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Der Aufmarsch des Schönen und Skurrilen

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Der Marktschellenberger Künstler Dieter Barth stellt aktuell in Anif seine Werke aus. (Fotos: Meister)
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Es ist angerichtet.

Anif/Marktschellenberg – Der Obmann für Bildende Kunst persönlich, so etwas gibt es tatsächlich, stellte den Maler Dieter Barth im »Haus der Kultur« in Anif vor. Aus dem Berchtesgadener Land waren gewohnt viele willig der Einladung zur Eröffnung der aktuellen kleinen Werkschau des Marktschellenbergers gefolgt und mischten sich mit den Kunstfreunden der Nachbarschaft. Dieter Barth präsentiert hier unverwechselbar Gewohntes und auch Neues. Abstraktes gibt es nicht, betonte der genannte Obmann und nahm wohl aus eigener Erfahrung »seinen Leuten« die Angst vor einem möglichen Kunstschock. Skurril aber schon ein wenig, ein paar Prisen Verschmitztheit dazu und Nachdenkenswertes. Echte Barths eben.


»Wenn ich wüsste, was Kunst ist, ich würde es für mich behalten«, sagte Dieter Barth zur Eröffnung seiner Ausstellung, ein wenig kokett Picasso zitierend. Er erklärte also Kunst nicht, doch er zeigt im Obergeschoss des fast neuen Gebäudes seine Kunst. Und überrascht wieder einmal die, die seine Bilder längst mit routiniertem Blick sehen lernten, mit einigen neuen, gewohnt hintersinnigen und gelegentlich mit skurrilem Gedankengut angereicherten Werken, fast noch farbfrisch, und gewinnt gleichzeitig neue »Fans« dazu.

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Eine Meeresbucht, gesäumt von schmucken Häusern, die allerdings bei genauem Hinsehen dem Zerbröselvirus geweiht sind, und ganz vorn, unmittelbar am Wasser, ein Liebespaar, das die paradoxe Idylle karikiert. Ein viel kleineres sanfteres Gewässer in anderem Bild. Reminiszenz an die Gastgeber, das Wasserschloss von Anif, strahlend schön und gerade im Begriff, vom Wasser vereinnahmt zu werden. Das ist Dieter Barth, wie man ihn lange kennt. Und sehr mag. Wer die Überraschung beim Betrachten nicht einkalkuliert, kann oft daneben liegen.

Tatsächlich präsentiert Dieter Barth auf relativ kleinem Raum wieder einmal üppige Vielfalt. Vom Betrachter wird Bereitschaft gefordert, sich einzulassen und auch den zweiten Blick auf Barths komponierte Fabelwelten zu werfen. Des Künstlers ganz eigene Sicht auf die Dinge nachzuvollziehen. Um unter der manchmal strahlenden Oberfläche das Brüchige, mitunter Morbide, Barths verästelten Humor zu erkennen. Man darf auch ab und zu ein wenig Bestürzung spüren. Es ist angerichtet.

Der Maler Dieter Barth ist nicht nur einer, der sein Handwerk beherrscht und sich die Freiheit zur Verblüffung des Publikums nimmt, manchmal. Er ist auch ein Satiriker, der mit seinen Mitteln gewissermaßen den Spiegel vorhält und den kaschierenden Lack der Welt, wie er und wir sie vorfinden, ankratzt. Barth zaubert mit dem Pinsel Glanzfassaden, die mit dem zweiten Hinschauen in die Risse sehen lassen, die mühsam zusammenhalten, was unweigerlich in die Brüche gehen wird. Auch deshalb sind seine Bilder wichtig.

Zu den Gemälden gibt es als Zugabe noch umfangreich Grafik »zum Selberblättern«. Zur Vernissage lieferte die Münchner Pianistin und Kabarettistin Astrid Hofmann, die sich als größter Fan des Künstlers bezeichnete, akustische Schmankerl zum Bildermenue. »Alle lieben Bilder, aber kaufen tun sie sie eher nicht«, sang sie beispielsweise. Es gibt reichlich Gelegenheit, ihre Prognose zu widerlegen.

Im »Haus der Kultur« in Anif, Mischlgutweg 5, sind Barths Bilderwelten noch heute Samstag und morgen Sonntag jeweils zwischen 11 und 15 Uhr sowie am Freitag, 17. November, von 15 bis 19 Uhr und letztmalig am Samstag, 18. November, ab 15 Uhr im Rahmen einer Vinisage, einem nach des Malers Willen finalem Höhepunkt mit Wein, zu sehen. Dieter Meister