weather-image
13°

Das Weihnachtswunderland

3.5
3.5
Bildtext einblenden
Liebevoll dargestellt und alles selbst gemacht im weihnachtlichen Reich von Margit Stanggassinger. (Fotos: Pfeiffer)
Bildtext einblenden
Da stehen sogar noch Nikolaus und Krampusse – neben einem der vielen Christbäume.

Bischofswiesen – Wenn Margit Stanggassinger durch ihre weihnachtlich geschmückte Wohnung führt, fühlt man sich als Besucher fast schon in ein Land der Träume versetzt. Verschiedenste Weihnachtsbäume erwarten einen, große Krippen, Adventshütten mit Puppen. Gemein haben fast alle Accessoires, dass sie selbst gemacht sind. Vom Biskuit-Porzellan der Puppen, über deren Kleider bis hin zum Christbaumschmuck.


Der altdeutsch geschmückte Christbaum steht im Wohnzimmer. Das Licht ist gedämmt, im Hintergrund laufen deutschsprachige Weihnachtslieder. Margit Stanggassinger sagt, dass sie ein »absoluter Weihnachtsfan« sei. Nicht erst seit gestern, sondern seit Jahrzehnten. »Das alles hat sich nach und nach entwickelt«, erzählt sie. Seit der Jugend bastelt sie gern. Das Handarbeiten liegt ihr, es bereitet ihr Freude, kleine Dinge zu erschaffen – mit ideellem Wert. Dinge, die wiederum in ihrem Weihnachtsreich Verwendung finden. So auch der Christbaumschmuck am Baum im Wohnzimmer. Dort, wo sonst die Blumen stehen, wartet ein Baum mit ganz besonders alten Stücken, die meisten davon sind selbst gemacht. Selbst gemachte Strohsterne, Miniatur-Adventskränze, die in mühevoller Handarbeit aus den unterschiedlichsten Materialien zusammengestellt sind. »Früher bin ich von Geschäft zu Geschäft gefahren, habe geschaut, wo ich die Materialien alle herbekomme«, erzählt Margit Stanggassinger, die seit jeher gerne Puppen bastelt. Sie fertigt ihre kleinen Zeitgenossen aus Ton oder modelliert schon mal den Körper aus einem Drahtgestell.

Anzeige

Alles selbst gemacht

Oft setzt sie aber auf Biskuit-Porzellan, das sie selbst in Formen gießt, dann trocknen lässt, brennt und natürlich, das darf nicht fehlen, auch bemalt. Erst den gesamten Puppenkörper, damit dieser in Hautfarbe erstrahlt, dann geht es an die Feinheiten. Margit Stanggassinger setzt die Puppenaugen in die dafür vorgesehenen Höhlen, verschafft dem Puppengesicht mit Farben und Pinseln ein strahlendes Lächeln. Den Porzellankörper so lassen? Auf keinen Fall: All ihre Puppen tragen schöne Kleider, Dirndl oder auch mal Lederhosen. »Aus einem meiner alten Lederkostüme, habe ich eine Hose geschneidert, das gestreifte, bläuliche Dirndl der 30 Zentimeter hohen Puppe, die neben einem kleinen, schneebedeckten Tannenbaum wartet, ist aus echtem Dirndlstoff gemacht.« Jede Puppe bekommt eine eigene Perücke, manchmal einen schicken Hut, gefertigt nach Augenmaß. Oder eine Mütze. Das Ganze wirkt wie eine Momentaufnahme aus der Realwelt, umgemünzt auf eine Puppenwelt im weihnachtlichen Rahmen.

Auf der großen Fensterbank steht ein an den Berchtesgadener Advent erinnernder Stand, den ihr Mann damals noch gebaut hatte, eine Puppe steht hinter dem Tresen, verkauft kleine Accessoires, die Margit Stanggassinger über die Jahre hinweg gesammelt hat. Miniteller, holzgeschnitzter Christbaumschmuck. Das Szenario wirkt wie aus der Puppenstube, daneben steht eine echte Krippe mit schönen Holzfiguren, auf der anderen Seite ist der Christbaum mit dem selbst gebastelten Schmuck, den eigens verzierten Kugeln, den kleinen Feinarbeiten, ein Herz mit geklöppelten Spitzen. Styroporkugeln hängen hier, gehäkelte Engerl, Nelkenkranzerl. Natürlich habe das viel Zeit in Anspruch genommen, erzählt Margit Stanggassinger. Vor allem während der Herbstzeit sei sie immer viel beim Basteln gesessen.

Erst einer, dann zwei – und schließlich fünf Bäume

Begonnen hat Margit Stanggassinger mit einem Christbaum. »Irgendwann hatte ich für den gesamten gebastelten Schmuck aber keinen Platz mehr. Aus einem wurden zwei, dann drei. Mittlerweile sind es fünf große Bäume. Rechnet man die kleinen, die überall in der Wohnung verteilt sind, mit, kommt man bestimmt auf zehn Bäume. Vom Berchtesgadener Baum mit dem originalen Berchtesgadener Christbaumschmuck, über den altdeutschen Baum bis hin zum amerikanischen Ableger. »Mickymaus-Baum« nennt Margit Stanggassinger dieses Exemplar. Vielleicht auch, weil er so schön farbenfroh ist, viel Rot, viel Licht, untypisch für die hiesigen Gefilde.

Drei Wochen benötigt Margit Stanggassinger, im November beginnt sie bereits mit den Vorbereitungen für ihre Weihnachts-Wunderwelt. Dann geht sie auf den Dachboden, holt die Kartons und Tüten mit den unzähligen Accessoires, den Puppen, Krippen, dem Nachbau des Adventsmarkthäuschens. Sie freut sich jedes Jahr aufs Neue darauf, ihrer Leidenschaft, Weihnachten, nachzugehen, aufzubauen, zu gestalten, manchmal steht sie dann vor dem Christbaum im Wohnzimmer, betrachtet diesen, dekoriert um, »wenn mir was nicht gefällt. Da bin ich dann ganz für mich und erst dann zufrieden, wenn alles stimmt.« Die viele Arbeit, die sie in der Vorweihnachtszeit in die Wohnung steckt, wird aber belohnt. Margit Stanggassinger ist glücklich, wenn sie sich abends auf ihre Couch legt, im Kamin lodert das Feuer, Weihnachtsmusik erhellt die Stimmung. Es weihnachtet. Kilian Pfeiffer