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Der Christbaumschmücker

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Stefan Graßl fertigt den original Berchtesgadener Christbaumschmuck.
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Alles da für ein frohes Fest: Die Regale in Stefan Graßls Lager sind gut gefüllt. Er produziert in seiner Werkstatt in der Ramsau das gesamte Jahr vor. (Fotos: Pfeiffer)

Ramsau – Wer Stefan Graßl in seiner Werkstatt an der Alten Reichenhaller Straße besucht, kann seinen Augen nicht trauen. Kraxn, Engerl, Schneemänner und Vögel. Regalweise stehen hier die kleinen, handgefertigten hölzernen Kunstwerke. Alle haben sie gemein, dass sie am Ende am Christbaum hängen. Graßl, gelernter Schreiner, arbeitet unter anderem im Auftrag der Berchtesgadener Handwerkskunst. Das ganze Jahr über wird bei ihm produziert.


Stefan Graßl hat derzeit richtig viel zu tun, so kurz vor Weihnachten. Er arbeitet als selbstständiger Schreiner. Seine Ausbildung hat er in der Schnitzschule in Berchtesgaden absolviert. »Ich habe früher schon nebenbei für die Berchtesgadener Handwerkskunst gearbeitet«, erzählt er. Sie ist ein wichtiger Teil in seinem Leben. Einige Jahre war er dort sogar angestellt, bis er sich vor vielen Jahrzehnten selbstständig machte. Der Handwerkskunst samt dem traditionellen Christbaumschmuck ist er aber treu geblieben. Er verdient damit sein Geld. Während andere im Nebenerwerb für die Handwerkskunst arbeiten, kann Stefan Graßl guten Rechts behaupten, das in Vollzeit zu tun. Den Großteil seiner Arbeit verbringt er mit der Herstellung des traditionellen Christbaumschmuckes.

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Kunstwerke aus Holz

Ein Besuch in seiner Werkstatt mit dem angrenzenden Lager ist eine Offenbarung. Hier entstehen sie also, rund 70 verschiedene Produkte, alle natürlich in Handarbeit. Gemein haben sie, dass sie aus Holz gefertigt sind. Vor allem Fichtenholz, aber auch Ahorn, Buche oder Linde, »je nachdem, für was es gebraucht wird«, sagt Stefan Graßl.

Natürlich hat sein Lager System. In großen Kisten finden sich fertige Produkte oder aber Einzelteile, die er zur Produktion des Christbaumschmucks benötigt. Graßl produziert ganzjährig. Er wartet nicht darauf, was bestellt wird, sondern hat die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte: Graßl fertigt Kleinserien, etwa von der Kraxn, ein aufwendiges Christbaumschmuckstück, bestehend aus 21 Einzelteilen. »Es lohnt sich nicht, nur zehn Kraxn zu fertigen«, sagt er. Im Übrigen ist das nicht nur mit der Kraxn so: Egal, ob Engerl, Radlbock oder Geißbank, wer bei ihm nachfragt, wird immer fündig.

Das Herstellen des Berchtesgadener Christbaumschmucks ist mittlerweile zu einem seltenen Handwerk geworden. Kaum einer macht es noch, der Aufwand ist immens. Viel Leidenschaft schwingt hier mit. Und die Überzeugung, etwas am Leben zu erhalten, das eine Menge Tradition in sich vereint. Beliebt sei der Christbaumschmuck noch immer. Bei Einheimischen und bei Gästen, sagt Graßl. Nicht anders ist es zu erklären, dass die Berchtesgadener Handwerkskunst inzwischen einen eigenen Online-Shop betreibt, um die im Talkessel gefertigten Produkte in verschiedene Länder verschicken zu können.

Immer wieder neue Stücke

Viele von Graßls Stücken gibt es seit Jahrzehnten. Aber es gibt auch immer wieder Neues, die Kirche etwa oder den Kometen. Es gibt einige Sammler, die deutlich mehr Schmuck haben als an einen Christbaum passt. Und die natürlich auch fordern, dass hin und wieder etwas Neues dazukommt. »Alle paar Jahre passiert das«, sagt Stefan Graßl. Das kleine Holzherz gibt es zum Beispiel noch nicht lange, ebenso den Forstkorb, der im Original bei vielen an der Wand hängt, in Miniaturform hingegen am Berchtesgadener Christbaum.

Bei ihm in der Werkstatt entsteht alles in Eigenproduktion – vom Einzelteil bis hin zum fertigen Produkt. Am besten zeigt sich das an der Kraxn. Sie besteht aus 21 Einzelteilen, die Graßl vorproduziert hat. Der Arbeitsaufwand ist groß, größer etwa als für ein »einfaches« Holzkunstwerk, das nur aus zwei oder drei Einzelteilen besteht. Fichtenholz ist die Basis der Kraxe. Die Kleinteile werden mit Kreis- und Bandsäge zugeschnitten. Gedrechselte Teile bestehen vor allem aus hartem Buchenholz. »Der Engel auf dem Spitz des Christbaums ist aus Lindenholz«, sagt Stefan Graßl. Das ist besser für die Baumspitze, einfach deshalb, »weil das Holz leichter ist«.«

Sind in zahlreichen Arbeitsschritten die vielen Teile für die Kraxn entstanden, geht es ans Zusammenleimen. »Manchmal hilft da die ganze Familie mit«, sagt Stefan Graßl. Immerhin müssen die kleinen Fichtenhölzer zusammengeklebt werden, darauf kommen dann die Miniatur-Spanschachteln in verschiedenen Größen, die zuvor angemalt wurden. Auch das passiert bei den Graßls zu Hause. Und auch hier ist wieder die ganze Familie gefordert, die mit kleinen Pinseln und Stempeln für Farbe auf den Holzkunstwerken sorgt. Die Küchenutensilien in Miniform, die schließlich mit einer Schnur an der Kraxn befestigt werden, sind erneut Drechselware, die Graßl zuvor produziert hat. Bis die Kraxn schließlich fertig ist, vergeht einige Zeit. Auch hier leimt der gelernte Schreiner gleich eine gesamte Kleinserie zusammen.

Dass es in Zukunft mit dem Christbaumschmuck weitergeht, hofft nicht nur Stefan Graßl. Einer seiner Söhne ist Schreiner. Einmal pro Woche hilft er bereits im elterlichen Betrieb. »Die Hauptsache ist, dass er Freude daran hat.« Kilian Pfeiffer

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