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Dankesurkunde für das dynamische Duo

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Die Polizei sagt danke (v.l.): Berchtesgadens Polizeichef Andreas Heynig, Franz Wurm, Ute Scherer, Christian Wechslinger und der Leiter der Kriminalpolizei Traunstein, Hans-Peter Butz. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – Sie sind Vorbilder: »Anzeiger«-Mitarbeiter Christian Wechslinger und Hans Wurm aus Schönau am Königssee haben Anfang Juli ein Handtaschenräuberduo nach einer anstrengenden Verfolgungsjagd gestellt. Dafür wurden die beiden am Mittwochnachmittag in der Polizeiinspektion ausgezeichnet. An der Ehrung nahm auch das Opfer, die 71-jährige Berchtesgadenerin Ute Scherer teil.


Berchtesgadens Polizeichef Andreas Heynig würdigte die »hervorragende Zivilcourage« von Christian Wechslinger und Hans Wurm. »Zivilcourage bedeutet, beherzt zu handeln. Eine Notlage oder Unrecht erkennen, nicht wegsehen, nicht zulassen, sondern eingreifen. Genauso sollte man sich als Bürger verhalten«, sagte er. »Sie hatten den Mut, das Richtige zu tun.« Die Zivilcorage sei einer der wichtigsten Bausteine der Gesellschaft, so der Polizeichef weiter. »Zivilcourage braucht Vorbilder. Vorbilder wie Sie.«

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Der Leiter der Kripo Traunstein, Hans-Peter Butz, bezeichnete das selbstlose Eingreifen der beiden als wichtiges Signal an Opfer, Täter und Bürger. »Die Täter können nun der gerechten Strafe zugeführt werden. Raub sei eine schwere, höchst verwerfliche Tat. Das Opfer, Ute Scherer, sagte, sie sei gestärkt aus dem Vorfall heraus gegangen. »Bei so hilfsbereiten und sportlichen Menschen wie Christian Wechslinger und Hans Wurm haben es Räuber schwer«, sagte die 71-Jährige.

Den Einsatz der beiden würdigten die Vertreter der Polizei mit einer Urkunde und einem Geldgeschenk. »Davon kaufe ich mir neue Sportschuhe, damit ich schnell bleibe«, scherzte Wechslinger.

Und so hatte sich der Vorfall am 5. Juli abgespielt: »Anzeiger«-Mitarbeiter Christian Wechslinger – ehemaliger Skifahrer, Eishockeyspieler und Fußballspieler – führte gerade ein Interview auf der »Edelweiß«-Terrasse an der Maximilianstraße. Der ebenfalls durchtrainierte Hans Wurm – übrigens ein ehemaliger »Anzeiger«-Angestellter – arbeitete im Büro einer Werbeagentur im »Edelweiß«-Gebäudekomplex. Es war etwa 10 Uhr, als der Reporter an der nur 15 Meter entfernten Bushaltestelle eine Frau laut rufen hörte: »Meine Handtasche, meine Handtasche.« Ein kräftiger, schwarz gekleideter Mann hatte der 71-jährigen Berchtesgadenerin Ute Scherer die Tasche entrissen und flüchtete in Richtung Fischerbichl.

Christian Wechslinger nahm sofort die Verfolgung auf. Mit gebührendem Abstand, heftete er sich an die Fersen des Räubers. »Ich wollte nicht, dass er mich bemerkt«, so Wechslinger. Im Sunklergässchen meldete sich der Sportreporter in der »Anzeiger«-Redaktion und bat darum, die Polizei zu verständigen. Die Kollegen handelten sofort und gaben die Informationen an die Beamten weiter. Die Polizei schickte dann mehrere Streifenwagen los und forderte sogar Verstärkung aus Bad Reichenhall an.

Wechslinger hatte hinter dem Räuber mittlerweile wieder den Weg bergauf in Richtung Alter Friedhof eingeschlagen. Dort dachte er zunächst, den Mann verloren zu haben. Doch zusammen mit Hans Wurm, der sich inzwischen an der Verfolgung beteiligte, erkannte er den Räuber an der Aussegnungshalle. Eine Komplizin, gerade mal 19 Jahre alt, hatte den 27-Jährigen mit neuer Kleidung versorgt.

Als sich das Verbrecherduo auf einer Bank an der Sonnenpromenade niederließ, sprachen Wechslinger und Wurm die beiden an. In der Hoffnung, dass die Polizei bald auftauchen würde. Wechslinger fotografierte das Pärchen sogar. Plötzlich sprangen die Ertappten auf und rannten die Hang hinunter. Zwei Minuten später kam die Polizei.

In der Vermutung, dass das Duo in Richtung Bahnhof gelaufen sei, machte sich die Streife mit den Verfolgern auf den Weg dorthin. Ein weiterer Beamter durchsuchte einen zur Abfahrt bereitstehenden Zug. Andere Streifenwagenbesatzungen suchten die Umgebung ab. Einer Streife liefen die Gesuchten dann direkt vor dem Hotel »Bavaria« über den Weg. Im Rucksack der beiden befand sich die Handtasche. Und ein Klappmesser. Christian Fischer