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Der Mensch hinter der Musik

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In der Stube von Hansjörg und Hildegard Hasenknopf probte die Berchtesgadener Saitenmusik regelmäßig. Foto: Anzeiger/Merker

Berchtesgaden – Es ist jetzt vier Jahre her, dass der begnadete Musiker Franzi Schwab gestorben ist. Mit seinem Zitherspiel war er weithin bekannt, während ihn die Marktschellenberger als immer pfeifenden Postboten in Erinnerung haben. Sein langjähriger Wegbegleiter Hansjörg Hasenknopf hat nun die besten Geschichten und Begebenheiten in dem Büchlein »Über 40 Jahre unterwegs mit dem Schwab Franzi« veröffentlicht.


»Ich wollte dem Menschen Franzi Schwab in den Vordergrund rücken«, erklärt Hansjörg Hasenknopf seine Buchidee. »Denn seine Musikalität ist in all den Sendungen und Nachrufen ausreichend gewürdigt worden.« Über 40 Jahre war Hasenknopf zusammen mit seiner Frau Hildegard Hasenknopf Teil der Berchtesgadener Saitenmusik. »Franzi hat es verstanden, uns, also seine Mitspieler, immer auf die Notwendigkeit des Zusammenklangs hinzuführen und das ist ihm ja auch weitgehend geglückt.«

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Doch nicht nur der richtige Zusammenklang war wichtig, auch der Zusammenhalt der Gruppe über so einen langen Zeitraum zeigt, dass sich alle Beteiligten gut verstanden haben. Auch wenn, und das kann man aus den vielen lustigen Geschichten heraushören, es nicht immer ganz einfach war. Denn Franzi Schwab war Musiker durch und durch, was ein großes Maß an Geselligkeit einschloss.

Der Franzi und sein Bierl

»Der Franzi war es dann, der meistens als Erster sein Kofferl nach der Veranstaltung wieder auspackte. Je weiter ich zurückdenken kann, desto länger wurde bis in den Morgen musiziert und gesungen.« Das »Bierl«, wie es Franzi Schwab liebevoll bezeichnete, schmeckte ihm immer gut. »Einmal hat ihm Hildegard ein alkoholfreies Bierl untergeschoben. Er kostete ein wenig«, erinnert sich Hansjörg Hasenknopf, »und ließ es stehen. Gleich bestellte er ein anderes. Und auf den Hinweis von Hildegard, dass da ja noch eine ganze Halbe stehe, bekam sie barsch zur Antwort: »Den Plempi konnst da selber sauf'n.«

Mit einem unvermeidlichen »Aah, guat« genoss er sein Bierl. Doch an einem Abend im Wolferstetter Keller in Vilshofen, nachdem die Musileut mit Bier versorgt worden waren, blieb zur Verwunderung aller die schöne Schaumkrone in den Weißbiergläsern erhalten. »Erst bei Ebbe ward das Geheimnis der erhaltenen Schaumkronen sofort gelüftet.« Spinnweben hatten sich über die selten benutzten Gläser gelegt und den Schaum festgehalten.

So reiht sich Geschichte an Geschichte. Hansjörg Hasenknopf hat es geschafft, sie so lebendig zu erzählen, dass man beim Lesen fast meint, selber dabei gewesen zu sein. »Ich habe halt ein paar Anekdoten aufgeschrieben, die typische Züge des Franzi aufzeigen.« In 40 gemeinsamen Jahren als Berchtesgadener Saitenmusik haben sie doch einiges zusammen erlebt. Unzählige Auftritte haben sie absolviert und dabei darf man nicht vergessen, dass sie noch ihren normalen Beruf sozusagen »nebenher« hatten. Während Hansjörg Hasenknopf die Grabenschmiede aufbaute, kümmerte sich seine Frau Hildegard um die Kinder. Sohn Korbinian übernahm die Schmiede und Tochter Elisabeth wurde Künstlerin. Sie hat auch die Zeichnungen und Karikaturen zu dem Buch beigesteuert. »Bereits als Kind kannte sie den Schwab Franzi«, erzählt Hasenknopf, »und hat ihn bei uns in der Stube bei den Proben erlebt.«

Gelungene Zeichnungen

Das erklärt, warum sie ihn so treffend hat zeichnen können. Mit nur wenigen Strichen ist es Elisabeth Sebold-Hasenknof gelungen, das Typische des Musikers darzustellen. Neben den Geschichten und den Illustrationen sind zahlreiche Fotos in dem sehr schön aufgemachten Buch abgedruckt. Herausgegeben hat es der Bairisch-Alpenländische Volksmusikverein, dessen 2. Vorsitzender Manfred Wörnle auch das Vorwort geschrieben hat. »Wir glauben fest, dass er vom Musikantenhimmel mit seinen Argusaugen darüber wacht, ob wir in seinem Sinne die Instrumente erklingen lassen«, ist Hansjörg Hasenknopf überzeugt. Christoph Merker

Das Buch hat 74 Seiten, kostet 20 Euro und ist in der Bücherstube in Berchtesgaden erhältlich.