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Der Felsblock über der Fischmichlsiedlung

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Dieser Felsblock befindet sich hoch über der Fischmichlsiedlung. Laut Geologe geht von dem Gestein derzeit keine Gefahr aus. Eine Sanierung der unterhalb liegenden Erosionsfläche soll aber im Frühjahr in Angriff genommen werden. (Fotos: privat)
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Diese Erosionsfläche soll im Frühjahr saniert werden.
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Oberhalb des Blockes hat sich ein rund zehn Zentimeter breiter Spalt gebildet.

Schönau am Königssee – Zwei rund 80 bis 120 Kubikmeter große Felsblöcke auf der Nordostseite des Grünsteins sorgen derzeit für Aufregung. Zwar hat der Geologe Klaus Smettan aus Traunstein festgestellt, dass von dem tonnenschweren Gestein derzeit keine Gefahr für die unterhalb liegende Fischmichlsiedlung ausgehe. Um einer Gefährdung aber dauerhaft zu begegnen, beschloss der Gemeinderat Schönau am Königssee am Dienstag einstimmig, die direkt unter den Felsen befindliche erodierte Fläche für 4 000 bis 6 000 Euro sanieren zu lassen.


Der Traunsteiner Geologe Klaus Smettan vom Ingenieurbüro Bernd Gebauer hatte zusammen mit Gemeindebaumeister Hans Brüggler letzte Woche am Grünstein eine Ortsbesichtigung durchgeführt und dabei die Felsblöcke in der Grünstein-Runse und den darunter befindlichen Böschungsanriss unter die Lupe genommen. Nach seinem Bericht, der dem Gemeinderat am Dienstag vorlag, befinden sich unmittelbar an einer Böschungskante zwei rund 80 bis 120 Kubikmeter große Felsblöcke. In der darunter liegenden Böschung ist es auf einer Fläche von rund 50 Quadratmetern zu einem Abgleiten der Oberbodenauflage mit der Wurzeldecke gekommen, sodass dort der Hangschutt frei liegt. »Das Entwurzeln der dort liegenden Altholzbäume kann in Verbindung mit Starkregen zu dem lokalen Abgleiten geführt haben«, stellt der Geologe fest. Einen Zusammenhang des aktuellen Böschungsanrisses mit den darüber liegenden Blöcken konnte der Geologe nicht erkennen.

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Der Felsblock liegt laut Bericht flächig auf dem Hangschuttkegel auf und hat sich durch das jüngste Rutschereignis nicht in seiner Lage verändert. »Ein schlagartiges Ausbrechen oder Abgleiten des Blockes ist nach dem derzeitigen Erkenntnisstand nicht zu erwarten, so dass kein unmittelbarer Handlungszwang besteht«, schreibt Klaus Smettan. Sollte jedoch die Abrissfläche der unterliegenden Böschung nicht dauerhaft gesichert werden, dann müsse damit gerechnet werden, dass es durch Erosion zu einer Unterhöhlung zumindest des nördlichen Felsblockes kommen und der Block dann kippen beziehungsweise abgleiten könnte. Der Geologe stellt weiter fest: »Aufgrund der Größe des Blockes kann nicht ausgeschlossen werden, dass bei einem Absturz große Teile über die Runse bis zum Böschungsfuß abgehen und dann gegebenenfalls nicht von dem dort befindlichen Wall zurückgehalten werden können.«

Bei seiner Erkundung hatte der Geologe auch festgestellt, dass sich oberhalb des Blockes ein rund zehn Zentimeter breiter Spalt befindet, der maximal 30 Jahre alt ist. Demnach habe sich der Block also in den letzten 10 bis 30 Jahren um rund zehn Zentimeter verschoben.

Drei Sicherungsmöglichkeiten nannte der Geologe dem Gemeinderat, wobei er für den ersten eine Empfehlung abgab. Es handelt sich dabei um die Anbringung eines Erosionsschutzes auf dem freigelegten Böschungsbereich unterhalb des Felsblockes. Das kann mithilfe einer Erosionsschutzmatte, eines Rundholzstangenverbaues oder einer Matte samt aufliegendem Drahtgeflecht erfolgen. Die Kosten dafür bezifferte der Geologe mit 4 000 bis 6 000 Euro.

Am teuersten wäre eine Sicherung des Blockes in der derzeitigen Lage durch eine Bodenvernagelung und den Auftrag von Spritzbeton. Hierfür würden 35 000 bis 45 000 Euro anfallen. Die dritte Möglichkeit beinhaltet den Abtrag des Blockes mit anschließendem Erosionsschutz für 20 000 bis 25 000 Euro.

Der Gemeinderat verständigte sich nach kurzer Diskussion auf die erste Variante, die im Frühjahr 2015 in Angriff genommen werden soll. Geklärt werden muss zuvor noch, ob dafür die Gemeinde oder das Wasserwirtschaftsamt zuständig ist. Dass dort etwas getan werden muss, zeigte auch der Diskussionsbeitrag von Gemeinderat Michael Lochner (Freie Wähler), der selbst am Fuß des Grünsteins wohnt: »Mir ist ganz anders geworden, als ich den Block gesehen habe«. Ulli Kastner