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Der Borkenkäfer ist in vielen Wäldern zu Hause

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Die Waldverjüngung schreitet auch nach Borkenkäferbefall schnell voran. (Foto: Nationalparkverwaltung)

Berchtesgaden – Im Rahmen ihrer Doktorarbeit referierte die Forstwissenschaftlerin Barbara Winter von der Nationalparkverwaltung im »Haus der Berge« vor sehr vielen Zuhörern über die Problematik des viel diskutierten Borkenkäfers. Über drei Jahre hatte die Wissenschaftlerin unter Mithilfe mehrerer Studenten vor allem in einem zirka einen Hektar großen Raum im Gebiet Fischunkel die Entwicklung des Waldes nach Befall durch den Borkenkäfer ausgewertet. Nach ihren Erkenntnissen wird sich der Wald in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wieder von ganz alleine verjüngen und andere Baumarten wie die Tanne sowie Laubhölzer wie Buche und Esche werden nachwachsen.


Im Gegensatz zu bewirtschafteten Wäldern, in denen meist aktive Bekämpfungs-, Räumungs- und auch Wiederbewaldungsmaßnahmen durchgeführt werden, unterbleibt im Nationalpark gemäß der Nationalparkverordnung in weiten Bereichen eine Beeinflussung der natürlichen Entwicklung. Nur im Randbereich des Schutzgebietes wird zum Schutz der angrenzenden Privatwälder eine aktive Borkenkäferbekämpfung durchgeführt. Aktive Waldumbaumaßnahmen finden gemäß Waldentwicklungsplanung in Fichtenreinbeständen der Pflegezone statt.

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Borkenkäfer sind ständige Bestandteile der verschiedensten Wälder, einige der 150 verschiedenen Arten stehen sogar auf der »Roten Liste« der vom Aussterben bedrohten Tierarten. In den hiesigen Breiten denkt man im Zusammenhang mit dem Borkenkäfer zumeist an die Fichte. Der sogenannte Buchdrucker findet sich in jedem Fichtenwald und geht an stark geschädigte Rinden oder schon tote Bäume. Massenhaft tritt der Borkenkäfer nach Sturmschäden oder Trockenjahren auf. Der Larvenfraß unterbindet dann den Saftfluss und lässt die Bäume absterben. Aus zwei Altkäfern entwickeln sich in zwei bis drei Generationen pro Jahr bis zu 30 000 neue Borkenkäfer. Allerdings fliegen 95 Prozent der Borkenkäfer in einem Radius von maximal 500 Meter.

Seit dem Jahr 1950 ist insgesamt eine starke Zunahme des Borkenkäfers festzustellen. Die Ursachen sind ein höherer Flächenanteil von Fichten und damit größere Vorräte für die Käfer. Begünstigt wird die Population auch durch den Klimawandel, vor allem nach größeren Stürmen gibt es einen größeren Holzanfall. Dies alles führt zu verbesserten Lebensbedingungen für den Käfer. Dennoch betonte Barbara Winter, dass Buchdrucker und Kupferstecher natürliche Bestandteile von Fichtenwäldern seien. Sie können sich nämlich ideal an die Bedingungen anpassen.

Im Nationalpark Berchtesgaden gibt es rund 44 Prozent Wald, der Anteil der Fichte daran beträgt fast 50 Prozent. Vom Käfer befallen sind im Nationalpark zirka 440 Hektar: Doch in anderen Regionen wie im Bayerischen Wald ist der Befall weitaus höher. Wenn die Kronen der Fichten absterben und damit mehr Licht auf den Boden gelangt, entwickelt sich ein neuer Baumbestand. Erste Auswirkungen sind bereits gut zu beobachten, in zehn Jahren wird man diese Entwicklung schon weitaus deutlicher erkennen, führte die Referentin aus.

Das Publikum mit vielen Fachleuten aus der Forstwirtschaft und weitere Naturinteressierte spendeten der Referentin für ihren eindrucksvollen Vortrag lang anhaltenden Beifall. cw