weather-image
29°

Das jähe Ende des »Keuchhustenflugs«

4.1
4.1
Bildtext einblenden
Direkt unter den Südwestabstürzen des Hohen Göll hat Maria Koller ein weiteres Wrackteil gefunden.
Bildtext einblenden
Sogar der über 70 Jahre alte Flugzeugmotor ist zwischen den Felsen noch zu finden.
Bildtext einblenden
Das Spornrad des 1945 über den Göllsanden abgestürzten Flugzeugs ist schon von Weitem zu sehen. (Fotos: privat)

Schönau am Königssee – Wer schon einmal in den Göllsanden, dem unübersichtlichen Karstgelände zwischen Hohem Brett und Hohem Göll, unterwegs war, der ist vielleicht an den dort liegenden Flugzeugwrack-Teilen vorbei gekommen. So erging es in diesem Sommer auch Maria und Richard Koller aus der Oberau, die als Kletterer viel an den Südwestabstürzen des Hohen Gölls unterwegs waren. Neugierig geworden, machten sie sich an die Recherchearbeit, um mehr über den Absturz herauszufinden. Die entscheidenden Informationen lieferte das Archiv von Karl Komposch aus der Ramsau, in dem alle Bergtoten im Berchtesgadener Land aufgeführt sind.


Das Flugzeug der Marke »Fieseler Storch« (siehe Kasten) war am 7. August 1945 nach dem Start in Salzburg über den Göllsanden abgestürzt, wobei es drei Tote gab. Zuvor war die Maschine beim Überfliegen des Westgrates des Hohen Göll mit dem Spornrad hängen geblieben, was schließlich zur Katastrophe mit drei Toten führte.

Anzeige

An Bord befanden sich der Pilot Ottmar Hohenthal (35 Jahre aus Grödig) sowie Karl Stumvoll (53 Jahre) mit Sohn Wolfgang (5 Jahre aus Hellbrunn). Stumvoll war Dozent im Mozarteum Salzburg und hatte gute Verbindungen zur US-Militärregierung.

Das Flugzeug hatte sich auf einem sogenannten »Keuchhustenflug« befunden. Schließlich wusste man schon seit 1939, dass »Keuchhustenflüge« eine besonders schonende Therapieform bei der Behandlung von Keuchhusten sind. Man flog dabei innerhalb kurzer Zeit auf große Höhen. Durch den geringeren Luftdruck in dieser Höhe erweitern sich die Bronchial- und Lungengefäße und führen zu einem leichteren Abhusten des Schleimes. Besonders aber durch rasche Luftdruckunterschiede beim Flug ohne Druckkabine kann der Husten nachhaltig behandelt werden.

Im Internet (Alpenländisches Luftfahrtarchiv von Fredric Müller-Romminger in Bad Reichenhall) haben Maria und Richard Koller Informationen zur Bergung der Verunglückten gefunden. So brachten die Amerikaner einen Tag nach dem Unglück, am 8. August 1945, die Rettungsmannschaft mit Fahrzeugen angeblich zum Eckersattel auf der Nordseite des Hohen Göll. Wenn diese Information stimmt, dann müssen die Amerikaner über den Göll in die Göllsanden gelangt sein. Die Mannschaft und ein Oberleutnant der US-Army sollen den Aufzeichnungen zufolge 150 Meter unter dem Göllgipfel das zertrümmerte und verbrannte Flugzeugwrack sowie daneben zwei Tote, den Piloten und den Buben, gefunden haben. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Fundstelle wesentlich tiefer lag, zumal die Wrackteile heute alle auf einer großen Fläche rund um den Wandfuß verstreut liegen. Die Bergung der Toten musste wegen eines plötzlich auftretenden starken Sturmes und herabstürzender Flugzeugteile abgebrochen werden. Erst am 13. August konnten die beiden Leichen endgültig zur Scharitzkehl gebracht und dort dem Bestattungsunternehmen übergeben werden.

Auch auf österreichischer Seite war eine Suchmannschaft mit Gendarmeriebeamten und Bergwachtmännern aufgestellt und ins Gebiet des Hohen Göll entsandt worden. Sie fanden am 18. August den ebenfalls toten Vater des fünfjährigen Wolfgang, Karl Stumvoll, und brachten die Leiche zu Tal. UK