weather-image
29°
Kongresshausleiter Sepp Wenig über den schwierigen Spagat zwischen Umbau und Veranstaltungsorganisation

Der Überlebenskampf an verschiedenen Fronten

Berchtesgaden – Kongresshauschef Sepp Wenig kam nicht mit Baustaubresten in den Haaren zum Edelweiß-Kaffee, der Interviewreihe des »Berchtesgadener Anzeigers«. Immerhin geht es noch hoch her in seinem Haus, doch zwischen die unvermeidlichen Bohr- und Schlaggeräusche bei einer so umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeit wie im Kongresshaus mischen sich auch immer wieder sanftere Klänge, in Wort und Ton.

Sepp Wenigs Arbeitsplatz ist zurzeit noch eine Baustelle.
Kongresshausleiter Sepp Wenig (l.) stand »Anzeiger«-Mitarbeiter Dieter Meister beim Edelweiß-Kaffe Rede und Antwort. (Fotos: Rothenbuchner)

Neben der Baustellenatmosphäre findet beispielsweise auch Kultur statt, tagen unbehelligt Firmen und Organisationen, die Stammgäste sind und nicht durch Umbauten vertrieben werden sollen, oder, wie im Fall des evangelischen Siedlungswerkes, ihr Zurückkommen ohne Einschränkungen und eventuelle Reue als richtig empfinden. Es läuft also fast normal das Programm eines Kongresshauses ab. Was natürlich einen besonderen Einsatz des Personals erfordert. Darüber und über mehr noch zu sprechen, war Sepp Wenig, der die Arbeit im Haus koordiniert und verantwortet, zur Kaffee-Stunde ins Hotel »Edelweiß« gekommen.

Anzeige

Die Bauarbeiten waren zeitlich früher geplant, begannen aber erst 2014. Da gab es verpflichtende Verträge, Termine, die eingehalten werden mussten, auch, weil man die jeweiligen Veranstalter im »neuen« Haus wiedersehen wollte.

Das Programm hinter der Trockenbauwand

»Ab dem 15. September war Vollbetrieb im Haus. Wir haben im Foyer eine Trockenbauwand eingezogen. Auf der einen Seite liefen die Bauarbeiten, dahinter spulte sich das übliche Programm ab«, sagt Sepp Wenig und betont, dass dies für die Mitarbeiter im Kongresshaus weit schwieriger war als zuvor. »Die Wege waren natürlich ungleich länger und teilweise schwieriger.« Man habe es geschafft, mit großer Anstrengung seitens des Personals. »Die Tagungsgäste haben davon gar nichts gemerkt.« Vielleicht habe jemand mal von Ferne das Geräusche einer Bohrmaschine gehört, aber ernsthaft gestört habe es niemanden.

Das Veranstaltungsprogramm, das einen in der Regel einjährigen Vorlauf hat, wurde abgearbeitet, teilweise improvisiert und dann etwas gedrosselt. Die Tagungsbuchungen haben sogar meistens einen zweijährigen Vorlauf und mussten deshalb unbedingt über die Bühne gehen. »Wer zufrieden abreist, kommt wieder«, sagt Wenig und zählt nicht ohne Stolz eine ganze Reihe von Veranstaltern auf, die Berchtesgaden als Aufenthalt und das Kongresshaus als Tagungsstätte nutzten wie das »Microsoft Test Center Berlin«, die Bundesvereinigung deutscher Stahlrecycler, die deutschen Asphaltspezialisten und jene, die nach mehrjähriger Abstinenz zu ihrem »Lieblingskongressort« nach Berchtesgaden zurückkehrten, wie das evangelische Siedlungswerk oder der Verband deutscher Seilbahnen und Schlepplifte. Mit den meisten dieser Veranstalter habe man eine schon lange währende Superzusammenarbeit, was sich nicht zuletzt in der jeweiligen Treue zu Berchtesgaden ausdrücke.

Vom Adventssingen bis zum Neujahrsempfang

Berechtigter Stolz ist auch aus Sepp Wenigs Schilderung zu hören, was die unter schwierigen Bedingungen befahrene Veranstaltungsschiene betrifft, waren doch solche »Riesenbrocken« wie das traditionelle Adventssingen mit insgesamt vierstelliger Besucherzahl dabei, Heimatabende, Neujahrsempfang oder das Frühlingssingen, ganz abgesehen von den kleineren Events wie Puppentheater, Dia-Vorträge und anderes. »So arbeiten wir uns wacker durch das Jahresprogramm«, sagt Sepp Wenig. Und auch, dass Berchtesgaden ein kulturell schwieriges Pflaster sei, wo man zwar allmonatlich etwas Attraktives anbieten muss, sich aber dann nie sicher sein kann, ob das Angebot angenommen wird und Geld in die Kasse kommt.

Das Gröbste scheint jetzt überstanden zu sein bezüglich der Bauarbeiten am und im Haus. Im kommenden Jahr ziehen die Bauarbeiten in den Außenbereich, einschließlich Kurgarten. Also ist die schwierige Zeit für Sepp Wenig und sein Team längst nicht zu Ende. Aber, das kann man ihm ansehen, es ist auch schon viel Vorfreude sichtbar auf die Arbeit im Kongresshaus, das nicht nur optisch aufgehübscht wurde, sondern auch funktional verbessert. Es sei schon ein Fortschritt, wenn der Große Saal dann von der Friedhofseite begehbar ist und somit Kulissen und andere schwere Ausrüstung nicht mehr den langen Weg über den Verbindungsbau nehmen müssten. Freuen kann sich der Kongresshauschef auch auf das neue Café im bisherigen Lesesaal mit Terrassen zur Straßenseite und in den Kurgarten ragend oder die neue Tourist-Information.

»Es ist alles ganz anders als zuvor«, schwärmt Sepp Wenig und verweist auf den bereits in Betrieb genommenen Vorbereich des Kinos, auf die in der Nähe neu installierten und behindertengerecht ausgestatteten Toiletten und den dazugehörigen Aufzug.

Das neue Haus mit Leben füllen

Die umfangreichen und letztlich erfolgreichen Bauarbeiten sind ein Teil, der andere, nicht minder wichtige, ist wohl, das »neue Haus« mit Leben zu füllen. Mit möglichst viel Leben, meint Wenig, um die traditionellen finanziellen Defizite zu senken und flach zu halten und gleichzeitig einem künftigen Publikum Schönes anzubieten. Die Kongresse sind dabei für Sepp Wenig ein ganz wichtiger Aspekt. Ein Trumpf ist der Große Saal, der in seinen Ausmaßen in großem Umkreis einmalig sei, sagt er. Dazu stehen in Zukunft der Kleine Saal und weitere Konferenzräume zur Verfügung, die ein äußerst variables Agieren möglich machen.

Dem finanziellen Aspekt der Akquirierung, der Werbung, habe man bisher wenig Raum gegeben, da sei Nachholbedarf. Gute Veranstaltungen und dazu ein stärkerer Besucherzulauf, das wolle er im Auge behalten. Dazu bedürfe es auch mehr Werbung. Und wer sich einmal im Kongresshaus wohlgefühlt habe, der kommt auch gern wieder. Sagt Sepp Wenig. Dieter Meister