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Den Nationalpark vor der Linse

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Im neuen Kalender zeigt Hans Stanggassinger den Nationalpark wieder von seinen schönsten Seiten. (Foto: Rothenbuchner)
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Der »Hobiweiher«, in dem sich der Watzmann und die Sonne spiegeln, gefällt Hans Stanggassinger besonders gut. (Foto: Stanggassinger)

Berchtesgaden – Er ist mittlerweile zu einer beliebten Tradition geworden, der Nationalpark-Kalender, den der »Berchtesgadener Anzeiger« in Kooperation mit der Nationalparkverwaltung druckt. Die Fotos dafür stammen zum größten Teil von Hans Stanggassinger. Er arbeitet seit 38 Jahren in der Nationalparkverwaltung und ist seit seiner Kindheit leidenschaftlicher Fotograf. Im neuen Kalender gefällt ihm besonders das Bild für den Juli: eine Aufnahme des sogenannten »Hobiweihers«, in dem sich der Watzmann spiegelt. Der Kalender hat aber noch mehr besondere Ein- und Ausblicke zu bieten.


Für den Titel des Kalenders wählte der Verlag in der Vergangenheit stets ein Naturschutz-Bild. 2016 war es der Adler, 2017 ist es das seltene Edelweiß. »Für das Foto bin ich mehr oder weniger in der Unterkannte Gras gelegen«, erzählt Stanggassinger über das Bild. Man muss für Fotos Situationen erfassen, die der Betrachter sonst nicht sehen würde, so seine Ansicht. »Deshalb bin ich für dieses Bild eben unter der Grasnarbe gelegen. Der Betrachter sieht ein Edelweiß gewöhnlich von oben.«

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Die Bilder der einzelnen Monate zeigen ganz unterschiedliche Motive, von Landschaften bis zu Detailaufnahmen. Im Februar ist etwa das eingeschneite Klausbachhaus zu sehen. »Die Steine oben am Dach ergeben ein nettes Bild, weil sie so wunderschön zugeschneit sind«, sagt Stanggassinger über das Bild und erklärt noch ein paar Einzelheiten: »Rechts hinter dem alten Bauernhaus ist ein kleines Gebäude, ein sogenannter ›Rindenkobel‹. Das war die erste, absolut primitive Übernachtungsmöglichkeit für Holzknechte. Über dem Haus sieht man im Hintergrund den Teufelskopf, die Mühlsturzhörner und das Wagendrischlhorn.«

Roßfeldkreuz vor orangerotem Himmel

Das Foto für den April bringt auch einen kulturellen Aspekt mit. »Wir versuchen, immer wieder aufs Jahr einzugehen. Nächstes Jahr ist Ostern ja erst sehr spät.« Deshalb zeigt das Foto das Roßfeldkreuz vor orangerotem Himmel. »An manche Situationen, in denen ein Bild entsteht, erinnere ich mich gerne – zum Beispiel an diesen Sonnenaufgang«, erzählt Stanggassinger.

Auch im Juni ist ein Teil heimischer Kultur zu sehen. Die seltener werdenden Heumandl mit dem Hochkalter im Hintergrund. »Die Heumandl sind ein wunderschönes Landschaftselement, das leider immer mehr verschwindet«, so Stanggassinger über sein Bild.

Der berühmte temporäre See

Im Folgemonat ist dann das Lieblingsmotiv des Nationalparkfotografen zu sehen. Der temporäre See, der berühmt dafür ist, dass sich in ihm der Watzmann spiegelt. Der »Hobiweiher«, wie Stanggassinger sagt, hält oft nur für drei Tage. Bilder wie dieses entstehen bei ihm deshalb oft gezielt. »Der Weiher entsteht ja nur, wenn es zuvor sehr viel geregnet hat. Dann rennt man schon umeinander und schaut, ob dieses Phänomen auftritt.« Oft sucht er nach etwas Konkretem, doch dabei entstehen natürlich auch zufällige Bilder. »Man sollte deshalb immer einen Fotoapparat dabeihaben.«

Eine Fotografie, die Hans Stanggassinger auch gern am Titel gesehen hätte, erwartet den Betrachter im September: Sie zeigt einen umgekippten Wurzelteller an der Watzmann-Westseite, mit Blick zum Hochkalter. »Dieses Bild ist wieder absolut nationalparkkonform. Der Wildnisfaktor wird ja auch bei der Umweltbildung stark eingebaut. ›Die Natur sich selbst überlassen‹ ist das Credo der Nationalparkverwaltung.«

Eine schöne Detailaufnahme ist im November zu bewundern: Eine Distel. »Man sieht den Fruchtstand und noch ein paar Restblüten, wie es im November so ist.« Hans Stanggassinger erinnert die Aufnahme an eine wichtige Voraussetzung beim Fotografieren: »Man braucht Zeit dazu. Wenn man jemanden dabei hat, der keine Zeit oder Geduld mitbringt, ist das anstrengend.«

Früher waren im Nationalpark-Kalender hauptsächlich die Klassiker-Motive, beispielsweise Berchtesgaden mit Watzmann, zu sehen. Mittlerweile sind sie seltener geworden, im Dezember hat sich jedoch wieder ein Schönes eingeschlichen: die verschneite Bartholomäkirche mit dem angebauten Wirtshaus. Entstanden ist das Bild während einer der »Stille Nacht«-Lesungen, die Hans Stanggassinger in der Adventszeit hält. Allerdings hat nicht er selbst das Bild gemacht, sondern Wolfgang Feiga, der die Lesungen fotografisch begleitete. »Der Verlag wünscht sich immer ein weihnachtliches Motiv und das Bild fängt die Stimmung außen sehr gut ein.«

Der Kalender zeigt auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Facetten der heimischen Landschaft. Einer Landschaft, die man, so Stanggassinger, weiterhin schützen muss, damit sie noch für viele Generationen lebenswert bleibt. »Ich selbst hatte das Glück, von Anfang an im Nationalpark dabei zu sein. Es war eine wahnsinnig interessante Zeit.« 38 Jahre sind es geworden, Ende September wird Hans Stanggassinger in Pension gehen. Seine Leidenschaft für Natur und Fotografie dürfte ihn aber auch weiterhin begleiten.

Der Nationalpark-Kalender ist unter anderem in der Geschäftsstelle des »Berchtesgadener Anzeigers«, bei Fuchs Schreibwaren und in mehreren Tourist-Infos erhältlich. Alexandra Rothenbuchner