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Das Leben der anderen

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»Spiegel«-Reporter« Alexander Smoltczyk befindet sich derzeit auf einer Deutschlandtour, um über das Leben von Asylbewerber zu recherchieren. In der Autolackiererei von Franz Graßl konnte sich Smoltczyk einen Überblick über die Arbeit der beiden Auszubildenden Achmed Alo aus Syrien (nicht auf dem Bild) und Quais Anwari aus Afghanistan verschaffen. (Foto: Wechslinger)

Schönau am Königssee – Derzeit bereist der »Spiegel«-Auslandskorrespondent Alexander Smoltczyk Deutschland und verschafft sich einen Überblick über die Situation von Asylbewerbern, vornehmlich in der Provinz.


Der Journalist wurde durch einen Bericht im »Berchtesgadener Anzeiger« über die beiden Auszubildenden Achmed Alo aus Syrien und Quais Anwari aus Afghanistan aufmerksam, die in der Lackiererei von Franz Graßl arbeiten.

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Der »Spiegel«-Reporter wählte für seine einmonatigen Recherchen in acht verschiedenen deutschen Regionen bewusst Provinzgegenden, weil er sich dort mehr Informationen erhofft als in den Ballungszentren. Vor zehn Tagen begann die Reise des Reporters in Altglashütten im Schwarzwald. Weiter ging es nach Hassloch in Rheinland-Pfalz, auch bekannt als Testmarkt der Gesellschaft für Konsumforschung. Die Bevölkerung von Hassloch stellt den Querschnitt der deutschen Menschen dar. Nächste Station war Gladbeck im Ruhrgebiet, ehe es nach Berchtesgaden ging. Zurzeit ist Alexander Smoltczyk bei seinen Recherchen nach Thüringen und Sachsen unterwegs. Danach folgen Brandenburg und Osnabrück.

Der Reporter legt die Reisen mit dem Zug zurück und nimmt sich für seine Recherchen vor Ort einen Mietwagen. »Das Wunderbare an meinen Reisen ist, dass ich nichts plane, sondern nur die Augen und Ohren offen halte. Dafür wird man belohnt, sowie in Berchtesgaden bei Lackierermeister Franz Graßl. Wenn man den einfachen Leuten zuhört und zuschaut, erfährt man sehr viel. Das ist ein großes Geschenk und deswegen liebe ich meinen Beruf so. Ich könnte natürlich auch nach Bautzen oder an andere Brennpunkte fahren, aber was soll ich da noch erfahren, was man nicht schon weiß.«

Bei seinem Besuch bei Lackierermeister Franz Graßl, der in seinem Betrieb zwei Flüchtlinge aus Syrien beziehungsweise Afghanistan beschäftigt, hat Smoltczyk viel aufgeschrieben. Begeistert zeigte er sich vor allem von Graßls urbayerischer Art. Nach seinen ersten Stationen stellte der Reporter fest, dass die Landbevölkerung bemüht ist, die Asylsituation zu meistern. Allerdings sieht der Journalist das Problem der Flüchtlinge darin, dass sie selbst nichts machen müssen, sondern alles für sie organisiert wird. Im Großen und Ganzen funktioniere die Integration aber. »Das Schöne an meinem Beruf ist, dorthin zu fahren, wo man noch nie war und Menschen zu treffen, die man sonst nie sehen würde. Genau so neugierig wie auf fremde Länder bin ich auf Deutschland und im Besonderen auch auf Bayern, das ich sehr schätze. Leute wie diesen Franz Graßl finde ich großartig. Ich werde versuchen, dem Leser die Farbigkeit und Melodie seines Ausdrucks zu vermitteln«, schwärmte der »Spiegel«-Reporter. Christian Wechslinger