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»Damit Pflege auch in Zukunft gelingt«

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Michael Lochner referierte vor der Büste des Sozialreformers Adolph Kolping zu den Neuerungen, die das Zweite Pflegestärkungsgesetz mit sich brachte. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Beim jüngsten Kolping-Monatstreff ging es um das Thema Pflege. Am 1. Januar 2017 ist das Zweite Pflegestärkungsgesetz in Kraft getreten. Was sich hinter diesem sperrig klingenden Begriff an Neuerungen in der Pflegeversicherung verbirgt, erklärte Michael Lochner den Mitgliedern der Kolpingsfamilie Berchtesgaden mit fundierten Ausführungen.


Der Referent stellte in seinem Vortrag, unterstützt durch Power-Point-Präsentation, die wesentlichen Änderungen vor. So sei der Begriff der Pflegebedürftigkeit völlig neu definiert worden. Als pflegebedürftig gelten nun Personen, die gesundheitliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten haben und deshalb die Hilfe anderer brauchen. Neu ist laut Michael Lochner dabei, dass die geistigen und psychischen Defizite mit einbezogen werden.

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Mit dieser Neudefinition wurde auch ein neues Begutachtungsinstrument mit sechs Modulen eingeführt und daraus resultierend erfolgt künftig die Zuordnung zu einem der sechs Pflegegrade, informierte der Referent. Den Antrag zur Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) stelle der Betroffene selbst beziehungsweise sein Vertreter. »Für Berchtesgaden ist der MDK Rosenheim zuständig«, fügte Lochner hinzu.

Der Pflegegrad werde unabhängig davon festgelegt, ob der Schwerpunkt der gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen im körperlichen, kognitiven oder psychischen Bereich liegt. Pflegebedürftigkeit wird laut dem Referenten ganzheitlich erfasst, wobei »Selbstständigkeit« der zentrale Maßstab für die Zuordnung sei.

Beim Pflegegrad 1 gibt es bereits bei geringfügigen Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten einen Anspruch auf bestimmte Leistungen der Pflegeversicherung. Hierzu gehört zum Beispiel eine Beratung beziehungsweise Verbesserung im eigenen Wohnumfeld einschließlich finanzieller Entlastung. Michael Lochner wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass für alle bisherigen Pflegebedürftigen Besitzstandschutz gilt, das heißt sie werden in das neue Pflegegradsystem übergeleitet und erhalten die gleichen beziehungsweise sogar höhere Leistungen.

Die häusliche Pflege wurde aufgrund des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs neu definiert. Sie umfasst nun körperbezogene Pflegemaßnahmen, pflegerische Betreuung sowie Hilfen bei der Haushaltsführung. »Die Aufwendungen hierfür können bis auf 3 352 Euro monatlich steigen«, so der Referent. Die Pauschalbeihilfe belaufe sich je nach Pflegegrad entsprechend der Höhe des Pflegegeldes je Kalendermonat zwischen 316 Euro und 901 Euro. Michael Lochner erläuterte auch den Anspruch und den Umfang der Pflegesachleistungen. Grundsätzlich gilt: »So viel ambulante Pflege wie möglich und so viel stationäre wie nötig.« Die Entlastungen für Pflegende – seien es die Tages- und Nachtpflege, die Kurzzeitpflege oder die Verhinderungspflege – gelten inhaltlich unverändert. Zur Finanzierung der Neuerungen musste der Beitrag aus dem Bruttoeinkommen der Versicherten auf 2,55 Prozent erhöht werden.

Es folgte eine intensive Diskussionsrunde, in der Michael Lochner anhand von konkreten Beispielen seine Ausführungen ergänzte. jsch