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Der Landkreis bereitet sich auf Flüchtlinge vor

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Der Landkreis bereitet sich auf einen steigenden Flüchtlingsstrom vor. In der Sporthalle der Knabenrealschule in Freilassing stehen 60 Plätze, am Rottmayr-Gymnasium in Laufen 100 Plätze zur Verfügung. (Foto: BRK BGL)

Berchtesgadener Land – Im Landkreis sind jetzt kurzfristig 160 Flüchtlingsbetten aufgestellt worden. Dafür haben ehrenamtliche Helfer von Rotem Kreuz und Maltesern die landkreiseigenen Turnhallen in Laufen und Freilassing umgebaut. An der Knabenrealschule in Freilassing stehen 60 Plätze zur Verfügung, am Rottmayr-Gymnasium in Laufen 100. Die Aktion ist Teil des allgemeinen Notfallplans, der aufgrund steigender Flüchtlingszahlen in Kraft trat. Die Landkreise müssen demnach ab sofort ein Kontingent an Unterbringungsplätzen bereitstellen.


Derzeit habe Oberbayern einen Tagesschnitt von 290 neuen Asylbewerbern, teilte Bayerns Sozialministerin Emilia Müller mit. Vor allem München sei überlastet, so ist das Erstaufnahmelager Bayernkaserne momentan mit 1 250 Menschen voll belegt. Die Ministerin rechnet mit einer weiter steigenden Zahl von Flüchtlingen, vor allem kurzfristig im Hinblick auf das bevorstehende lange Wochenende und auf Pfingsten. Daher drohe jetzt ein neuer Engpass.

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Um Asylbewerber dennoch human unterbringen zu können, werde der im März ausgelaufene Winternotfallplan in einen allgemeinen Notfallplan übergeführt und auf das gesamte Jahr ausgedehnt, so Müller. Konkret bedeutet das: Jeder Landkreis ist verpflichtet, 200 Unterbringungsplätze kurzfristig zur Verfügung zu stellen. In der Regel sind das Turnhallen oder leer stehende Gebäude.

Die Kommunen stellen nicht nur Schlafplätze, Sanitäranlagen, Verpflegung und Verwaltungspersonal zur Verfügung, sondern sorgen auch dafür, dass Flüchtlinge im Bedarfsfall medizinisch versorgt werden. Die Kosten dafür übernehme der Freistaat, hieß es aus dem Sozialministerium.

Die Integrierte Leitstelle Traunstein hat an Christi Himmelfahrt die Schnelleinsatzgruppen des Bayerischen Roten Kreuzes sowie die Helfer des Malteser Hilfsdienstes alarmiert, um die Turnhallen der Staatlichen Realschule für Knaben in Freilassing sowie des Rottmayr-Gymnasiums in Laufen als Notunterkünfte für Flüchtlinge vorzubereiten. Ehrenamtliche des Roten Kreuzes aus Berchtesgaden, Bad Reichenhall, Teisendorf, Ainring, Freilassing-Laufen und des Malteser Hilfsdienstes waren mehrere Stunden im Einsatz.

Noch am Feiertagnachmittag waren Bodenstreifen in der Halle verlegt und Klappbetten aufgestellt worden, allesamt ausgestattet mit einer großen Plastikbox zur Aufbewahrung persönlicher Gegenstände. Gestern Vormittag hat man palettenweise Getränke angeliefert. Die zwei Lehrer-Umkleideräume werden genutzt für den Medizin-Check der Ankömmlinge. WCs und Duschen stehen im Obergeschoss hinter dem Zuschauerbalkon zur Verfügung; den Regieraum am Halleneingang nutzt der Sicherheitsdienst.

Über die Verköstigung war am Freitagvormittag nur so viel zu erfahren, dass die AWO das Essen anliefert. Um 11 Uhr gab es eine erste Besprechung mit einer Delegation aus dem Landratsamt, mit Bürgermeister Hans Feil und Sabine Klinger vom Sozialamt, mit Polizeivertretern, mit Direktor Alfred Kotter, der örtlichen Betreuerin Barbara Paiva und einem Dolmetscher für Arabisch. Jedoch unter Ausschluss der Presse.

Heuer sollte erstmals die Abiturfeier in der großen hellen Halle stattfinden. Direktor Kotter würde bedauern, wenn die kreativen und engagierten Vorarbeiten der Schüler umsonst gewesen wären. Noch hat er Hoffnung, dass die Halle bis zu diesem 26. Juni wieder frei ist. Für den Fall, dass nicht, gibt es einen »Plan B«, wie Hans Feil bestätigt, der, wie schon in den Jahren zuvor, die Laufener Salzachhalle vorsieht.

Dass die Hoffnung berechtigt ist, bestätigt im Foyer der Turnhalle auch Albert Maier vom Ausländeramt. »Die Menschen werden sukzessive verlegt«. Die erste Hälfte sehr rasch in andere Bundesländer, die zweite Hälfte binnen vier bis sechs Wochen in bayerische Einrichtungen. »So ist der Plan«, bekräftigt Maier, »dann soll auch der Letzte weg sein.«

Betroffen von der Hallenbelegung sind auch die Kletterer unter den Schülern und jene der Alpenvereinssektion Laufen, denn während dieser Zeit kann die Kletterwand nicht genutzt werden.

Ähnlich ist die Situation derzeit in Salzburg. Bei der Landespolizeidirektion wurde am Freitagvormittag eine Zeltstadt für Flüchtlinge aufgebaut. Dort sollen rund 100 Flüchtlinge unterkommen. Die Zelte werden mit Feldbetten und mobilen Heizungen ausgestattet.

In der Turnhalle der Polizei in Salzburg sind bereits zwei Dutzend Männer – vorwiegend aus Syrien und Afghanistan – untergebracht. Sie und die Flüchtlinge, die jetzt nachkommen, nutzen die Sanitäranlagen und die Kantine der Polizei. In der Zeltstadt sollen die Flüchtlinge maximal ein paar Tage bleiben, bevor sie in fixe Quartiere weitergeschickt werden. fb/höf