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»Das werden wir brutal zu spüren bekommen«

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Einsam: Den Wirten am Hintersee stehen wegen der Wachterl-Vollsperre erst einmal ruhige Zeiten bevor. Foto: Anzeiger/Scheidsach

Ramsau – Die B 305 zwischen Schneizlreuth und Ramsau ist seit Februar aufgrund von Brückenbauarbeiten bis voraussichtlich Ende Juni gesperrt (wir berichteten). Für die Ramsau bedeutet die Vollsperre im Wachterlgebiet eine erhebliche Beeinträchtigung. Der »Berchtesgadener Anzeiger« wollte es genauer wissen und hörte sich bei den Verantwortlichen, Wirtsleuten und in örtlichen Betrieben um.


Wer von Nordwesten kommend in die Ramsau oder noch weiter möchte, der nimmt nicht selten die B 305, auf der die Bucherbrücke über dem Schwarzbach im Wachterlgebiet liegt. Wegen Teilerneuerungen an der 80 Jahre alten Brücke müssen Reisende und Berufspendler momentan den Umweg über Bischofswiesen oder Salzburg in Kauf nehmen. Die Bitte nach einer Behelfsbrücke wurde nach Prüfung des Staatlichen Bauamts als nicht realisierbar eingestuft. Auf den Ramsauer Straßen herrscht daher zwar deutlich ruhigerer Verkehr, allerdings fehlen den Wirtshäusern und Betrieben im Tal die Gäste auf der Durchreise. Immerhin passieren gewöhnlich rund 3 000 Fahrzeuge das Wachterl.

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Der Gasthof »Hindenburglinde« an der Ramsauer Alpenstraße wird hauptsächlich von Durchreisenden besucht. »Tagesgäste, die zum Kuchen essen und Kaffeetrinken kommen, werden natürlich weniger«, berichtet Inhaber Richard Resch. Zwar sei es derzeit »nicht so schlimm«, aber spätestens zur Osterzeit werde sich die Sperre bemerkbar machen. Bei Übernachtungen gäbe es größtenteils Reservierungen, bei denen der Umweg schon einkalkuliert sei, jedoch werde die Zahl an spontanen Anfragen und kurzfristigen Tagesübernachtungen »sehr wahrscheinlich zurückgehen«.

Ein Viertel weniger Gäste am Hintersee

Gerd Bartels junior vom »Alpenhof« am Hintersee hat ähnliche Bedenken: »Viele Leute wissen gar nicht, dass die Straße gesperrt ist und fahren dann nach dem langen Umweg nicht mehr zum Hintersee, sondern auf den Obersalzberg oder woanders hin«. Der Gasthof habe im März zwar generell immer ein paar Wochen geschlossen, dennoch seien am Hintersee mindestens ein Viertel weniger Touristen. Doch auch er könne erst zur Osterzeit eine genaue Zahl nennen, dann werden aber vermutlich der Ausflugsverkehr aus Tirol und die Motorrad-Rundfahrten fehlen. »Das werden wir brutal zu spüren bekommen«, klagt Bartels.

Für die »Nah und Gut«-Filiale in der Ramsauer Ortsmitte sei die Sperrung momentan nicht relevant, durch den wenigen Schnee und den eingestellten Bahnbetrieb am Hochschwarzeck sei sowieso allgemein weniger Geschäft, berichtet Inhaber Christian Gütling. Er müsse allerdings bis Ostern abwarten, um eine genaue Bilanz zu ziehen. Doch entscheidend für das Geschäft sei ohnehin das Wetter im Sommer.

Tagesgäste bleiben aus

Die Berufspendler, die gewöhnlich in Richtung Unterjettenberg fahren und morgens ihre Brotzeit in der Bäckerei Niedermayer kaufen, gehen dem Familienbetrieb seit einigen Wochen ab. Auch die Tagesgäste, die sonst den Weg in die Bäckerei finden, bleiben jetzt aus. »Die Leute gehen dann in Berchtesgaden zum Bäcker oder in ein Café und fahren nicht mehr extra zu uns in die Ramsau«, erklärt Junior-Chef Maximilian Niedermayer. Allerdings müsse auch er die Bergsaison im Sommer abwarten, um etwas Genaues sagen zu können.

