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Der Mann mit dem »bösen Blick«

Bad Reichenhall – Zunächst waren ihre beiden Hunde in der Nonner Au aneinandergeraten, dann Herrchen und Frauchen. Am 1. Mai soll der 63-jährige Rentner die 49-jährige Bankkauffrau umgeschubst haben. Körperverletzung lautete die Anklage am Laufener Amtsgericht gegen den amtsbekannten Bischofswieser, der dafür 1 200 Euro Strafe zu zahlen hat.


Plötzlich sei dieser Schäferhund mit »Drohgebärde« vor ihr gestanden, erinnerte sich die Geschädigte. Sie habe zusammen mit ihrem Hund, einem Australian Shepherd, zunächst hinter einer Bank Schutz gesucht, das Tier aber dann von der Leine gelassen, »damit der abhauen kann«. Vergeblich: »Der Schäferhund verbiss sich in meinen Hund und lag auf ihm«, schilderte die Frau die Situation. Mit dem Fuß habe sie dann versucht, das aggressive Tier zu vertreiben.

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»Plötzlich tauchte da einer auf«, erzählte die Zeugin weiter, »mit einem bösen Blick kam der näher.« Sie habe deswegen mit der Hundeleine »gefuchtelt«. Geschlagen habe sie ihn, behauptete dagegen der Besitzer des Schäferhundes, mit dem Metallverschluss direkt ins Gesicht. »Im Affekt habe ich sie geschubst«, räumte der Rentner ein.

»›Hilfe, Vergewaltigung‹ hat die Frau geschrien«, berichtete eine 15-jährige Schülerin, die das Geschehen vom nahen Skaterplatz mitbekommen hatte. Ihre Freundin hatte beobachtet, wie die Frau mit der Leine um sich geschlagen habe, sie selbst habe gesehen, wie der Angeklagte die Frau »zu Boden drückte«.

Ein 54-jähriger Urlauber war zu dieser Mittagsstunde mit seinem Enkel unterwegs gewesen. Auch er hatte die Hilferufe der Frau gehört, wollte sich aber angesichts zweier großer Hunde zunächst nicht nähern. Der Zeuge erinnerte sich, dass der Rentner wohl schon im Begriff war, zu gehen, ehe er sich mit dem Kommentar »die packe ich« wieder der Frau zuwandte. »Ich habe Panik bekommen, der Mann war mir unheimlich«, so die Frau im Sitzungssaal.

Der Rentner ist am Laufener Amtsgericht kein Unbekannter. Im August 2007 war der Mann zu einer Geldstrafe verurteilt worden wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organe: Eine Geldstrafe gab es auch im Juli 2012 wegen Urkundenfälschung. Erst im Februar dieses Jahres war er von Richter Dr. Christian Liegl zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, verurteilt worden (wir berichteten), weil er Mitarbeiter des Jobcenters beleidigt und dort eine junge Muslima massiv eingeschüchtert hatte. Und schließlich bei einer Linken-Kundgebung mitten in Bad Reichenhall den sogenannten Hitlergruß gezeigt hatte.

Staatsanwältin Julia Fetschele sah den Vorwurf im Prinzip bestätigt, wollte zugunsten des Angeklagten aber die Schläge mit der Hundeleine werten. Die Körperverletzung wertete Fetschele »am untersten Ende der Skala«. Sie plädierte auf 90 Tagessätze zu je 25 Euro.

»Hier haben sich alle Beteiligten nicht ordnungsgemäß verhalten«, konstatierte Rechtsanwalt Udo Krause. Durch das hysterische Schreien der Frau und den Schlägen mit der Leine habe sich sein Mandant »hinreißen lassen, zu schubsen«. Dafür habe er ein gewisses Verständnis, so der Verteidiger.

»Dieser Vorgang wäre eigentlich einzustellen«, gewichtete Richter Liegl das Geschehen, »wäre da nicht die zeitnahe Vorverurteilung«. Liegl entschied auf 60 Tagessätze zu je 20 Euro wegen vorsätzlicher Körperverletzung, in Summe also 1 200 Euro. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig. Der Australian Sheperd trug keinen dauerhaften Schaden davon. Hannes Höfer