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Das »Gedächtnis der Heimat« feiert Jubiläum

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Zum ersten Mal in der Geschichte des Heimatkundevereins wurden vom 1. Vorsitzenden Alfred Spiegel-Schmidt (r.) langjährige Mitglieder geehrt. Zudem ernannte man Bartl Ponn und Dr. Herbert Pfisterer zu Ehrenmitgliedern. Fotos: Anzeiger/tj
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Hans Roth war Festredner zum 50-jährigen Bestehen des Heimatkundevereins Berchtesgaden.

Berchtesgaden - Der Blick in die Geschichte gehört zu den ureigensten Aufgaben eines Heimatkundevereins. Besonderen Reiz bekommt dies, wenn es sich um die eigene Geschichte handelt. Mit einem Festabend feierte der Heimatkundeverein Berchtesgaden, der über 170 Mitglieder verfügt, sein 50-jähriges Bestehen und durfte sich über zahlreiche Gratulanten und eine Premiere freuen: Zum allerersten Mal in der Vereinsgeschichte wurden verdiente und langjährige Mitglieder geehrt.


Fast bis auf den letzten Platz besetzt war der Pfarrsaal St. Andreas bei der Begrüßung der Festgäste, die 2. Vorsitzender Gernot Anders übernahm. Der ging auf die Wurzeln des Heimatkundevereins ein, die bis in das Jahr 1896 zurückreichen. Doch reichte der Blick nicht nur zurück, sondern auch voraus: So gibt es im Jubiläumsjahr nicht nur ein neues Logo, sondern seit März auch erstmals eine eigene Homepage (www.heimatkundeverein-berchtesgaden.de).

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Viel Lob und ein Präsent von Landrat Georg Grabner hatte dessen Stellvertreter Rudolf Schaupp im Gepäck. Er würdigte den Drang, herauszufinden, »was es mit der Gegend, in der sie aufgewachsen sind oder ihren Lebensmittelpunkt haben, auf sich hat«. Der Heimatkundeverein ist in den Jahren seines Bestehens einer Vielzahl von Fragen nachgegangen und dabei »zu teilweise ganz bemerkenswerten Ergebnissen gekommen«, unter strich der Landratsstellvertreter: »Insbesondere auf dem Gebiet der Brauchtumspflege ist dem Heimatkundeverein ein beträchtlicher Wissenszuwachs zu verdanken. Sie haben uns Berchtesgaden transparenter und durchschaubarer gemacht.« Schaupp wünschte sich, dass dieses Engagement im Heimatkundeverein auch künftig seine Fortsetzung findet: »Es gibt noch viele unbeantwortete Fragen.«

In dasselbe Horn stieß 3. Bürgermeister Bartl Mittner: »Sie sorgen dafür, dass die Geschichte Berchtesgadens bewahrt wird und in uns allen lebendig bleibt.« Er erinnerte an die bekannten Namen, die schon den Vereinsvorsitz innehatten, seit 20 Jahren ist dies nun Alfred Spiegel-Schmidt. Ihm und allen engagierten Mitstreitern sprach der 3. Bürgermeister Dank und Anerkennung der Marktgemeinde aus; das Präsent wollte Franz Rasp später noch selbst überreichen.

Für den Festvortrag konnte Hans Roth gewonnen werden, der als stellvertretender Vorsitzender die Grüße des Verbandes bayerischer Geschichtsvereine überbrachte. Auch er unterstrich die wichtige Aufgabe, die Mitglieder des Heimatkundevereins erfüllen: »Sie motivieren und sensibilisieren die Menschen für die Pflege und den Erhalt der Geschichte.« Der Festredner blickte zurück auf die Geschichte des Heimatkundevereins und handelte auch aktuelle Fragen und Probleme ab - durchaus nicht unkritisch. So hört er oft vom Fehlen junger Leute in den Geschichtsvereinen, doch: »Diese Klage ist nicht neu. Historische Vereine waren noch nie Jugendorganisationen.«

Roth ging dabei auf den Wandel ein, dem auch die Heimatkundevereine unterliegen: »Die Zeiten sind vorbei, dass Mitglieder am Samstag und Sonntag mit Schaufel und Pickel losgezogen sind, um Hügelgräber zu öffnen.« Er zeichnete das Bild einer Spaß- und Erlebnisgesellschaft, in der es immer schwieriger wird, Menschen für die Übernahme von Ehrenämtern zu begeistern. Auf der anderen Seite zieht er genau daraus auch Hoffnung: »Eigentlich ist die Zeit reif für uns. In Zeiten von Globalisierung und weltweiter Vernetzung sehnt sich der Mensch nach Geborgenheit.« Er rief dazu auf, trotz aller Widerstände, die wichtige Aufgabe auch weiterhin zu erfüllen: »Wir werden uns mit unseren Argumenten nicht immer durchsetzen können, aber wir müssen uns zu Wort melden. Wir sind nicht nur das historische Gewissen, sondern auch das Gedächtnis unserer Heimat.«

Besonderes Lob zollte der Festredner dabei dem seit 20 Jahren tätigen Vereinsvorsitzenden Alfred Spiegel-Schmidt. Als Anerkennung für dessen Verdienste überreichte er ihm die Ehrennadel des Verbandes bayerischer Geschichtsvereine. Der gab den Dank postwendend an seine Vorstandsvertreter weiter: »Ihr alle habt diese Nadel mitverdient.«

Nun war es Zeit für eine Premiere: Zum ersten Mal in der Geschichte des Heimatkundevereins wurden langjährige Mitglieder für ihre Treue geehrt. Ehrenurkunde und das Buch »Die Berchtesgadener Holzhandwerker und Bildhauer im Barock« bekamen für über 40-jährige Mitgliedschaft: Stefan Fischer, Gabriele und Franz Moser, Peter Mayr, Walter Moser, Ludwig Renoth und Anton Stöckl. Dr. Josef Maidl war verhindert und vorab bereits geehrt. Besonders freute es den Vorsitzenden, dass auch zwei Gründungsmitglieder anwesend waren. Bartl Ponn und Dr. Herbert Pfisterer haben sich um den Verein und um Berchtesgaden verdient gemacht und wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Das dritte noch lebende Gründungsmitglied, Gebhard Droßbach, wurde wegen Erkrankung ebenfalls vorab bereits geehrt. Großer Applaus dankte allen Geehrten und nach einem weiteren Stück der Priesberg-Musi beendete Alfred Spiegel-Schmidt den offiziellen Teil und bat alle Gäste zu einem Stehempfang als stimmungsvoller Ausklang. tj