weather-image

Das Kreuz mit dem Kreuz

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Zwei Kreuze sind eins zu viel: Auch im Talkessel wählte so mancher falsch. Doppelkreuze, durchgestrichene Bögen und Kommentare waren die Gründe dafür. Foto: privat

Berchtesgaden – Ein leeres Blatt, vielleicht mit Kommentaren versehen oder einfach komplett durchgestrichen: Bei der Landtagswahl am Sonntag hatten die Wahlhelfer allerhand zu tun. Hunderte Stimmzettel im Landkreis waren ungültig – weil falsch gewählt wurde. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hat sich im Talkessel umgehört.


Anton Kurz, Geschäftsleiter des Marktes Berchtesgaden, sagt, dass die Menge an ungültigen Wahlzetteln in Berchtesgaden überschaubar blieb. »Einige haben leere Zettel abgegeben.« Vielleicht aus Protest, vermutet er. Denn immerhin waren die Landtagswahlzettel unverhältnismäßig groß, um diese in der Wahlkabine ausbreiten zu können. Eine »Zumutung für den, der wählt«, resümiert der Geschäftsstellenleiter. »Eventuell war so mancher auch einfach unzufrieden«, meint er. Nicht anders ist es zu erklären, warum auf so manchem Schein zwei Kreuze drauf waren, wo eigentlich nur ein Kreuz hingehört hätte.

Anzeige

Zwar besteht zwischen Landtags- und Kommunalwahl keine Verwechslungsgefahr, dennoch, meint Kurz, könnten Wähler irritiert sein – und trotz Anleitung – an die Kommunalwahl erinnert werden, bei der man mehrere Kreuze setzen darf.

Selbst bei den Volksentscheiden, über die am Sonntag entschieden wurde, war die Zahl ungültiger Wahlzettel überschaubar. »Ich hätte mit mehr Ungültigen gerechnet«, so Kurz. In seltenen Fällen wurde in der Gemeinde etwas auf die Wahlzettel gekritzelt.

Geschäftsstellen- und Wahlleiter Hannes Rasp aus Schönau am Königssee sagt, dass beim Volksentscheid »relativ viele« einen ungültigen Wahlzettel abgegeben haben. Die Klassiker: ein leerer Wahlschein oder ein komplett durchgestrichener. Auch beliebt: Nette Kommentare, über die sich der Geschäftsstellenleiter lieber ausschweigt. Wahlgeheimnis. Die Befürchtung, dass sich Wahlscheine von Landtags- und Bundestagswahl miteinander vermengen und gleichzeitig abgegeben würden, habe sich laut Rasp bestätigt.

So wurden die Landtagswahlkuverts teilweise mit Bundestagswahlunterlagen abgegeben – und umgekehrt. Kein Beinbruch, meint Michael Ernst, der Geschäftsstellenleiter der Gemeinde Marktschellenberg. So gab es eine Anweisung, dass gültig ausgefüllte Wahlzettel, die aber falsch kuvertiert waren, rausgenommen und separat gelegt wurden, um für die anstehende Bundestagswahl am Sonntag ihre Gültigkeit zu behalten. In Marktschellenberg gab es laut Auskunft nur wenige »Ausreißer«. Ein paar leere Zettel, falsche Kreuze, keine Kommentare. Ebenfalls ein Grund, warum der Wahlschein per Briefwahl an Gültigkeit verliert: ein nicht verschlossener Brief. Kilian Pfeiffer