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»Damit die Berchtesgadener Mundart erhalten bleibt«

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Bald gibt es eine Neuauflage des Werkes von Franz Rasp. Das Buch war jahrelang vergriffen und wird nun im Verlag »A. Miller & Sohn« gedruckt. (Foto: Voss)
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Franz Rasp, Vater des heutigen Marktbürgermeisters, hat die wichtigsten Berchtesgadener Wörter einst in seinem Buch verewigt. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Von »äbba«, wie in »moanst äbba ned?«, bis zu »zwuima« für »vor sich hin granteln«: Die wichtigsten Wörter der Berchtesgadener Mundart sind im Nachschlagewerk von Franz Rasp, Vater des heutigen Marktbürgermeisters, verewigt.


Das Werk »Berchtesgadener Mundart«, das die Vereinigten Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes zu ihrem 60. Jubiläum 1985 herausgegeben hatten, war jahrelang vergriffen. Jetzt gibt es auf Auftrag der Vereinigten Weihnachtsschützen eine Neuauflage im Verlag »A. Miller & Sohn«. Das Buch ist ab sofort exklusiv beim »Berchtesgadener Anzeiger« erhältlich.

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Vereinigungsvorsitzender Rudi Koller freut sich über die Neuauflage. Er erklärt, wie es dazu kam: »Das Buch war jahrelang vergriffen. Jetzt haben wir mit den fünf Gemeinden beschlossen, dass in den kommenden Jahren alle Grundschul-Abgänger in den fünf Talkesselgemeinden das Buch »Berchtesgadener Mundart« geschenkt bekommen.« Es seien jährlich rund 200 Schüler, die ein Exemplar erhalten, so Koller weiter. Die Kosten werden von den Gemeinden Berchtesgaden, Schönau am Königssee, Bischofswiesen, Ramsau und Marktschellenberg übernommen.

Nun wird das Berchtesgadener Nachschlagewerk von der Druckerei »A. Miller & Sohn« wieder gedruckt. Neben den Exemplaren für die Grundschüler geht noch ein gewisser Teil an die Vereinigten Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes und ein weiterer Teil wird direkt beim »Berchtesgadener Anzeiger« verkauft.

Koller, der sich für dieses Vorhaben eingesetzt hat, berichtet auch von der Unterstützung von vielen Seiten: »Wir haben dafür Förderungen von der Sparkasse, von der Volksbank-Raiffeisenbank, von der Fachberatung Heimatpflege des Bezirks Oberbayern und von der Berchtesgadener Landesstiftung erhalten.« Bleibt die Frage, warum man das Buch »Berchtesgadener Mundart« erwerben sollte. Rudi Koller sagt darauf: »Das ist ganz einfach. Damit die Berchtesgadener Mundart erhalten bleibt.«

In dem grün eingebundenen Werk finden sich unter anderem die Erklärung zu Worten wie »Gummara«, was »Gurke« heißt, oder auch »Broutsitza«. Das übersetzt Franz Rasp mit »der Brotsitzer« und zitiert F. Hanser aus dem Jahr 1939: »Im Jahre 1674 wurde im Haus an der Bruckn das sogenannte Brothaus eingerichtet. Dieses war eine gemeinsame Brotverkaufsstelle der Bäcker zu Pfister, Fraunreith, Graben und Ilsank. Den dabei angestellten Brotverkäufer nannte man Brotsitzer.« Viele wissen sicher auch nicht mehr, was ein »Loduscha« ist – ein altmodischer Frack. Und wer kennt noch einen »Foavi«, was ein Name für ein »schüchternes, ungeschicktes Kind« ist.

Das einzige, was dem ursprünglichen Werk hinzugefügt wurde, ist ein Nachruf von Marktbürgermeister Franz Rasp auf seinen Vater und ein Bild des Verfassers. Der Sohn beschreibt darin das Leben des Bauern vom Hartlerlehen in Maria Gern, geboren 1940. Der Autor des Mundartbuches machte demnach zunächst die Ausbildung zum Schriftsetzer beim »Berchtesgadener Anzeiger« und war zuletzt Wegreferent der Nationalparkverwaltung. »Als erster Weihnachtsschütze überhaupt wurde er Gaupressewart«, schreibt sein Sohn. Rasp hatte zu seiner Zeit eine Reihe von Artikeln verfasst, in denen er die »notwendige Verwurzelung des Menschen in seiner Heimat« betonte. »Der Hasei trat aus tiefster Überzeugung stets für echtes, unverfälschtes Brauchtum ein«, liest man im Nachruf. Und weiter: »Dieses Mundartbuch wurde erstellt von jemandem, der zwar keine akademische Ausbildung genossen hat, der aber im Herzen brannte für seine Heimat.«

So sammelte der Autor Begriffe »ohne Anspruch auf Vollständigkeit« und trug sie zusammen. Dafür griff Franz Rasp auch auf die Sammlung von A. Helm, ein Pseudonym von Dr. Eugen Fischer, zurück. Mit seiner ehrenamtlichen Arbeit trug Franz Rasp dazu bei, dass die Berchtesgadener Mundart weiterlebt. Sein Werk sollte jeder Berchtesgadener besitzen oder zumindest durchgeblättert haben. Am Ende des Nachrufs steht: »Franz Rasp verunglückte am Neujahrstag 1988 mit seinem Gast bei einer Führungstour durch die Watzmann-Ostwand. Er wäre stolz darauf, dass das Interesse an unserer Mundart auch dreißig Jahre nach seinem Tod nicht erloschen ist.«

Das Buch »Berchtesgadener Mundart« von Franz Rasp ist im Verlag »A. Miller & Sohn« erschienen, hat 168 Seiten und kostet 19 Euro. Es ist beim »Berchtesgadener Anzeiger«, Dr. Imhof-Straße 9, erhältlich. Annabelle Voss

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