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Der betörende Gesang der Panflöte

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Zwei Musiker, die in der Franziskanerkirche scheinbar mühelos ihr Publikum begeisterten und beeindruckten: Isabel Moretón und Matthias Schlubeck. (Foto: Meister)

Berchtesgaden – Das war schon etwas ganz Besonderes. Auch für den, der Hunderte Konzerte aus beruflichem und privatem Interesse bereits erleben durfte. Matthias Schlubeck, einer der international herausragenden Panflötisten, gab mit der Harfenistin Isabel Moretón ein Konzert in der Berchtesgadener Franziskanerkirche, das wohl allen Zuhörern noch lange im Ohr und in der Erinnerung erhalten bleiben wird. Was Schlubeck und seine Kollegin boten, übertraf Erahntes und Erwartetes um ein Vielfaches.


»Es ist alles nur geklaut.« Matthias Schlubeck hat sich in seinem Repertoire ganz der Klassik verschrieben. Aber originale Kompositionen für Panflöte seien rar, offerierte der Musiker, der zwischen den Stücken Interessantes zu den Werken und zu seinem Instrument zum Besten gab. Also muss man klauen, bekannte er spitzbübisch. Und seine »Diebestouren« führen ihn nahezu durch die gesamte Musikliteratur. Abgesehen von Mozarts prägnantem Zauberflöten-Motiv gibt es kaum etwas in der »alten Musik«, das Schlubeck ohne eigenes Arrangement übernehmen könnte.

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Drei, ursprünglich für die Laute geschriebenen und rund vier Jahrhunderte alten Stücken von John Dowland folgte die einprägsame und bekannte Arie »Lascia ch‘io pianga« aus Georg Friedrich Händels Oper »Rinaldo«, vielen Zuhörern bekannt, doch nicht so – nicht mit dem samtenen Klang der Panflöte von Matthias Schlubeck. Überhaupt, erklärte der Meister zwischen den Stücken, dass sein Instrument der menschlichen Stimme nah komme, Lieder demzufolge geradezu ideal für die Interpretation der Panflöte seien.

Einiges aus dem Programm des Panflöten-Harfe-Konzertes hat man gehört, oft, kennt es, und bekommt dennoch Neues geboten durch die filigrane Interpretation von Schlubeck und Isabel Moretón. Der Bogen ist weit gespannt vom erwähnten Dowland bis hinein ins 20. Jahrhundert, wenn der Reigen mit Jules Massenets Meditation aus seiner Oper »Thais« vollendet wird. Dazwischen lässt das perfekt aufeinander abgestimmte Duo Pergolesis feingliedriges »Siciliano« hören, Georg Philipp Telemanns dreisätzige Sonate in F-Dur, Wolfgang Amadeus Mozarts Andante in C für Querflöte und Orchester oder Gaetano Donizettis Sonate für Flöte und Harfe. Ein klanglicher Höhepunkt, den viele bereits »im Ohr« haben, war die »Gavotte« von Francois-Joseph Gossec, in der Schlubeck mit sichtlicher Lust seine immens virtuose Beherrschung der Panflöte demonstrieren konnte.

Übrigens: Im Internet kann man nachlesen, dass Matthias Schlubeck, bevor er seine beeindruckende Musikerkarriere startete, lange als Leistungssportler im Behindertenschwimmsport war und mehrfach Goldmedaillengewinner der Paralympics werden konnte sowie Weltmeistertitel erkämpfte und Weltrekorde aufstellte, die teilweise viele Jahre Bestand hatten. Er ist offensichtlich ein Mann, der nach Höchstleistungen strebt. Dass ihm das auch mit seiner Panflöte gelingt, war im Konzert in der Franziskanerkirche deutlich hör- und spürbar. Es wäre allerdings ungerecht, die Leistungen von Isabel Moretón, einer der gegenwärtig sicher herausragendsten Harfenistinnen, unerwähnt zu lassen. Nicht nur als einfühlsame Begleiterin der Panflöte, auch in einem Solostück von Antoine Francisque, ursprünglich für Laute komponiert, konnte sie glänzen. Zumal sie zuvor die Spieltechnik der Harfe und speziell die Funktion der Fußhebel, die alle Tonarten spielbar machen, erklärt hatte.

Das begeisterte Publikum, wenn auch in leider leicht überschaubarer Menge im Kirchenraum anwesend, entließ die Musiker nicht ohne eine Zugabe. Auch hier gab es Bekanntes, wenn auch noch nie so Gehörtes: Johann Sebastian Bachs Ohrwurm »Air« aus der Orchestersuite Nr. 3 setzte einen berührenden Schlusspunkt unter ein Konzert, das sicherlich bei vielen lange nachklingen wird. Dieter Meister