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»Darmkrebs ist in 90 Prozent der Fälle heilbar«

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Der Chefarzt der Inneren Abteilung I an der Kreisklinik Bad Reichenhall, Dr. Jörg Weiland, hat dem »Berchtesgadener Anzeiger« zum anstehenden »Darmtag« ein Exklusivinterview gegeben. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bundesweit. Die Kreisklinik Bad Reichenhall lädt daher zum Thema Darmkrebsvorsorge diesen Mittwoch, von 16.30 bis 18.30 Uhr zu einer Reihe von Vorträgen. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hatte im Vorfeld die Gelegenheit, mit Chefarzt Dr. Jörg Weiland ein Interview zu führen.


Über den Darm zu sprechen, ist nicht jedermanns Sache. Derweil ist das Thema sehr wichtig. Immerhin erkranken viele Menschen an Darmkrebs. Kennen Sie die Zahlen?

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Dr. Jörg Weiland: Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland, es erkranken pro Jahr etwa 70 000 Menschen neu daran. An Darmkrebs sterben jährlich laut einer Studie der deutschen Krebsgesellschaft 30 000 Menschen. Doch Darmkrebs ist in über 90 Prozent der Fälle heilbar, wenn er früh genug erkannt wird. Derzeit nutzen nur jede dritte Frau und lediglich jeder sechste Mann über 45 Jahren die Möglichkeit zur kostenlosen Früherkennung.

Kann man Darmkrebs spüren? Wie wird man darauf aufmerksam?

Weiland: Eine Darmkrebs-Erkrankung entsteht häufig, ohne Beschwerden auszulösen und kann daher über Jahre hinweg unerkannt bleiben. Veränderte Stuhlgewohnheiten, etwa Durchfall und Verstopfung, krampfartige Bauchschmerzen, Blut im Stuhl oder unklarer Gewichtsverlust können erste Anzeichen sein. Dann sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Möglichkeiten der Vorsorge gibt es mehrere. Welche?

Weiland: Die beste Vorsorge ist ein gesunder Lebensstil. Viel Bewegung, wenig Alkohol und Nikotin, wenig rotes Fleisch und tierische Fette sowie eine ballaststoffreiche Ernährung senken das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, erheblich. Sollte in der Familie bereits einmal Darmkrebs aufgetreten sein, ist es wichtig, entsprechend frühzeitig zur Darmkrebsvorsorge zu gehen.

Eine Darmspiegelung ist doch bestimmt unangenehm? Können Sie Patienten die Angst nehmen?

Weiland: Die Darmspiegelung ist nach wie vor die zuverlässigste und wirksamste aller Früherkennungsuntersuchungen. In der Hand eines erfahrenen Spezialisten ist sie eine sichere und schmerzfreie Angelegenheit. Die Untersuchung dauert in der Regel 20 Minuten, durch die Abtragung von Polypen verlängert sie sich auf etwa 30 Minuten. Die Untersuchung ist zwar etwas unangenehm, aber nicht schmerzhaft. In der Regel erhalten die Patienten ein Beruhigungsmittel und merken so von der Untersuchung selber nichts. Um einen geeigneten Arzt für die Durchführung der Untersuchung zu finden, fragt man am besten den Hausarzt.

Es gibt auch sogenannte Pill-Cams, kleine Kameras, die in den Verdauungstrakt eingeführt werden. Ist diese Variante ähnlich gut wie die Darmspiegelung?

Weiland: Grundsätzlich sind die Pill Cams eine gute Idee. Mit einer kleinen Kamera kann man den Dünn- oder Dickdarm ansehen. Die Bildqualität ist mittlerweile recht gut. Leider kann man nicht zu 100 Prozent sicher sein, dass alle Darmabschnitte eingesehen werden können. Außerdem können auffällige Befunde nur gesehen und nicht biopsiert oder gar entfernt werden.

Wie häufig sollte man zur Vorsorge gehen? Und vor allem: in welchem Alter?

Weiland: Ab dem 55. Lebensjahr wird eine Darmspiegelung alle zehn Jahre empfohlen. Bei familiärer Vorbelastung gilt die Faustregel: Zehn Jahre vor dem Alter, in dem das Familienmitglied erkrankt ist, sollte die erste Darmspiegelung stattfinden – spätestens jedoch ab dem 45. Lebensjahr. Anpassungen des Zeitraums ergeben sich, wenn bei einer Untersuchung mehrere Polypen gefunden und abgetragen werden. Nach einer solchen Situation sollte man spätestens nach drei Jahren erneut zur Kontrolle gehen. Kilian Pfeiffer

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