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Der Grafei bringt seine Kühe ins Tal

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Der Austragbauer vom Oberreitlehen half beim Aufkranzen.
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Der Speziallandauer bei der Anfahrt auf St. Bartholomä. (Fotos: Stanggassinger)
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Erschöpft, aber glücklich kam Familie Leitner zuhause an.
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Zu Fuß auf der Bundesstraße: Sennerin Melanie Högerl führte den Almabtrieb an.
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Zahlreiche Schaulustige säumten die Seestraße.

Schönau am Königssee – Der Almabtrieb am Königssee war auch heuer wieder ein Spektakel für Urlauber, Einheimische und Medienvertreter. Zum Schluss war Familie Leitner, die ihre Kühe von der Fischunkelalm auf den Salzberg trieb, froh, dass alles gut gegangen war.


Am Wallfahrerkreuz an der Falkensteinerwand war ein Latschenboschen mit vielen Fuiklsternen befestigt. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass »otriem is«. Der Grafei, wie er im Volksmund genannt wird, war der Bauer, der als Letzter mit seinen Tieren das Weidegebiet am Königssee verlassen hat.

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Als Sennerinnen auf der Fischunkelalm hatten die Austragsbäuerin vom Grafllehen, Kathi Leitner, Melanie Högerl und für kurze Zeit Barbara Neuner gearbeitet. Es war ein heißer Sommer, doch Wassernot gibt es auf der Fischunkelalm nicht. Auch am Tag des Almabtriebes konnten die Kühe, bevor es los ging, am Obersee noch mal Wasser trinken. 17 Rinder hat Bauer Johann Leitner über den felsigen Weg um den Obersee zur Salet getrieben. In zwei Fuhren auf Landauern wurden Kühe und Kälber über den Königssee gebracht. Glück hatte man mit dem Wetter. Der für die Jahreszeit sonst übliche Nebel in den Vormittagsstunden war diesmal nicht zu sehen. Es war wolkenlos. Herbstliches Sonnenlicht beschien die Watzmann-Ostwand und den Seebereich der Salet.

An der Seelände war ein Teil für das Aufkranzen der Kühe abgesperrt, rundherum tummelten sich Hunderte von Schaulustigen, Touristen aber auch Einheimische. Unter den Berchtesgadenern ist bekannt, dass der Grafei die schönen Pinzgauer Kühe hat und mit vielen Fuikln kranzt, wenn er heimgeht. Und schnell war er auch. Um 7 Uhr war Aufbruch auf der Fischunkelalm und um 12 Uhr war man zu Hause am Grafllehen.

Kaum war die letzte Kuh fertig, ging die Absperrung auf und ein erster Höhepunkt war das Durchkommen durch die Menschenmassen an der Seestraße. Hier kann man sagen: Die Touristen sind gefährlicher als die Kühe. Selfie mit Kuh, Film oder Foto, es konnte der Sicherheitsabstand zwischen Kuh und Wirklichkeit im Blick durch das Okular nicht mehr erkannt werden. Weiter ging es dann mit Überholmanövern auf der Bundesstraße und Fotos auf die schnelle aus dem Auto.

Beruhigt hat sich alles ab der Abzweigung Höllgraben. Wer hier noch stand, sah einen Almabtrieb wie im Bilderbuch.

Gott sei Dank ging alles gut. Für die Kühe stand eine saftige Wiese bereit, Treiber und Bauer konnte man eine sichtliche Erleichterung anmerken. Bernhard Stanggassinger