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Das Geheimnis der Rorate-Ämter

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Nur von Kerzenlicht ist der Kirchenraum in Neukirchen bei den »Rorate-Ämtern« erhellt.

Neukirchen – Dunkle Gestalten im Mantel nähern sich der Kirche. Der Schnee knirscht unter ihren Füßen. Am Eingang grüßt ein Windlicht. Drinnen ist es heimelig, wie in einer Stube. Nur von Kerzenlicht wird die Pfarrkirche St. Ulrich erhellt. Eine Ausnahme bilden die Lichter rund um den Strahlenkranz der Maria mit Kind am Hochaltar. »Rorate-Messen« oder auch »Engel-Ämter« werden solche Gottesdienste im Advent genannt. In Neukirchen am Teisenberg wird diese Tradition besonders gepflegt.


Seit Juliane Obermayer vor zwölf Jahren Mesnerin geworden ist, kümmert sie sich um die Pflege dieser Liturgieform. Mit ihrer Stellvertreterin Liesi Mayer stellt sie an die 120 Kerzen in der ganzen Kirche verteilt auf. Die meisten sind rot und verbreiten dadurch auch optisch besondere Wärme.

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Mit dem Wort »Rorate« beginnt eine Antifon (Gegengesang/Wechselgesang) in der katholischen Liturgie. Der Text »Rorate caeli desuper« (»Tauet, Himmel, von oben«) stammt aus dem alttestamentlichen Buch Jesaja (Jes 45,8) und drückt die Sehnsucht Israels nach der Heimkehr aus dem babylonischen Exil aus.

Das Rorate wird meist frühmorgens mit anschließendem gemeinsamem Frühstück, aber mancherorts auch, wie hier am Fuß des Teisenbergs, abends gefeiert. Einen Beitrag zur Entstehung dieser Messfeiern in frühester Zeit des Christentums hat wohl das Dogma »Maria als Gottesgebärerin« aus dem Jahre 451 geleistet. In Bayern sind Rorate-Messen seit Ende des 15. Jahrhunderts nachzuweisen. Weil bei diesen Messen zu Ehren der Gottesmutter Maria früher das Evangelium von der Verkündigung des Herrn durch den Engel Gabriel vorgetragen wurde, wurden sie auch »Engel-Ämter« genannt. Der Volksglaube schrieb diesen Ämtern besondere Segenskraft für die Familie, für die Lebenden und die Toten, aber auch für Hof, Stall und Vieh zu.

Draußen erwartet die Besucher schon der Pfarrgemeinderat mit Glühwein, Punsch, Broten und kleinen Krapfen gegen eine Spende für karitative Zwecke. Ebenso wie die Rorate-Ämter – am heutigen Samstag um 17.30 Uhr ist das letzte in Neukirchen mit der Harfenistin Veronika Hasenöhrl – hat in Neukirchen der von den Vereinen im Wechsel organisierte Glühwein-Ausschank vor dem Mesnerwirt Tradition. Ab der zweiten Adventswoche steht die Hütte. Am morgigen Sonntag trifft man sich hier ab 15 Uhr zum »Dorfadvent« aller Vereine mit Auftritt der Perchten am Abend. Veronika Mergenthal