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Die Nachfrage nach Brennholz ist hoch. »Aktuell werden nur noch Stammstücke an den Waldstraßen an Brennholzhändler beziehungsweise Holz im Bestand an sogenannte Selbstwerber verkauft«, sagt Dr. Daniel Müller. Foto: Kilian Pfeiffer

Daniel Müller, Leiter des Forstbetriebes Berchtesgaden, über die Verkaufseinstellung von ofenfertigem Brennholz

Berchtesgadener Land – Aufgrund steigender Kosten für Gas und Erdöl sehen viele Leute im Heizen mit Holz eine günstige Alternative. Allerdings: Auch die Holzpreise sind gestiegen – wenngleich nur »moderat«, wie der Leiter des Forstbetriebes Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten, Dr. Daniel Müller, sagt. Der Verkauf von ofenfertigem Brennholz wurde eingestellt.


Die Preise schießen durch die Decke. Der Wunsch ist allgegenwärtig, im Winter beim Heizen auf Gas zu verzichten. Ist das auch der Eindruck des Leiters des Forstbetriebes der Bayerischen Staatsforsten?

Dr. Daniel Müller: Ja, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die Drosselung der Gaslieferungen durch Gazprom führen zu einer Energieknappheit. Die Auswirkungen werden erst in der Heizperiode des kommenden Winters voll zu spüren sein. Es ist daher verständlich, dass Holz als willkommener Ersatz oder als Ergänzung für teures Gas genutzt werden soll. Um ausreichende Vorräte zu bekommen, steigt die Nachfrage gerade stark an. Während sich der Gaspreis verdreifacht hat, verlangt der Brennholzhandel oft die doppelten Preise.

 

Wer jetzt beim Forstbetrieb Berchtesgaden Brennholz für den Winter kaufen möchte: Welche Antwort bekommt er derzeit zu hören?

Dr. Müller: Aus technischen Gründen hat der Forstbetrieb Berchtesgaden den eigenen Verkauf von ofenfertigem Brennholz eingestellt. Wir haben keinen Platz, wo das ofenfertige Holz gelagert werden kann. Aktuell werden nur noch Stammstücke an den Waldstraßen an Brennholzhändler beziehungsweise Holz im Bestand an sogenannte Selbstwerber verkauft. Die machen sich das angewiesene Holz dann selbst. Alle Stammkunden erhalten die gewohnten Mengen. Für Neukunden stehen jedoch nur begrenzte Mengen zur Verfügung.

 

Einige Forstreviere sind bereits »ausverkauft«: Haben Sie als Förster Sorge, dass das auf kurz oder lang zum Holz-Diebstahl verleiten könnte?

Dr. Müller: Jede begehrte Ware weckt auch kriminelle Energie. Die Bayerischen Staatsforsten schützen sich, zum Teil durch im Holz eingebaute Kleinsender, vor Diebstahl. Letztendlich muss sich jeder erwischte Dieb vor Gericht verantworten.

 

Haben Sie solche oder ähnliche Erfahrungen im Forstbetrieb bereits erlebt?

Dr. Müller: Wir hatten bereits Verdachtsmomente, konnten aber im Gegensatz zu anderen Forstbetrieben noch keinen Frevler dingfest machen. Das Problem des Holz-Diebstahls wird meiner Meinung nach aber überschätzt.

 

Holz ist im Forstbetrieb reichlich vorhanden, es wächst mehr als geerntet wird. Dennoch ist es deutlich teurer geworden. Woran liegt das?

Dr. Müller: Das Motto der Bayerischen Staatsforsten ist »Nachhaltig Wirtschaften«. Die Bayerischen Staatsforsten können nicht jeder gestiegenen Nachfrage entsprechen. Für einen Zeitraum von zehn Jahren wurde festgelegt, dass der Forstbetrieb Berchtesgaden jedes Jahr etwa 100 000 Festmeter Holz einschlagen soll, um alle gesellschaftlichen Ziele bestmöglich zu erreichen. Als Solidarbeitrag zur Bewältigung der Energiekrise im Winter 2022 und 2023 werden etwa 5 000 Festmeter Laubholz im Rahmen der Waldpflege zusätzlich geerntet, um Brennstoff für Kachelöfen der Bürger und Heizkraftwerke in der Region bereitzustellen. Das zusätzliche Angebot soll auch einen kleinen Beitrag zur Begrenzung der Inflation leisten. Trotz der sehr hohen Nachfrage sind die Preise für das Brennholz am Forstbetrieb Berchtesgaden gegenüber dem Vorjahr nur um moderate 30 bis 50 Prozent gestiegen.

 

Worauf stellen Sie sich für das kommende Jahr ein? Wie lautet Ihre Prognose in Sachen Holzpreis?

Dr. Müller: Wenn nötig, werden die Bayerischen Staatsforsten auch im kommenden Winter ihre Verantwortung für die Beruhigung der regionalen Energiemärkte unter Beweis stellen. Sicher ist: Der zehnjährige Nachhaltshiebsatz wird nicht überschritten. Die künftige Entwicklung der Holzpreise hängt sehr davon ab, ob dauerhaft Heizenergie eingespart werden kann, zusätzliches Gas nach Bayern fließt oder mehr Wärmepumpen zum Einsatz kommen. Ich empfehle, mit allen Ressourcen schonend umzugehen. 

Kilian Pfeiffer