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Das Eis wird dünner

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Nordlandliebhaber Bernhard Römmelt präsentierte im Kongresshaus Berchtesgaden sein Buch »Arktis«. Foto: Anzeiger/cw
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Eine besondere Erscheinung in der Arktis ist das Polarlicht. Fotos: Römmelt
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Auch Moschusochsen ist Fotograf Römmelt öfter begegnet.

Berchtesgaden - Die Arktis gehört zu den vielfältigsten Regionen der Erde. Die nördliche zirkumpolare Erdregion bedeckt die nördlichen Teile der drei Kontinente Asien, Europa und Nordamerika sowie das Nordpolarmeer großteils mit Eis. Durch den Klimawandel veränderte sich dieser Lebensraum in den letzten Jahren rasant. Der Globetrotter in Sachen Arktis, Bernhard Römmelt, bereiste für sein Buch »Arktis« die nördliche Region der Erde und kam dabei in alle Anrainerstaaten USA (Alaska), Kanada, Grönland, Island, Skandinavien und Russland.


Römmelt zeigte bei einem Vortrag über die Arktis im kleinen Saal des Berchtesgadener Kongresshauses nicht nur wunderbare Natur- und Tierfotos, der Naturliebhaber wollte auch wachrütteln. »Die Bedingungen in der Arktis können nicht mehr rückgängig gemacht werden, aber man kann wenigstens einen Stillstand im Hinblick auf den Treibhauseffekt und die immer höheren Temperaturen erreichen«, meint er.

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Dem großen Liebhaber der Arktis gelang es, die Besucher zum einen mit herrlichen Landschafts- und Tierfotos völlig in den Bann zu ziehen, im Weiteren zeigte er jedoch auch auf, wie sehr das Packeis und die Gletscher immer mehr zurückgehen. Im engen Schulterschluss kämpft der Ethnologe mit mehreren Gleichgesinnten und vor allem mit der Organisation Greenpeace für den Erhalt der Arktis. Natürlich weiß Römmelt, dass es in 50 Jahren keine Eisbären, keine Walrosse und viele andere Tierarten mehr geben wird, falls nicht etwas geschieht, was die Erderwärmung stoppt. »Sollte das gesamte Eis schmelzen, dann würde der Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen und es würden wahre Völkerwanderungen einsetzen«, warnte Römmelt und stellte der Politik im Wirken dagegen ein Armutszeugnis aus.

Mit beeindruckenden Fotografien und spannenden Geschichten nahm Bernd Römmelt die Zuschauer der Lichtbildshow mit auf eine abenteuerliche Reise in die einzigartige Schatzkammer des Nordens. Römmelt ist leidenschaftlicher Fotograf, der lange ausharren kann, um seltene Tiere vor die Linse zu bekommen. »In Baffin Island habe ich bei meiner letzten Arktis-Reise über den Zeitraum von einer Woche täglich 14 Stunden gesessen, um Bären zu fotografieren. Sechs Tage lang rührte sich nichts, aber am siebten Tag zeigten sich für wenige Momente Bären und sogar Wölfe. Dafür war es ein anderes Mal gerade umgekehrt. »Kaum hatte ich es mir in der Ansitzhütte gemütlich gemacht, da tauchte in der Nähe eines Inuit-Dorfes in Nordalaska eine Bärin mit vier Jungen auf. Ich schoss fantastische Fotos, doch danach saß ich Tage umher und sah kein einziges Tier mehr«, erzählte Römmelt zu seinen sensationellen Tierfotos.

Wieder ein anderes Mal durchpflügten Römmelt und Gefährten das Nordmeer, um Narwale zu fotografieren. Als nach einiger Zeit des Wartens endlich Wale zu sehen waren, jagten nicht weit entfernt Inuits die Tiere mit ihren Gewehren. Daraufhin waren die Wale nicht mehr zu sehen. »Ich konnte den Jägern aber nicht einmal böse sein, denn es gehört zu deren Kultur, die Tiere zu erlegen. Sie verwerten alles, was der Wal ihnen gibt. Am Abend luden uns die Jäger sogar zu einem schmackhaften Wal-Essen ein. Unsere begleitenden Inuit-Führer schämten sich so sehr, dass sie sich an Nudeln labten und das köstliche Walfleisch verschmähten«, berichtete der Fotograf leicht verschmitzt.

Interessant sei auch die Fotojagd auf Eisbären. Diese zeigten sich zwar sehr selten, aber wenn, dann sind sie gar nicht scheu: »Die Eisbären sind streng geschützt und daher ohne Furcht. Vielmehr muss sich der Mensch vor dem Eisbären in Acht nehmen, der ein reiner Fleischfresser ist«, warnte Römmelt. Vor allem im arktischen Sommer, wenn das Packeis zurückgehe und die Eisbären keine Robben zur Nahrung fänden. »Dann sind sie mächtig hungrig«, erklärte der Fotograf, der bedauert, dass von heute 20 000 geschätzten Eisbären in 20 Jahren nur noch 1 000 übrig sein könnten.

Auch die Menschen der Arktis hat Römmelt porträtiert. In Alaska die Inuit, in Lappland die Samen, in Russland die Dolganen und die Nenzen, die mit großen Schlitten im kurzen arktischen Sommer über die Tundra fahren.

Dabei scheint es immer das Ziel von Bernhard Römmelt zu sein, die unglaubliche Vielfalt und Schönheit des einzigartigen Lebensraumes Arktis festzuhalten. Gleichzeitig will der Liebhaber des Nordens aber auch die dramatischen Veränderungen aufzeigen, die der Arktis durch den Klimawandel drohen. Das Abschmelzen der Gletscher auf Grönland, das Auftauen der Permafrostböden, der Rückgang des arktischen Meereises und die Veränderung der Strömungsverhältnisse im Meer, all das beeinflusst schon heute das Leben der indigenen Völker und Tiere.

Besonders schlimm sehen seiner Schilderung nach Teile der russischen Arktis aus. Dort steht ein Ölförderturm neben dem anderen. Und die Russen denken überhaupt nicht an Umweltschutz, die kleinen Tundra-Seen sind voll Ölresten: »Wir haben zusammen mit Greenpeace eine Aufklärungskampagne mitten in Moskau gestartet, die Russen versprachen sogar, künftig besser aufzupassen«, hofft der Vortragende, der bald wieder mit Greenpeace nach Russland fahren wird, um sich vom Versprechen zu überzeugen.

Im Vortrag erfuhren die Zuschauer auch von der anderen, farbenfrohen Arktis mit ihren grünen Taigawäldern, der roten Tundra und wilden Berglandschaften. Nachdenklich machten allerdings die Schlussworte Bernhard Römmelts: »Die Erde hat erhöhte Temperatur, die Arktis hohes Fieber.« Im letzten Jahr hatte es in gewissen Regionen statt 30 bis 40 Grad minus einige Plusgrade. »Das ist so, als wäre es bei uns jetzt 50 Grad warm.« cw