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Das No-Go vom Nonntal

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Jesus Christus und »Flying Organic«: Zwei Schilder am denkmalgeschützten Schachernkreuz sorgen für Aufmerksamkeit. Foto: Archiv/Wechslinger
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Dieses Bild stammt aus Heiko Dossehs Zeit am Weinberg. Es zeigt eine fliegende Pflanze. Foto: Dosseh

Berchtesgaden – Zuerst fallen sie gar nicht auf. Auf den zweiten Blick erkennt man aber die beiden Schilder. Sie stehen direkt am Schachernkreuz im Nonntal hinter zwei Fenstergittern. »Flying Organic« steht darauf. Die Berchtesgadener wundern sich: Was hat das zu bedeuten? Eine Kunstinstallation? Werbung? Eine Sekte? Der »Berchtesgadener Anzeiger« fragte nach.


Heinz Krawinkel und Michael Koller haben das sogenannte Schachernkreuz im Nonntal vor Kurzem liebevoll wieder hergerichtet. Die Kreuzigungsgruppe aus dem 17. Jahrhundert steht unter Denkmalschutz. Doch dann das: Der neue Mieter, der in der Wohnung direkt hinter dem Denkmal wohnt, hat zwei Autoschilder mit der Aufschrift »Flying Organic« in die Fensterrahmen gestellt. »Das geht gar nicht«, ärgert sich Heinz Krawinkel. Auch Michael Koller ist nicht gerade begeistert. »Ich würde mich sehr freuen, wenn die Schilder wieder wegkommen würden«, sagt er.

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Keine Kunstinstallation

Heiko Dosseh, der mit seiner Familie seit Kurzem im Nonntal wohnt, beteuerte auf Nachfrage gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger«, dass es sich bei den Schildern weder um eine Kunstinstallation noch um Werbung für eine Sekte handle. Religiöse Gefühle wolle er damit ebenfalls nicht verletzen. »Ich habe mit Kirche nichts am Hut«, stellt der 41-Jährige klar. Außerdem habe er beobachtet, dass außer einzelnen Einheimischen sich kaum einer für das Schachernkreuz interessiert.

Um zu erklären, was denn dieses »Flying Organic« überhaupt bedeutet, muss Heiko Dosseh etwas weiter ausholen. Alles begann am Weinberg Reiler Mullay-Hofberg an der Mosel. Während eines Praktikums hat Dosseh intensiv mit einem Auszubildenden und späteren Freund »nachhaltige Gedanken« ausgetauscht. Sie waren beim Unkrautausreißen und fingen an, die herausgerissenen Pflanzen fliegen zu lassen. Unter anderem haben sich die beiden damals über Flugscheiben und Außerirdische unterhalten. »Durch das Zusammenfügen von Bild und Gedanke wurde der Name Flying Organic geboren«, erklärt Heiko Dosseh. »Flying Organic« bedeutet in etwa auf Deutsch »das fliegende Körperliche«. Die »teutsche« Formulierung zieht Heiko Dosseh inzwischen der »ausländischen« vor.

Die Schilder hat Heiko Dosseh übrigens früher wirklich als Autokennzeichen verwendet. Bis es ihm die Polizei verboten hat. »Die sind eben unbelehrbar«, sagt der 41-Jährige, »nicht nur die Leute, die bei der Firma mit der Wortmarke Polizei arbeiten. Dosseh pflegt seit Langem einen intensiven Schriftverkehr mit den Behörden.

Um die Bevölkerung über die Betrügereien durch Medien, Behörden und Internet aufzuklären, betreibt Dosseh seine Homepage flying-organic.de. Dort bezeichnet sich der gebürtige Flensburger als »kreativpraktischen Weisheitsfreund«.

Gegner im Internet

Der »Tilgerninger«, wie sich Dosseh auch nennt, hat im Internet viele Gegner, gegen die er sich wehren möchte. Zum Beispiel machen sich die User des sogenannten »Anti-Reichsdeppenforums« über ihn lustig. »Das ist lauter Unsinn«, findet Dosseh. Und überhaupt: »Das, was am kaltblütigsten, starrsten und beharrlichsten von Kleingeistern mordsmäßig und tatkräftig abgelehnt wird, ist wert, am gründlichsten untersucht zu werden«, lautet einer seiner Sinnsprüche.

Auf Ablehnung stoßen Dossehs Schilder jedenfalls bei Heinz Krawinkel und Michael Koller. Erste Gespräche mit ihm und seiner Frau hätten zu nichts geführt. Die Polizei sei laut Krawinkel für den Fall nicht zuständig. Deshalb will er sich nun an das Ordnungsamt und die Denkmalschutzbehörde wenden. Denn eines steht für Krawinkel fest: »Diese Dinger müssen da auf alle Fälle weg.« Christian Fischer

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