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Der Berchtesgadener Franz Hasenknopf lässt die Kriegszeit Revue passieren

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Franz Hasenknopf in jungen Jahren. Anzeiger-Repro
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Im Zeitzeugen-Gespräch erinnerte sich Franz Hasenknopf an seine jungen Jahre. Anzeiger-Foto

Berchtesgaden - Zwei Mal in seinem Leben wurde Franz Hasenknopf von einem Bombenangriff überrascht - am Obersalzberg und in Memmingen. Zwei Mal überlebte er, wie er im Zeitzeugen-Gespräch berichtet. Der 85-Jährige Berchtesgadener war beim Reichsarbeitsdienst, er schippte Schnee um das Hermann-Göring-Haus und blickt auf eine »schöne Zeit« in der Hitlerjugend zurück: »Da hatten wir Jungen wenigstens etwas zu tun«.


Franz Hasenknopf war froh, als der Zweite Weltkrieg endlich vorüber war. Beschwerlich war die Zeit, verbunden mit viel Leid. Er hat einen Bruder im Weltkrieg verloren.

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In Schönau am Königssee kam er 1927 zur Welt, »wir waren sieben Kinder«. Einfach sei das Leben damals nicht gewesen. »Wir hatten finanziell ja nicht viel«, erinnert sich Hasenknopf. Die Mutter war Hausfrau, der Vater Bootsführer bei der Schifffahrt am Königssee. Acht Jahre lang hat Hasenknopf die Schule besucht, sich danach um eine Lehrstelle als Bäcker umgeschaut.

Die Zeit in der Hitlerjugend sei schön gewesen. »Wir waren weg von der Straße, das war gut.« Man habe sich zum Appell getroffen, gemeinsame Spiele gemacht. Von der Kriegsvorbereitung hat Hasenknopf kaum etwas mitbekommen. Beim Reichsarbeitsdienst war er beschäftigt, arbeitete unter anderem am Flughafen in Memmingen und am Obersalzberg. Am Ofnerboden war er stationiert: »Wir haben Kabel vergraben oder Schnee geschippt.« Unter anderem rund um das Hermann-Göring-Haus. Franz Hasenknopf erinnert sich, dass damals Emmy Göring, die zweite Ehefrau von Hermann Göring, raus kam und Obst verschenkt habe. »Das war schon etwas Besonderes«, so Hasenknopf. Zigaretten, die es immer wieder als Dank für die Arbeiten gab, tauschte er in Drops um. »Ich war noch nie ein Raucher, die Drops schmeckten mir besser«, sagt er mit einem Lächeln. Zwar musste der Rüstige, heute 85-Jährige viel körperliche Arbeit leisten, rückblickend hat er die arbeitsreiche Zeit aber recht positiv in Erinnerung: »Wir waren gut beieinander, da war das nicht so schlimm«, erzählt er.

Hitler habe er nur am Königssee gesehen. Mit seiner Mutter war Hasenknopf dabei. »Die hohen Leute hatten so schöne Autos«, weiß er. Die Erinnerung an Hitler ist nur eine Momentaufnahme, inzwischen verblasst. Gut vor Augen hat Hasenknopf noch die großen Kolonnen von Menschen, die auf den Obersalzberg pilgerten, um Hitler zu sehen. »Der stand vor dem Haus und hat gegrüßt.« Eine Hitler-Hysterie habe es in Berchtesgaden zunächst aber nicht gegeben.

Tief verankert haben sich bei Hasenknopf zwei Bombenangriffe, die er miterleben musste, bei denen er aber unverletzt blieb. In Memmingen arbeitete er am Flughafen im Reichsarbeitsdienst, als die Bomben einschlugen. Detailliert beschreiben kann der Zeitzeuge vor allem den Angriff auf dem Obersalzberg. Er war zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt, Rasen abzuheben. Der Obersalzberg wurde vernebelt, »es stank gewaltig«, plötzlich setzte Fliegeralarm ein. In der Nähe: ein privater Wasserbunker, der als Zuflucht dienen sollte. »Wir sind dann sofort in den Bunker rein und haben dort gewartet«, erzählt er. 20 Minuten dauerte der Bombenangriff auf den Obersalzberg, dann ging es raus aus dem Bunker. Das Bild war entsetzlich. Ein Großteil der Umgebung war zerstört, ein furchtbares Szenario.

Obwohl alles zu spät war, wurde Hasenknopf, der Truppführer war, mit seiner Mannschaft nach Thundorf bei Freilassing geschickt. Der Berchtesgadener vermutet, dass das ein letztes Aufbegehren gegen den Feind darstellen sollte. Dass der Krieg verloren war, das ahnte er zu diesem Zeitpunkt aber bereits. »Wir hatten trotzdem kurz zuvor noch Schnellfeuergewehre bekommen.« Einsetzen wollten die jungen Deutschen diese aber nicht mehr. An einem Baum zerstörte er sein Gewehr. »Ich hatte ein mulmiges Gefühl und anfangs vor der Besatzung auch Angst«, berichtet Franz Hasenknopf. Dennoch war er froh, dass der Krieg vorbei war. »Wir hatten verloren, verspielt.« Bei Freilassing kamen seiner Mannschaft bereits die Amerikaner entgegen. »Sie waren schon in Sichtweite.«

Unter der Besatzung gewann das Leben wieder etwas an Normalität, so Hasenknopf. »Wir durften froh sein, dass bei uns die Amerikaner waren.« Die Arbeit kehrte wieder zurück. Die Russen seien schon ein anderes Kaliber gewesen. »Da ging es den Leuten schlechter.«

35 Jahre alt war Franz Hasenknopfs Bruder. Er fiel im Krieg. Ein Heldentod? »Nein«, sagt Hasenknopf ganz pragmatisch. »Das war einfach so. Eine schlimme Zeit.«

Die Dokumentation Obersalzberg sucht auch weiterhin Zeitzeugen aus der Region, die über Erlebtes berichten möchten. Melden können sich diese bei Nina Riess unter Telefon 08652/9479622 oder per Mail unter riess@ifz-muenchen.de. kp