weather-image
14°

»Das Beste aus zwei Welten«

4.7
4.7
Bildtext einblenden
Irmingard Ute Brown mit Ehemann Gregory Charles Brown auf Heimatbesuch. Im Hintergrund: der geliebte Watzmann. (Foto: privat)

Bischofswiesen – Endlich wieder Heimat: Wenn Irmingard Ute Brown zurück in Bischofswiesen ist, daheim, wo sie den Watzmann vor der Haustür hat, ist sie glücklich. Seit vielen Jahrzehnten lebt sie in den Vereinigten Staaten, im Bundesstaat Oregon, McMinnville, eine Kleinstadt mit 30 000 Einwohnern. Eine Autostunde entfernt liegt der Pazifische Ozean, die Berge sind auch nicht weit. Das Heimweh plagt sie trotzdem immer wieder.


Im Oktober war es wieder mal so weit: Irmingard Ute Brown ist nach Hause gekommen. Nach Bischofswiesen. Sie stammt aus der Cramer-Familie, besser bekannt für deren Orchideen-Zucht. »Ich hab das Beste aus zwei Welten«, sagt sie. Einmal Oregon, einen »super schönen Staat«, endlose Weiten, Meer und Berge sind schnell zu erreichen. Und den Talkessel von Berchtesgaden, dort, wo sie herstammt. »Meine Heimat trage ich im Herzen«, sagt Irmingard Ute Brown. Wenn sie zuhause ist, sind Watzmann und Untersberg nur einen Steinwurf entfernt, »meine geliebten Berge«, sagt die Wahl-Amerikanerin, die in zweiter Ehe mit Gregory Charles Brown, einem amerikanischen Staatsbürger, zusammenlebt. Seit 40 Jahren ist sie verheiratet. In McMinnville fühlt sie sich wohl, 1 100 Einwohner leben hier pro Quadratkilometer, es gibt ein paar Sehenswürdigkeiten, Wortman, Downtown und Lower City Park, der Flughafen ist gleich um die Ecke, bekannt ist McMinnville als Weinanbaugebiet.

Anzeige

Die Browns arbeiten auf einem Golfplatz, dem »Bayou Golf Course«, einem Neun-Loch-Platz. Er ist Golf-Lehrer, ein Club Professional. Freizeit gibt es wenig. Im Grunde genommen sei das Leben in den Vereinigten Staaten nicht viel anders als das in Deutschland. Na ja, »Arbeit und Geld verdienen steht an erster Stelle.« Weniger Urlaub habe man in Amerika, die Freizeit sei überschaubarer. Das liege daran, dass Geschäfte und Betriebe häufig bis abends geöffnet hätten, von neun bis 22 Uhr sei die Regel. Darunter leide das Familienleben, »es ist weniger ruhig als in Deutschland«, sagt Irmingard Ute Brown. Hin und wieder hole man sich einen Kaffee bei »Starbucks«, einer Kette, die es mittlerweile auch nach Deutschland geschafft hat.

Ob sie manchmal ihre Heimat vermisse? »Ja, ja, ja«, sagt sie mit Nachdruck. »Aber ich schütze mich davor, denn ich lebe in den USA und Heimweh tut weh.« Die Lösung gegen Heimweh: Besuch aus der Heimat. Erst kürzlich hatten die Browns acht junge Leute während der Ferien bei sich zuhause einquartiert. Die Gerer Musi war schon mal zu Gast. Und immer wieder kommen deutsche Touristen auf den Golfplatz zum Golfspielen. Das sei beste Völkerverständigung. Doch sprächen Deutsche, die zum Golfen kommen, meist eher Englisch mit den Browns. »Ich freue mich immer, jemanden aus der Heimat zu treffen und verschiedene Dialekte zu hören«, sagt sie. Und wenn das Heimweh mal zu groß wird, gibt es ja noch Telefon und Internet – der direkte Draht zur Familie in »good old Germany«.

Als Irmingard Ute Brown im Oktober das letzte Mal in Bischofswiesen war, trug sie wieder jenes gute Gefühl in sich, das sie immer hat, wenn sie hier ist: Heimatliebe. Mit ihrer Familie verbringt sie dann viel Zeit, das Deutsch beherrscht sie wie früher, aber natürlich gebe es Wörter, die einem nicht sofort einfallen, die man vergessen hat im Laufe der Zeit, Fachwörter aus dem Englischen, die man in der Kürze der Zeit einfach »eindeutscht«.

Irmingard Ute Brown möchte natürlich noch häufig heim kommen, »weniger arbeiten, mehr Gelegenheiten mit der Familie«, sagt sie. »Ich bin sehr neugierig, möchte noch viel dazulernen. Ich hoffe, mein Hirnkastl spielt in der Zukunft noch mit.« Gerne würde sie sich mehr sozial engagieren, politisch etwas aktiver sein. Bislang mangelt es an Zeit. Wann sie das nächste Mal »über den Teich« fliegt, weiß sie noch nicht. Möglichst bald soll es sein. Bis dahin gibt es viele schöne Erinnerungsbilder, die sie mit ihrer Familie vor beeindruckender Bergkulisse gemacht hat – natürlich in Berchtesgaden. Kilian Pfeiffer