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Den Weg durch die Zeit transparent machen

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Die Gründungsmitglieder wurden bei der Feierstunde geehrt (v.l.): Rudolf Schaupp, Irmgard Schöner-Lenz, Hans-Jürgen Zimmermann, Fritz Schelle, Alfred Spiegel-Schmidt, Bärbel Sigl, Konrad Knoglinger und 1. Vorsitzender Johannes Schöbinger. Fotos: Anzeiger/tj
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Landrats-Stellvertreter Rudolf Schaupp (l.), Vereinsvorsitzender Johannes Schöbinger und Museumsleiterin Friederike Reinbold freuen sich über die restaurierte Pieta, die im Heimatmuseum künftig zu sehen ist.

Berchtesgaden - Die Bewahrung von Geschichte ist ein hehres Ziel, das nicht nur auf den Einsatz von Geld angewiesen ist, sondern vor allem auf das Engagement ehrenamtlicher Helfer. Wie gut dies funktionieren kann, zeigt der Verein der Freunde des Heimatmuseums Berchtesgaden. Seit zehn Jahren hat diese Einrichtung nun schon einen eigenen Förderverein und in dieser Zeit ist vieles passiert, ideell wie materiell. Mit einer Feierstunde im Schloss Adelsheim wurde dieses Jubiläum begangen und unter Beweis gestellt, dass man dem Anspruch gerecht geworden ist: »Den Menschen von heute ihre Herkunft vor Augen führen, den Weg durch die Zeit transparent machen«, wie es Landrats-Stellvertreter Rudolf Schaupp formulierte.


Die Begrüßung vor voll besetzten Stuhlreihen fiel 2. Vorsitzendem Dr. Hermann Amann zu. Der freute sich über die zahlreich erschienenen Ehrengäste, wie etwa Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp, Museumsleiterin Friederike Reinbold und fast alle Gründungsmitglieder des Fördervereins. Für alle, die den Freunden des Heimatmuseums in irgendeiner Form dienlich waren und sind, hatte Amann ein freundliches Bonmot parat; so gab er Landrats-Stellvertreter Rudolf Schaupp die Bitte mit, auch weiterhin die Bedeutung des Heimatmuseums als Einrichtung des Landkreises in den Kreistag zu tragen - »vor allem, wenn unsere Einrichtung mal wieder als finanzielle Last erscheint; das Museum, das Gewinne abwirft, ist noch nicht erfunden«.

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Schaupp selbst bestätigte, dass der Einsatz für Kultur und Geschichte oft ein gewisses Maß an Hartnäckigkeit erfordert: »Es war nicht immer leicht, die Skeptiker zu überzeugen, dass dieses Heimatmuseum wichtig für den ganzen Landkreis ist.« Der Landrats-Stellvertreter, selbst Gründungsmitglied, lobte die Gründung des Vereins vor zehn Jahren als wichtige Entscheidung für das Heimatmuseum: »Alle Versprechen, die damals gegeben wurden, sind eingehalten, vielleicht sogar übertroffen worden. Der Verein belebt das Kleinod Schloss Adelsheim und es ist mittlerweile in die Köpfe eingegangen, dass hier etwas Wichtiges geschaffen wurde.«

Diesen Faden griff Bürgermeister Rasp auf, der sich in seiner Grußadresse kurz und spendabel zeigte: »Die Verankerung in der Bevölkerung ist ein ganz wichtiger Aspekt. Der Verein der Freunde des Heimatmuseums beweist, dass die Menschen dahinter stehen. Ich danke allen für ihr Engagement und wünsche für die Zukunft weiter kluge Köpfe und tatkräftige Hände.« Aus seinen Händen konnte 1. Vorsitzender Johannes Schöbinger schon mal einen Umschlag mit einer Spende der Gemeinde entgegennehmen.

Dem Vereinsvorsitzenden war auch der Hauptteil der Feierstunde vorbehalten, nämlich ein Festvortrag über einen der prominentesten Bewohner von Schloss Adelsheim: den letzten Fürstpropst von Berchtesgaden, Josef Conrad von Schroffenberg. Viel Beifall dankte Schöbinger für seine mit zahlreichen Illustrationen unterlegten Ausführungen, die einen interessanten Blickwinkel auf Berchtesgaden und seinen letzten Fürstpropst ermöglichten.

Besonderes Augenmerk schenkte die Festgemeinde auch den folgenden Ehrungen. Fast alle Gründungsmitglieder waren gekommen und ihren Einsatz würdigte der Vorsitzende im besonderen Maße: Friederike Reinbold, Irmgard Schöner-Lenz, Bärbel Sigl, Konrad Knoglinger, Dr. Josef Maidl (war krankheitsbedingt verhindert), Rudolf Schaupp, Fritz Schelle, Hans-Jürgen Zimmermann sowie Alfred Spiegel-Schmidt für den Verein für Heimatkunde. Schöbinger dankte ihnen für die Vereinsgründung, ihre Mitarbeit und nicht zuletzt ihre »beispielgebende Einstellung zu unserem Heimatmuseum«. Statt der üblichen Dankurkunde bekamen die Gründungsmitglieder ein ganz besonderes Präsent: ein altes Wachsmodel, der im Depot gefunden wurde, hat Fritz Schelle zum Tonmodel umfunktioniert und gebrannt - und somit eine bleibende Erinnerung für die »Gründerväter« geschaffen.

Als letzte Gabe hatte Schöbinger noch etwas, das künftig als Zierde im Heimatmuseum zu bewundern sein wird. Der Verein hat eine spätgotische Pieta restaurieren lassen, die nun in Schloss Adelsheim zu sehen ist. Gemeinsam mit einer ausführlichen Dokumentation über die Restaurierungsarbeiten wurde die Pieta Museumsleiterin Friederike Reinbold zu treuen Händen übergeben. Im Anschluss an den Festakt wurde dieses im alten Glanz erstrahlende Stück zunächst ausgiebig begutachtet, bevor die Freunde des Heimatmuseums den Abend in geselliger Runde ausklingen ließen. tj