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Demonstrationen verlaufen laut, aber friedlich

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»Lieber solidarisch als solide arisch«, meinten die Gegendemonstranten. (Fotos: Zehentner Flores)
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Demonstranten der AfD auf ihrem Marsch durch die Freilassinger Innenstadt.

Freilassing – Etwa 1 000 Demonstranten sind am Samstag zu einer Protestveranstaltung der »Alternative für Deutschland« nach Freilassing gekommen. Nach einer Kundgebung auf dem Rathausplatz formierte sich ein langer Zug. Begleitet von einem starken Polizeiaufgebot und von wütenden Gegendemonstranten, die »Nazis raus« schrien, marschierten die AfD-ler durch die Innenstadt.


Zur gleichen Zeit fand in der Martin-Oberndorfer-Straße neben der Rupertuskirche eine Gegendemonstration statt, zu der politische Parteien und Gewerkschaften, kirchliche Verbände und Wohlfahrtsorganisationen eingeladen hatten. Die Devise lautete: »Freilassing setzt Zeichen: Mitmenschlichkeit statt Hetze.« Unter den Teilnehmern waren auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler, Günter Zellner, Regionsgeschäftsführer Oberbayern im DGB, und Geistliche von beiden großen Konfessionen.

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Mit deutlichen Worten warnten die AfD-Redner – Dieter Kühne aus Freilassing und Stephan Porschka, AfD-Vorsitzender in Niederbayern – vor dem unkontrollierbaren Flüchtlingsstrom, der über Deutschland hereingebrochen sei, vor eingeschleppten Krankheiten und wachsender Kriminalität. Der Bundesregierung warfen sie einen ständigen Rechtsbruch vor, Bundeskanzlerin Angela Merkel forderten sie zum Rücktritt auf. Auch gegenüber der Presse fand Porschka starke Worte: Diese berichte mit keinem Wort darüber, dass Asylanten in Reisbach eine Frau vergewaltigt hätten. Die wütende Menge reagierte mit empörten Rufen: »Lügenpresse! Lügenpresse!«

Ein starkes Polizeiaufgebot trennte die nur etwa 100 Meter voneinander entfernten Demonstrationen. Diese waren zwar lautstark, verliefen aber friedlich. Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, äußerte sich hinterher sehr zufrieden: Nennenswerte Zwischenfälle habe es nicht gegeben. Es sei zu einer einzigen vorläufigen Festnahme gekommen, weil ein Mann eine Frau beleidigt und verbotene Gegenstände bei sich geführt habe.

Erster Redner der Gegendemonstration war der evangelische Stadtpfarrer Ewald Seißler, der an das Mathäus-Evangelium erinnerte: »Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.« In der Bevölkerung die Angst vor den Flüchtlingen zu schüren, sei ein schlechter Ratgeber. Die Hilfsbereitschaft in Freilassing sei großartig, »aber auch grenzwertig überstrapaziert«.

Günter Zellner vom DGB sagte, es sei unerträglich, dass man heute für Menschlichkeit demonstrieren müsse. Es sei eine Lehre aus der deutschen Geschichte, dass demokratische Kräfte gegenüber Rechtsextremen entschieden auftreten müssten. »Uns ist nur eines fremd: Menschenverachtung und Ausländerhetze!«

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler rief den Demonstranten zu, sie finde es hervorragend, dass so viele gekommen seien, um ein Zeichen zu setzen. »Ich bin stolz auf Freilassing!«

»Ich bin stolz, sagen zu können, ich wohne in Deutschland«, sagte ein Asylant, der in Freilassing eine neue Heimat gefunden hat. Erst von den Deutschen habe er gelernt, »dass ich in erster Linie ein Mensch bin. Das finde ich super.«

»Es geht heute nicht um die AfD. Es gibt keine Alternative für Deutschland. Es gibt keine Alternative zum Rechtsstaat«, meinte der evangelische Pfarrer Eberhard Zeh aus Laufen. Es sei falsch, Flüchtlinge in Internierungslager zu stecken und mit Grenzzäunen abzuhalten. Denn diese seien keine Verbrecher, sondern Opfer von Krieg und Gewalt. Es sei eines Rechtsstaates unwürdig, den gesellschaftlichen Druck auf sie abzuladen. Was könne einer dafür, in Syrien oder in Afghanistan auf die Welt gekommen zu sein oder sonst wo, wo Krieg und Chaos herrschten? Das habe niemand verdient. Deutschland brauche jetzt engagierte Helfer, die das wahre freundliche Gesicht der Nation zeigen. Zeh: »Ich bin dankbar, dass wir helfen können. Und das ist wirklich die Alternative für Deutschland.« Kenlly Zehentner Flores