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»Das ist reines Privatvergnügen«

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Fußball-Fans gibt es im Talkessel mehr als genug. Spätes Ins-Bett-Gehen gehört bei dieser Weltmeisterschaft dazu. Sonderregelungen für Mitarbeiter gibt es bei den heimischen Betrieben und Einrichtungen aber nicht. Das Foto zeigt Berchtesgadener Fans bei der EM 2012. Foto: Archiv/Pfeiffer

Berchtesgaden – Die Welt steht im Zeichen der WM. Fußball am frühen Abend, am späten Abend und mitten in der Nacht. Da haben die Fans oft keine Lust, im Büro zu sitzen oder auf der Baustelle zu schwitzen. Da sind Sonderreglungen und flexible Arbeitszeiten gefragt. Später anfangen, früher aufhören, ein Fernseher auf dem Schreibtisch oder betriebliches Public Viewing im Besprechungszimmer? Nicht bei den Behörden und Unternehmen im Berchtesgadener Land. Das hat eine »Anzeiger«-Umfrage ergeben.


»Solche Sonderregelungen sind bei Behörden nicht üblich«, weiß Elke Lanzendörfer von der Berchtesgadener Gemeindeverwaltung. »Wir sind zu den üblichen Zeiten telefonisch erreichbar und haben auch normal geöffnet.« Ihres Wissens nach hätten die Gemeindemitarbeiter auch keine Wünsche nach geänderten Arbeitszeiten gehabt.

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Genauso sei die Situation auch im Landratsamt. »Das war überhaupt nie Thema«, weiß Pressesprecher Andreas Bratzdrum. Sich im Fernsehen Fußball anzuschauen, sei reines Privatvergnügen. Ein Public Viewing mit den Behördenmitarbeitern im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes oder Antragsformulare, die wie ein Tippschein aussehen, wird es also definitiv nicht geben.

Auch in den Kreiskliniken spielt die Fußball-WM keine Rolle. Keine Sonderreglungen für Mitarbeiter, keine Aktionen für Patienten. »Da haben wir nichts geplant«, sagt Pressesprecherin Evelyn Tauber.

Die Sparkasse Berchtesgadener Land hat auf ihrer Homepage ein Tippspiel eingerichtet. »Es gibt eine extra Mitarbeiterwertung, ansonsten haben wir keine Sonderregelungen«, teilt Pressesprecher Tobias Kastner der Heimatzeitung mit. Inwieweit sich jedoch einzelne Abteilungen gemeinsam zum Public Viewing aufmachen, ist in der Pressestelle nicht bekannt. Eines ist jedoch sicher, extra für die Fußball-Weltmeisterschaft hat sich kein Sparkassen-Mitarbeiter Urlaub genommen.

Anders bei psm protech in Marktschellenberg. Dort ist ein Mitarbeiter nach Brasilien gefolgen, um die WM zu verfolgen. »Er wird uns dann berichten«, freut sich Personalchefin Maria Wagner. Spezielle Regelungen zur Arbeitszeit während der WM gibt es aber auch bei psm protech nicht, zum einen weil grundsätzlich Gleitzeit bestimmt, zum anderen weil kein Mitarbeiter mit Sonderwünschen an die Firmenleitung herangetreten ist. »Sollte einer unserer Mitarbeiter aber eine Idee für eine gemeinsame WM-Veranstaltung haben, sind wir offen für Anregungen.«

In der Bundeswehrkaserne in Bischofswiesen nimmt man das Thema »Weltmeisterschaft« gelassen. Dienstbeginn ist um 7 Uhr, Dienstschluss um 16.30 Uhr. Die Arbeitszeiten extra nach hinten zu legen, war zu keinem Zeitpunkt angedacht. »Es hat aber auch niemand danach gefragt«, sagt Presseoffizier Jens Kinder auf Nachfrage. Public Viewings in der Kaserne seien geplant, immerhin arbeiten dort vor allem Männer. Und die interessieren sich bekanntermaßen ganz besonders für das Spiel mit dem Ball.

Im Salzbergwerk Berchtesgaden gibt es ebenfalls keine Sonderregelungen. Obwohl dort die Arbeit unter Tage schon um sechs Uhr in der Früh los geht und die Zeit zum Schlafen begrenz ist. »Bis jetzt hat es keinen Antrag gegeben, die Zeiten nach hinten zu verschieben«, weiß ein Sprecher. Für Besucher gibt es nun eine Torwand, an der man Preise gewinnen kann. Christian Fischer Caroline Irlinger Kilian Pfeiffer