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Das letzte Fest

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Für seine umgängliche Art beliebt und geschätzt: Kaplan Gerhard Wiesheu feiert heuer sein letztes Weihnachtsfest in Berchtesgaden. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Kaplan Gerhard Wiesheu ist mittlerweile seit zweieinhalb Jahren im Pfarrverband »Stiftsland Berchtesgaden« tätig und sehr gerne im Talkessel. Die Advents- und Weihnachtszeit mag der Geistliche gern, denn sie ist in Berchtesgaden mit vielen schönen Bräuchen verbunden. Er ist Weihnachtsschütze bei den Untersalzbergern und schießt mit, wenn es seine knapp bemessene Zeit erlaubt. Auch bei den Markterer Weihnachtsschützen schaut er gerne einmal zum »Christkindlanschießen« auf dem Lockstein vorbei. Heuer zum letzten Mal. Denn im September wird der Kaplan versetzt.


Auf seine Namensgleichheit mit dem ehemaligen bayerischen Staatsminister Otto Wiesheu angesprochen, sagt der Kaplan, dass der Name Wiesheu in seiner Heimat weit verbreitet sei – so wie hier Stangassinger, Lochner oder Kastner. Mit seinem Namensvetter ist er allerdings nicht verwandt. Gerhard Wiesheu ist ein Spätberufener, der zunächst 18 Jahre lang als Banker bei der Sparkasse tätig war. Der Weg hin zum Geistlichen war eine längere Entwicklung, zu der auch seine Oma beigetragen hat. Erste Verbindungen zur Kirche hatte er durch die Pfarrjugend in seiner Heimatstadt Moosburg und später als Pfarrgemeinderats- und Dekanatsratsvorsitzender. Auch durch die Freundschaft mit seinem damaligen Heimatpfarrer und jetzigen Domkapitular in München, Hans Georg Platschek, wurde die Verbindung zur Kirche immer intensiver.

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Mit Ende 30 habe er sich dann die Frage gestellt, ob er bis zum Rentenalter Banker bleiben möchte, und es entwickelte sich daraus der Weg hin zu einer geistlichen Berufung. Die Freundschaft zu Jesus und die Glaubenserfahrungen wurden intensiver und nach Rückfragen bei seinem Heimatpfarrer machte sich der jetzige Kaplan auf, Priester zu werden.

Die Liebe, die Gott ihm schenkt, an die Menschen weiterzugeben, das ist Kaplan Wiesheus Maxime – gemäß dem Ratschlag von Prälat Walter Brugger »Du musst Gott und die Menschen lieben.« Seine Nähe zu den Menschen zeichnet Kaplan Wiesheu besonders aus. Es ist für ihn wichtig, in jedem Menschen ein geliebtes Kind Gottes zu sehen, da die Verbindungen zu Gott ebenso individuell sind, wie es verschiedene Menschen gibt, erklärt der Kaplan. Die Kraft, den Menschen freundlich und zugewandt zu begegnen, schöpft der Geistliche aus dem Gebet und dem Evangelium, das eine frohe und frohmachende Botschaft ist.

Am Heiligen Abend stehen für den Kaplan viele Gottesdienste an. Nach der Kindermette wird die Vesper gebetet, zu Abend gegessen und dann mit der Familie und mit Freunden telefoniert. Dann geht es auch schon wieder weiter zur Feier der Christmette. Über die Feiertage gibt es jedoch auch ein Wiedersehen mit seiner Familie und alten Freunden in Moosburg.

In Berchtesgaden ist es schon etwas ganz Besonderes, vor allem das Brauchtum, das der Kaplan mag und woran er sich in den nächsten Jahren gerne zurückerinnern wird. Denn im September heißt es, auf eine andere Stelle zu wechseln. Noch weiß Kaplan Wiesheu nicht, wo ihn die Kirche hinschickt. Wenn es nicht allzu weit entfernt ist, kommt er sicher immer wieder gerne – besonders natürlich in der Advents- und Weihnachtszeit – hierher zu Besuch.

Und so feiert er dieses Weihnachtsfest auch mit etwas Wehmut, weil er die Menschen und die Bräuche schon vermissen wird. Christian Wechslinger