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»Das hat mit Körperverschönerung nichts zu tun«

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In der rechten Hand die Bibel für die Seele, in der linken ein Berchtesgadener Kochbuch für den Leib. »Denn auch in der Fastenzeit muss der Mensch etwas essen«, sagt Pater Kajetan. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Mit dem »Aschermittwoch« beginnt heute für Christen ein 40-tägiges Fasten und Beten zur Vorbereitung auf das Hochfest Ostern. Die Fastenzeit soll an die 40 Tage erinnern, die Jesus fastend und betend in der Wüste verbrachte. In der heutigen Zeit nutzen jedoch viele Menschen diese Zeit, um durch Fasten abzunehmen und dadurch gesünder zu leben. Dies ist für Franziskaner-Pater Kajetan nicht das Wichtigste, vielmehr betrachtet der Geistliche diesen Zeitraum als Zeit der Umkehr zum Glauben.


Pater Kajetan empfiehlt den Menschen, im Alten Testament über Hiob nachzulesen (Hiob 2,1-10), der alles verloren hat: Hab und Gut, seine Kinder und seine Gesundheit. Dennoch blieb er im Glauben an Gott unerschütterlich. Statt Anklage zu erheben oder sich in Fastenkuren zu ergehen, sollten die Menschen ihren Glauben stärken. »Abnehmen und seinen Körper zu verschönern, hat nichts mit dem Sinn der Fastenzeit zu tun, dazu gehört etwas mehr«, betont Pater Kajetan.

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Der Mönch vergleicht die Fastenzeit mit dem Aufenthalt in einer Wüste, wo es auch keine Annehmlichkeiten gibt, aber der Mensch mit sich ins Reine kommt und den Weg zu Gott findet. Fastenzeit sei auch eine Möglichkeit, in der ein Mensch Bilanz über sein Dasein ziehen könne. Christus sei für die Menschen am Kreuz gestorben, daher sollten die Menschen versuchen, ihn im Gebet zu treffen, und nicht an ihm vorbeigehen. Der Mensch tue auch gut daran, gerade in der Fastenzeit, frei nach dem heiligen Franziskus, sich nicht so wichtig zu nehmen, denn der Mensch sei vergänglich. »Wichtig ist indes, Gott für sein eigenes Dasein zu danken«, sagt Kajetan.

Ein weiterer Gedanke des Franziskanerpaters ist die Anregung, anderen zuzuhören, sich in die Lage des anderen zu versetzen, zu verzeihen und zu vergeben.

Fragen wie »Wie geht es dir?« seien doch oft nur Floskeln und recht oberflächlich, findet der Pater. Die Fastenzeit könne auch dazu dienen, mehr auf den anderen zuzugehen und ihm aus einer möglichen Not zu helfen. Dazu diene oft schon das Zuhören, man müsse nicht immer selbst sprechen. Zu fasten heiße auch Buße zu tun, sich von gewissen weltlichen Dingen abzukehren und zurück zum Glauben zu finden. Auch Schuld zu vergeben gehört für Pater Kajetan zur Fastenzeit.

Die Fastenzeit soll den Menschen im Glauben stärken und den Glauben an Gott bewusster machen. »Leider«, bedauert Pater Kajetan, »nehmen in der heutigen Zeit viele Menschen Gott nicht mehr ernst. Es ist doch die Aufgabe der Eltern, den Kindern und Jugendlichen ein Vorbild zu sein.«

Gegen Ende der Fastenzeit haben die Menschen in der Karwoche die Möglichkeit, im Franziskanerkloster die Beichte abzulegen. Die drei Franziskaner-Patres warten mit Freude auf die Gläubigen, um sie von ihren Sünden loszusprechen. Denn der liebe Gott sei kein Mathematiker, schloss Pater Kajetan seine Gedanken zur Fastenzeit. Christian Wechslinger