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Dem Birkwild auf der Spur

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Korbinian Häuslschmid koordinierte die Birkwild-Erhebung. (Foto: Pfeiffer)
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77 Birkhähne wurden dieses Jahr gesichtet. Der Untersberg war dabei das Gebiet mit der höchsten Populationsdichte. (Foto: privat)

Berchtesgadener Land – Eine groß angelegte Birkwild-Erhebung im Forstbetrieb Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforste, der sich über das Berchtesgadener Land, den Rupertiwinkel und das östliche Chiemgau erstreckt, ist erfolgreich abgeschlossen worden. »Die Birkhähne waren dieses Jahr sehr aktiv«, sagt der Überseer Korbinian Häuslschmid, der die Aktion koordinierte.


Zum zweiten Mal überhaupt hat der Forstbetrieb Berchtesgaden ein Birkhuhn-Monitoring durchgeführt und dieses Mal deutlich mehr Sichtungen verzeichnet. Wurden im vergangenen Jahr 59 Birkhähne, besser bekannt als »Kleiner Spielhahn«, registriert, schnellte die Zahl in diesem Jahr auf 77 hoch. »Wir waren an 33 Balzplätzen gleichzeitig unterwegs«, sagt Häuslschmid.

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Insgesamt waren an der Erhebung knapp 40 Personen beteiligt, die in den frühen Morgenstunden aufbrachen, um das Birkwild im gesamten Forstbetrieb Berchtesgaden zu sichten. Die Forstbetriebsmitarbeiter, die von Vertretern vom Landesbund für Vogelschutz begleitet wurden, trafen sich in Weißbach, auf dem Schlegel, dem Lattenberg, der Reiter Alm, am Untersberg, auf dem Obersalzberg, in Inzell und auf dem Jenner. »Wir versuchen, unserer Verantwortung nachzukommen«, sagt Häuslschmid, der bei der Populationsentwicklung bei Bedarf nachhelfen möchte. Denn im Zuge großer Bauvorhaben, wie zum Beispiel am Jenner, ist so mancher Birkwild-Lebensraum in Gefahr. Zwar sind die Tiere sehr anpassungsfähig, dennoch ist es den Bayerischen Staatsforsten ein Anliegen, dass die Tierart weiterhin existiert. Langfristig möchte man am Forstbetrieb den Birkwildbestand erhalten und erhöhen, wie Forstbetriebsleiter Daniel Müller in Aussicht stellt.

Ende April bis Mitte Mai findet die alljährliche Balz des seltenen Raufußhuhns statt. »Manchmal verzögert sie sich auch in den Juni«, sagt Häuslschmid. Vereinzelt gibt es auch Birkhähne, die bis in den Juli hinein balzen. Vor zwei Jahren fand am Hochschlegl eine Maßnahme zur Lebensraumverbesserung in Zusammenarbeit mit der Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz statt. Damals entschied man sich auch, das Birkwild regelmäßig zu erheben, um den Bestand immer im Auge zu behalten.

Häuslschmid war dieses Jahr mit Revierleiter Christian Lischka auf der Mordaualm. »Wenn wir wissen, dass ein Platz vom Birkwild gut angenommen wird, versuchen wir, keine forstwirtschaftlichen Eingriffe mehr durchzuführen.« Besonders gern treiben sich die Tiere während der Balz auf Latschenflächen oder den Freiflächen zwischen den Latschenfeldern herum. Sie besiedeln eher offene, locker mit Gebüsch und Bäumen durchsetzte Landschaften. Besonders für die Balz werden weite, offene und kurzwüchsige bis vegetationslose Flächen benötigt. »Ein Hotspot ist auf jeden Fall der Untersberg«, sagt Häuslschmid. Auch auf der Reiter Alm gibt es besondere Plätze, die stark frequentiert werden. Am Jenner sind es heuer neun Birkhähne. »Sie verteilen sich auf großen Flächen im Gebiet«, sagt Häuslschmid.

Abhängig vom Wetter und dem Fortschritt der Balz kann es sein, dass die Birkhähne nicht sehr aktiv sind. »Auf der Mordaualm haben wir dieses Jahr in vier Stunden keinen einzigen gesehen, nur einen gehört«, sagt Korbinian Häuslschmid. Der Platz sei kein klassisch guter Ort, weil es sich um einen Randbereich handelt. Die Aktionsteilnehmer am Untersberg waren da schon erfolgreicher. Gleich 24 Birkhähne wurden registriert. »Da ist es dann manchmal schwierig, alle auseinander zu halten«, sagt er. Waren im vergangenen Jahr die Wetterbedingungen eher kontraproduktiv, konnten sich die Forstbetriebsmitarbeiter dieses Jahr nicht über zu schlechtes Wetter beschweren.

Koordinator Häuslschmid sagt: »Das ist jedes Mal ein besonderes Erlebnis, wenn man in den frühen Morgenstunden aufbricht, um die Balz mitzuverfolgen.« Die Erhebungen gingen um 4 Uhr morgens los und dauerten bis halb acht. Im Optimalfall balzen die Birkhähne rund drei Stunden durch, sie flüchten aber spätestens dann, wenn etwa ein Adler unterwegs ist.

Auf der Kohler Alm konnten dieses Jahr fünf Sichtungen registriert werden, am Lattenberg elf, auf dem Obersalzberg und der Umgebung zehn. Häuslschmid geht aber davon aus, dass es letztlich deutlich mehr Birkwild gibt, als die gezählten 77 Hähne. »Nicht alle balzen immer.« Die Hennen halten sich meist gut versteckt, zudem gibt es mehrere Flächen, die in die Erhebung nicht einfließen. Im nächste Schritt werde nun beratschlagt, inwiefern man beim Populationserhalt unterstützend eingreifen kann, sagt Häuslschmid. Kilian Pfeiffer