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»Das muss alles viel schneller gehen«

Haben sich angeregt unterhalten (v.l.): Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Landrat Georg Grabner und Dr. Axel Drecoll vom Institut für Zeitgeschichte. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden – Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat am Samstag die Dokumentation Obersalzberg besucht. Gemeinsam mit Landrat Georg Grabner machte er dort deutlich, dass die in Aussicht gestellte bauliche Erweiterung der Lern- und Erinnerungseinrichtung mit Kosten in Millionenhöhe weiterhin größte Priorität genießt – und schneller umgesetzt werden müsse, als bislang geplant. Deshalb gab es erst einmal Kritik.


Die Dokumentation Obersalzberg ist zu klein geworden. Ausgelegt für rund 35 000 Besucher, stürmen jedes Jahr rund 160 000 Gäste die Einrichtung am Berg. Innenminister Herrmann machte sich von dieser einen Überblick. Geführt wurde er vom Leiter der Einrichtung, Dr. Axel Drecoll vom Institut für Zeitgeschichte. Dieser zeigte Herrmann während der Privatführung, bei der auch Ehefrau Gerswid Terheyden und zwei Bodyguards mit dabei waren, die oberirdisch liegenden Teile sowie die Bunkeranlagen. Landrat Grabner begleitete den hohen Besuch aus München. Und machte sogleich deutlich, dass die Planungen für den Erweiterungsbau, der rund 17 Millionen Euro kosten wird, auf Hochtouren laufen.

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Ursprünglich war geplant, die Bauphase in den Jahren 2017 bis 2018 abzuschließen. Dem Landrat ist das zu spät. Wenn es nach ihm geht, »müssen wir deutlich früher fertig werden«. Kritik äußerte Grabner am Staatlichen Bauamt Traunstein, dieses habe eine »andere Zeitvorstellung in Sachen Bauzeiten«. Allein am Haus der Berge, dessen Verwirklichung sich über mehrere Jahre erstreckt hatte, sei dies gut erkennbar, so Grabner. Das Bauamt hatte in Sachen Dokumentation zunächst einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben. »Das Problem ist, dass man das Ergebnis am Ende so übernehmen muss, wenn man sich für einen Entwurf entschieden hat.« Ein Ideenwettbewerb hätte nach Ansicht des Landrats locker gereicht. Zumal dann mehr Mitsprache bei der Realisierung bestünde.

Innenminister Herrmann beschwichtigte: »Es ist, wie es nun mal ist.« Das klingt diplomatisch, doch seine Sichtweise ist klar: Ein Architektenwettbewerb ergebe nur eingeschränkt Sinn. »Der Baustil des Gebäudes ist bereits vorgegeben, die Erweiterung wird sich an diesen anlehnen müssen«, so der Minister. Herrmann erkennt darüber hinaus, dass eine mögliche Bauphase bis in das Jahr 2018 viel zu lange dauern würde. Denn immerhin würde es dann keinen beziehungsweise nur einen eingeschränkten Betrieb in der Dokumentation geben.

Laut Plänen soll die Dokumentation deutlich erweitert werden. »Um das Zweieinhalbfache«, sagt Landrat Grabner. Joachim Herrmann findet das gut. Der Einrichtungsleiter, Dr. Axel Drecoll, sagte, dass die Tage, an denen sehr viel los ist, ja erst anstünden. Dicht an dicht drängen sich dann Massen von Menschen durch die engen Gänge. »Bis zu 1 500 Besucher kommen an solchen Tagen in die Doku«, so Drecoll.

Zwei Varianten existieren für die Erweiterung. Eine scheint die Nase vorn zu haben: Die Dokumentation soll also in Richtung angrenzenden Wald erweitert werden. Detailpläne liegen noch nicht vor. Sicher ist, dass das Foyer für die Gäste um einiges größer werden muss. An guten Tagen reichen die Schlangen nach draußen, vor allem an Schlechtwetter-Tagen, wenn die Dokumentation ein beliebtes Ziel ist, wird es für die Wartenden eng. »Das ist untragbar«, sagte der Landrat und Innenminister Herrmann unterstrich dessen Aussage.

Die einstigen Museumsstandards, die bei der Eröffnung der Ausstellung Ende der 90er-Jahre noch aktuell waren, sind mittlerweile in die Jahre gekommen, wie Drecoll bestätigte. So müsste man auf wissenschaftlicher Ebene anpacken, das Konzept überarbeiten und die didaktischen Standards anpassen.

Herrmann ist der Ansicht, dass die Erweiterung deutlich schneller bewerkstelligt werden müsse, als bislang geplant. In München wolle er nochmals Rücksprache halten und den Druck erhöhen: »Das muss alles zügiger gehen, die Bauphase muss kurz bleiben.« Eine Schließung über einen langen Zeitraum könne man sich am Obersalzberg nicht leisten. Über zwei Millionen Besucher insgesamt zählt die Ausstellung bis heute, eine Million davon waren Schüler. Kilian Pfeiffer