weather-image
22°
Alle zehn Jahre werden über 100 000 Bäume gemessen und ihre Positionen ermittelt – Grundlage für nachhaltiges Wirtschaften

Der Forstbetrieb Berchtesgaden macht Inventur

Berchtesgaden – Nicht mit Kettensäge und Fällheber, sondern mit Computer, GPS-Gerät und Kluppe zur Ermittlung von Baumdurchmessern sind zurzeit viele Forstarbeiter in den Wäldern des Forstbetriebs Berchtesgaden unterwegs.

Der Berchtesgadener Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller (links) und Horst Grünvogel, Inventurleiter für Südbayern, verschaffen sich einen Überblick über die Aufnahmepunkte im Gebiet des Forstbetriebs Berchtesgaden. (Fotos: Kastner)

Bei der alle zehn Jahre anstehenden Forstinventur werden über 100 000 Bäume unterschiedlicher Größe gemessen und ihre Positionen gespeichert. Das dabei erworbene Wissen über die Waldentwicklung soll auf Dauer nachhaltiges Wirtschaften sicherstellen.

Anzeige

Der Forstbetrieb Berchtesgaden erstreckt sich über das Berchtesgadener Land, den Rupertiwinkel und den östlichen Chiemgau, die Geschäftsstelle befindet sich in Berchtesgaden. Nur ein paar Autominuten entfernt liegt in der Gemeinde Bischofswiesen der sogenannte Rostwald. Hier demonstrierten gestern Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller und Horst Grünvogel, Inventurleiter für Südbayern, was es mit der Forstinventur auf sich hat.

Der Forst ist zu nachhaltiger Waldbewirtschaftung verpflichtet. Es ist allerdings nicht einfach, diese Nachhaltigkeit sicherzustellen. Deshalb führt man in der Region seit rund 30 Jahren alle zehn Jahre die Waldinventur durch. »Wir kontrollieren, ob der Wald ausreichend nachwächst. Das ist sehr aufwendig«, sagt Horst Grünvogel.

Stichproben werden hochgerechnet

Weil man freilich nicht alle Bäume im Staatswald messen kann, führt man eine sogenannte »Stichprobeninventur« durch. Dazu ermittelt der Computer über das Geografische Informationssystem (GIS) im hiesigen Forstgebiet fast 5  000 Aufnahmepunkte. In einem Radius von rund zwölf Metern um diese Punkte werden das Alter, die Höhe und der Umfang der vorhandenen Bäume sowie Schäden durch Holzernte oder Wildverbiss und der Verjüngungszustand aufgenommen. »Die hier erlangten Ergebnisse rechnen wir dann auf die Gesamtfläche hoch«, sagt Grünvogel. Und Forstbetriebsleiter Müller ergänzt, dass die Fehlerquote lediglich bei plus/minus 1,7 Prozent liegt.

Während Horst Grünvogel die Vorteile der Forstinventur preist, verlässt er den Wanderweg und biegt in den Wald ab. Hier hat er bereits einige Geräte postiert, die die Forstarbeiter für ihre Inventurarbeit benötigen. Zuerst einmal muss der genaue Messpunkt gefunden werden, denn GPS wird lediglich für die Grobsuche verwendet. Für die Feinsuche hat man kleine Magnete etwa 10 bis 20 Zentimeter tief in der Erde vergraben. Die sind mit einem Metalldetektor schnell gefunden.

Mit der Kluppe bestimmt Horst Grünvogel, Inventurleiter für Südbayern, den Durchmesser dieser Tanne.

Der Bohrkern verrät das Baumalter

Zentimetergenau errichtet der Diplom-Forstwirt darüber sein Stativ, auf dem ein kleiner Sender postiert wird. Von diesem zentralen Messpunkt aus wird die Lage der im Umkreis von etwa zwölf Metern stehenden Bäume markiert und in einer Karte festgehalten. Mit einer Kluppe, einer Art überdimensionaler Schieblehre, misst Grünvogel schließlich noch den Durchmesser des Baumes.

Bei der ersten Erfassung wird außerdem noch das Alter der Bäume genau ermittelt. Dazu präsentiert Horst Grünvogel einen sogenannten Zuwachsbohrer. Mit dem zieht der Forstexperte einen nur wenige Millimeter starken Bohrkern aus dem Stamm. Über die Jahresringe lässt sich dann leicht das Baumalter ermitteln. Den Kern steckt Grünvogel dann wieder in das Loch zurück. »Das verwächst in kurzer Zeit wieder«, beruhigt er die Zuschauer.

Mit dem Metalldetektor hat Horst Grünvogel die im Erdreich vergrabenen Magnete schnell aufgespürt.

Rund 350 000 Euro Kosten

Im Umfeld jedes Inventurpunktes werden etwa 10 bis 15 große Bäume gemessen, außerdem noch zahlreiche kleinere. Über 100 000 Bäume innerhalb des Forstbetriebs Berchtesgaden kommen da leicht zusammen. Aktuell ist man ungefähr bei 85 000 Bäumen, hat also einen Großteil der Arbeit schon hinter sich.

»Für den Forstbetrieb ist die Inventur eine Jahresarbeit«, betont Dr. Daniel Müller. Die Forstarbeiter mussten für diese anspruchsvolle Aufgabe extra ausgebildet werden. Entsprechend hoch sind auch die Kosten für das Projekt. Alleine für die Datenerhebung kalkuliert man mit rund 350 000 Euro. Doch Dr. Daniel Müller und Horst Grünvogel sind überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt. »Die Ergebnisse sind für Dr. Müller die Bibel für die nächsten zehn Jahre«, bekräftigt Grünvogel. Schließlich leitet man anhand der Daten über den jährlichen Holzzuwachs und den aktuell vorhandenen Vorrat ab, wie viele Bäume geerntet werden können. Genutzt wird im Staatswald nämlich deutlich weniger als jährlich nachwächst.

Und für den Berchtesgadener Betriebsleiter brachten die bisherigen Messungen immerhin schon das erfreuliche Ergebnis, dass sich der Bestand der klimaresistenten Tannen deutlich erhöht hat. Außerdem sind starke Bäume überproportional mehr geworden. Die exakten Ergebnisse will der Forstbetrieb nach Abschluss der Inventur veröffentlichen. Ulli Kastner

Von diesem zentralen Messpunkt aus werden die im Umfeld gelegenen Bäume vermessen.