterkandidat Herbert Gschoßmann mit 95,52 Prozent gültigen Stimmen das Rennen machte. Die CSU gab in Ramsau einen Gemeinderatssitz an die Freien Wähler/Ramsauer Wahlblock ab. So verfügt die CSU künftig noch über sieben Sitze, FW/RWB über fünf. Sieben neue Gemeinderäte gibt es in Ramsau. Ulli Kastner