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Der »Dri-ei« aus dem Bergsteigerdorf

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Nicht nur vom Steinberg, den Uli Stöckl von seiner Hausterrasse aus fest im Blick hat, ist der Ramsauer fasziniert. Gerne denkt er auch an seine anspruchsvollen Unternehmungen in der Sella (Bild links) und im Montblanc-Gebiet (Bild rechts) zurück. (Foto: Kastner)

Ramsau – »Dri-ei« nannten ihn früher viele. Uli Stöckl ist nämlich im Haus »Drischlag« am Ramsauer Holzenweg geboren und hat dort den allergrößten Teil seines Lebens verbracht. Dort, bei der Familie, konnte der staatlich geprüfte Bergführer immer wieder Kraft schöpfen zwischen seinen zahlreichen Aktivitäten im Gebirge. Heute muss es das Ramsauer Urgestein etwas langsamer angehen lassen, immerhin wird Uli Stöckl morgen 80.


Wer sich mit Uli Stöckl unterhält, der kommt am Thema Berge nicht vorbei. Schließlich haben die sein ganzes Leben geprägt – in privater wie in beruflicher Hinsicht. Dabei verlief sein beruflicher Werdegang zunächst in eine ganz andere Richtung. Bei Martin Klaus in Berchtesgaden wurde er zum Wagner, Karosseriebauer und Skimacher ausgebildet, anschließend absolvierte er noch eine Lehre als Zimmerer bei Josef Brandner sen. in Berchtesgaden. Als er später für die Baufirma von Hellmuth Pfnür in Berchtesgaden arbeitete, war er unter anderem beim Bau der Breitwiesenturnhalle eingesetzt. Und dazwischen war Uli Stöckl noch sieben Jahre lang im Sportgeschäft von Wolfgang Zimmermann im Kerschbaumerhaus als Verkäufer, Montierer und Abteilungsleiter angestellt. »Das war meine kreativste Zeit«, erinnert sich der Ramsauer.

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Dass er zu jener Zeit parallel die Ausbildung zum Bergführer absolvierte, kam nicht von ungefähr. »Die Berge hatten es mir schon immer angetan«, erzählt Uli Stöckl. So war er schon in frühen Jahren bei der Alpenvereinssektion Berchtesgaden Jugend- und Jungmannschaftsleiter, wuchs dadurch bereits in die Führungstätigkeit hinein. Auslandsbergreisen führten ihn mit seinen Spezln in die Hohe Tatra und in den Kaukasus, wo sie Überschreitungen in Rekordzeit bewältigten und auch auf dem Elbrus standen. Zuhause bewältigte der Ramsauer vor allem sogenannte Genussklettereien bis zum 4. Grad wie Hocheis- und Blaueisumrahmung. »Als Bergführeraspirant hatte ich auf der Blaueisumrahmung mit Gästen mal einen Negativrekord«, erinnert sich Stöckl schmunzelnd und fügt an: »Wir brauchten 17,5 Stunden.«

Richtig anspruchsvolle Touren standen im Rahmen der Bergführerausbildung auf dem Programm. Stöckl und seine Kameraden kletterten sowohl in der Sella (Trenkerriss) als auch im Montblanc-Gebiet (Triolet-Nordwand, Bionnassay-Grat, Contamine-Führe), unternahmen Skitouren wie die Dolomiten-Haute-Route an drei Tagen.

1974 legte Uli Stöckl die erstmals durchgeführte Prüfung zum staatlichen Bergführer ab, führte daraufhin im Sommer für den DAV Summit Club. Für den weltgrößten Veranstalter von Bergsportreisen führte der Ramsauer, der von Anfang der 70er bis Anfang der 90er Jahre mit Frau Rosi und den drei Kindern in der Schönau wohnte, in erster Linie Gebirgsdurchquerungen: erneut Hohe Tatra, Andorra und Ostalpen wie Triglav oder den Biancograt am Piz Bernina. Im Winter war Uli Stöckl weiterhin bei der Baufirma Pfnür beschäftigt.

Über 30 Jahre lang – von 1975 bis 2006 – war Uli Stöckl für den Summit Club unterwegs. Danach gab es nur noch gelegentliche, privat von ihm organisierte Führungen in den heimischen Bergen. Und als im Jahr 2009 seine Frau Rosi plötzlich schwer erkrankte und seitdem auf Hilfe angewiesen ist, zieht es Uli Stöckl ohnehin nicht mehr so oft hinaus und hinauf. Zwar sah man ihn immer noch gelegentlich auf Skitour oder auf sommerlichen Bergwanderungen. Doch gerade in letzter Zeit stellt er bei sich doch zunehmend konditionelle Probleme fest und wagt sich deshalb nur noch an kleinere Unternehmungen. Von Schwarzeck auf den Hirschkaser geht er noch halbwegs regelmäßig und neuerdings hat Stöckl auch das E-Biken für sich entdeckt. »Da schaffe ich es noch gut auf Kühroint oder auf die Litzlalm«, freut sich Stöckl.

Seine Lorbeeren verdient hat sich der Ramsauer auch bei der Bergwacht und beim Skiklub, in dem er als Sportwart und Tourenwart fungierte. Schon wegen seines großen ehrenamtlichen Engagements ist davon auszugehen, dass der Jubilar morgen Freitag zu seinem Ehrentag kräftig Besuch bekommen wird. »Von 10 bis 18 Uhr herrscht bei mir Tag der offenen Tür«, kündigt der »Dri-ei« an. Von Geschenken will er aber nichts wissen. Dafür stellt er eine »Spenden-Bix« auf, die die Gratulanten gerne mit Barem befüllen können. Der Inhalt geht an Hilfsprojekte in Asien (Pamir-Hilfe/Ehepaar Bondes), Afrika (Gertraud Kurz) und in Ramsau (Frauenkreis). Über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, war schließlich immer schon eine Stärke Stöckls. Ulli Kastner