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Der Mann, der in die Kälte kam

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Michael Caspar (r.) ist der neue Generalmanager des »Intercontinental Berchtesgaden Resorts« auf dem Obersalzberg. Zum Gespräch mit Redakteur Dieter Meister kam auch »Edelweiß«-Chefin Martina Hettegger, um den neuen Kollegen zu begrüßen. Anzeiger-Foto

Berchtesgaden - Vielleicht ist es eine bizarre Situation, doch Michael Caspar, der neue Generalmanager des Intercontinental Resort Berchtesgaden, hatte nach eigenem Bekunden keinerlei Probleme damit, sich zu einem Gespräch bei der Konkurrenz bereit zu erklären. Im »Edelweiß« wurde er auch von der Hotelchefin Martina Hettegger begrüßt, die die Gelegenheit zum »Erfahrungsaustausch« auch gern nutzte und auch dem neuen Kollegen viele gute Wünsche auf seinem »Berchtesgadener Weg« mitgab.


Zum vereinbarten Gespräch erschien Michael Caspar im »Landhauslook«. Schon an das neue Arbeitsumfeld angepasst? »Ich trage es, weil ich es hier tragen kann.« Und spielt damit auf sein früheres Arbeitsfeld an. Dort seien kurze Hose und Leinenhemd die passende Kleidung gewesen. Des Klimas wegen.

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Auf den Obersalzberg kam Michael Caspar mehr oder weniger direkt von den Malediven. Die natürlich üppigeren Höhenmeter außer Acht gelassen: Ist dies ein Aufstieg oder mehr ein Abstieg? Caspar lässt sich ein wenig Zeit mit der Antwort. »Wenn ich nur die monströse Belegung des Hauses auf den Malediven betrachte, wäre es ein Abstieg,«, sagt er dann lächelnd.

Immerhin konnte das Intercontinental auf den Malediven 73 Prozent Auslastung verbuchen. 39 Prozent davon, sagt der Generalmanager, waren Stammgäste, die immer wieder ihre Urlaubstage dort verbrachten. »Eine Bilanz, von der wir am Eckerbichl noch sehr weit entfernt sind. Wenn es so läuft wie bisher, werden wir am Jahresende bei einer Auslastung um etwa 58 Prozent liegen. Da ist noch ein langer Weg vor uns.« Sagt Caspar und auch, dass Hotels wie das Intercontinental in etwa zu 40 Prozent von Tagungen und Kongressen und 60-prozentig von Individualgästen lebten. Auf den Malediven beispielsweise gebe es keine Tagungen und keine Veranstaltungen, alle Gäste, die anreisten, kamen zu ihrem Vergnügen. Allerdings sieht er in den Unterschieden auch eine Chance. »Berchtesgaden ist ein sensationeller Standort. Und von der Gästestruktur ausgehend, müssen wir versuchen, so gut zu sein, dass der Gast wiederkommt. Und wenn er im Rahmen einer Tagung bei uns war, sollte er motiviert sein, die Reise zu uns privat zu wiederholen.

Pläne hat Caspar viele für die nächste Zukunft. Auch wenn die Zeit seines Hierseins bisher erst kurz ist. Die Häuser auf den Malediven und auf dem Obersalzberg seien natürlich generell nicht unmittelbar miteinander vergleichbar. Auf den Malediven kümmerten sich rund 650 Mitarbeiter um das Wohl der Gäste, plus etwa 80 Teilzeitbeschäftigte. Wobei man natürlich auch realistisch die verschiedenen Strukturen, die sehr unterschiedlichen Aufgaben der beiden Hotels und auch das Lohngefüge der beiden Regionen in einen Vergleich einfließen lassen müsse, sagt Caspar.

Auf dem Obersalzberg seinen derzeit knapp 140 Mitarbeiter um das Gästewohl bemüht. Hier sei es aber wohl kaum gefragt, täglich die Strände vor dem Haus zu säubern und zu harken. »Man kann dort aber natürlich auch freier agieren. Hier gibt es eine ganze Reihe von Vorschriften, die es dort nicht gibt.«

Michael Caspar hat, wie man so schön sagt, sein Hotelhandwerk von der Pike auf gelernt, hat alle Stationen eines Hotelbetriebs durchlaufen. (Er hält sich dabei selbst immer noch für den amtierenden Rekordhalter im Zimmershampoonieren.) Der gebürtige Kölner, angesprochen auf die in letzter Zeit viel diskutierte Zurückhaltung junger Leute, sich für eine Lehrstelle im Hotel- und Gaststättenwesen zu bewerben, sagt von sich: »Das hat mich damals auch nicht gefreut, aber es ist eine Erfahrung, die mir immer noch nützlich ist. Ich habe damals Arbeiten und Disziplin gelernt und viele andere Dinge. Es ist nicht unbedingt sexy, eine Hotellehre zu machen. Und wenn ich ehrlich bin: Mir ist auch heute noch ein Praktiker, der seinen Beruf kann und ihn mit Engagement ausübt, wesentlich lieber als ein Theoretiker mit vielen Abschlüssen.«

Wenn ein Hotel, wie erwähnt, eine Auslastung von 58 Prozent erreicht, ist naheliegend, eine Steigerung anzustreben. Das Intercontinental brauche logischerweise mehr Gäste, mehr Belegung. »Ziel ist klar, im Jahre 2013 bei 60 Prozent zu liegen«, sagt Michael Caspar.

Es gäbe viele Faktoren, um das Ziel auch zu erreichen, ist er sich sicher. Ganz einfach: »Wenn ein Gast wiederkommt, dann waren wir es wert - wenn er nicht wiederkommt, waren wir es nicht wert.« Darauf müsse man aufbauen. Es sei doch so, dass ein Hotel, zumal eines wie das auf dem Obersalzberg, nicht einfach Zimmer vermiete und Essen anbiete. »Wir verkaufen Erlebnisse«, sagt Caspar und das müsse jeder Mitarbeiter verinnerlichen. Der Idealfall sei erreicht, wenn jeder Angestellte im Hotel sich als Gastgeber sehe, wenn eine Belegschaft aus lauter guten Gastgebern bestünde. Dann fühle sich der Gast wohl. Wobei er aus langer Erfahrung wisse, dass ein selbstbewusster Mitarbeiter auch ein besserer Gastgeber ist.

Derzeit seien rund 75 Prozent der Gäste Deutsche. Die nächste Gruppe stellten die Österreicher mit gerade einmal 3,7 Prozent und dahinter kämen viele Nationen im niedrigen Prozentbereich. Da liege das Potenzial, ist sich der Generalmanager sicher. Man müsse die Gäste in ihren Ländern abholen. Zwar würden Stammgäste in keiner besonderen Statistik erfasst, aber auch da lasse sich etwas machen. »Wir müssen bessere Gastgeber sein als bisher und weniger Fehler machen, dann kommen die Gäste. Und sie kommen gern.« Michael Caspar gibt sich als Realist beim Erklimmen neuer Stufen. »Was jetzt schon gut ist, soll bleiben. Ich muss mich als Generalmanager vor allem um das kümmern, was ich ändern kann.« DM