Am härtesten trifft die 2 Millionen Euro teure Teilerneuerung das Wirtshaus »Wachterl«, direkt neben der Absperrung. »Bis Mitte Februar haben wir immer geschlossen. Über Fasching hatten wir das Wirtshaus geöffnet. Es kamen zwar einige Einheimische und Stammgäste, aber keine Fremden, weshalb wir danach wieder zusperren mussten«, sagt Wirtsfrau Helga Graßl. Die jetzigen Monate seien zwar generell eine »stille Zeit«, dennoch sei das »Wachterl« um diese Zeit »nie solange zu«, was natürlich Einbußen mit sich bringe. Auch ihnen würden hauptsächlich die Motorradfahrer und die Gäste am Hochschwarzeck und Hintersee fehlen.

Durch den Umweg sei der Weg zum »Wachterl« für Urlauber zu weit, »da fährt Niemand mehr bis ganz nach hinten zu uns«, erklärt Helga Graßl. Zwar werde das Team um Wirt Thomas Graßl auch diese Monate überstehen. Allerdings sollte nach der fast sechsmonatigen Sperre im Jahr 2007 durch den Orkan »Kyrill« die Straße an der Schwarzbachwacht »auch endlich fertiggestellt sein«. Am 11. April öffnet das Wirtshaus wieder und bietet vorher noch Kochkurse am 8. und 9. April an.

Gschoßmann: »Alles im Zeitplan«

Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann ist mit den Baufortschritten zufrieden:. »Weil das Wetter mitspielt und es sich um eine Tagesbaustelle handelt, an der von morgens bis abends und auch samstags gearbeitet wird, liegt alles im Zeitplan«. Das wurde Gschoßmann, der im regelmäßigen Austausch mit der verantwortlichen Baufirma und dem staatlichen Bauamt steht, beim letzten Treffen bestätigt.

Beschwerden von den Einheimischen gab es bisher keine: »Selbstverständlich ist niemand begeistert, aber die Notwendigkeit ist jedem bewusst. Wenn dort dann die nächsten 100 Jahre nichts mehr gemacht werden muss und es zeitgerecht verläuft, ist es auch für alle in Ordnung«. Für Irritationen sorgten lediglich die Sperrhinweise in Form massiver Beschilderungen, die zu Beginn an manchen Stellen bis in die Fahrbahn hineinragten. »Da hatte man den Eindruck, man darf gar nicht mehr in die Ramsau«, sagt Gschoßmann. Diese wurden auf Anraten der Bürger durch das staatliche Bauamt aber schnell wieder reduziert.

Vitus Danzl, Baudirektor beim Staatlichen Bauamt Traunstein, berichtet: »Wir haben hervorragend mit der Gemeinde zusammengearbeitet, wodurch die Bevölkerung und die Gäste wussten, was auf sie zukommt«. Der bisher reibungslose Bauverlauf hänge mit den guten Wetterbedingungen sowie dem entsprechenden Personal und den sehr gut ausgewählten Fachkräften und Subunternehmen zusammen.

Ein »Tag der offenen Baustelle« ist für den 9. Mai festgesetzt. Interessierte haben an diesem Tag die Möglichkeit, sich vor Ort Informationen über den Bauverlauf einzuholen. »Die Bürger sind eingeladen, an diesem Tag die Baustelle zu besichtigen«, verkündet Danzl. Die Bucherbrücke könne voraussichtlich Ende Juni zumindest in einer Spur für den Verkehr freigegeben werden. Die endgültige Fertigstellung sei für August geplant. Beni Scheidsach